Mobilitätstrainings:
Trotz Einschränkungen sicher unterwegs

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Über 276 Millionen Fahrgäste nutzen jährlich die Busse und Stadtbahnen der KVB. In der Millionenstadt Köln steigen an einem durchschnittlichen Werktag rund 900.000 Mal Menschen ein, die mit der KVB vorankommen möchten. An Sonn- und Feiertagen sowie in den Ferien sind es weniger, aber immer noch genug. KVB – ein Massengeschäft. Das macht sich insbesondere morgens in vollen Fahrzeugen und an vollen Haltestellen bemerkbar. Wie aber kommen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen damit zurecht? Ist die KVB für Rollator, Rollstuhl und Co geeignet?

Ja, und zwar immer besser. Natürlich ist und bleibt der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ein Massengeschäft. Aber zum einen hat die KVB viel stärker als früher die Bedürfnisse der einzelnen – möglicherweise mobilitätseingeschränkten – Fahrgäste im Blick, und zum zweiten ist es ihr Ziel, das solidarische Denken und Handeln ihrer Fahrgäste zu fördern.

Verschiedene Bereiche der KVB – vom Fahrgastservice über die Kundenberater, den Fahrdienst bis hin zur Betriebssteuerung – leisten Service-Aufgaben für den Fahrgast.

Verschiedene Bereiche der KVB – vom Fahrgastservice über die Kundenberater, den Fahrdienst bis hin zur Betriebssteuerung – leisten Service-Aufgaben für den Fahrgast.

Die Zeiten, in denen Aufzüge und Rolltreppen die Ausnahme waren und „Barrierefreiheit“ ein Fremdwort war, sind zum Glück lange vorbei. Inzwischen sind alle Busse im KVB-Liniennetz absenkbar und verfügen über eine ausklappbare Rampe. Über 90 Prozent der Stadtbahn-Haltestellen sind barrierefrei zugänglich und ermöglichen den niveaugleichen Einstieg in die Fahrzeuge. An dem nicht unwichtigen Rest arbeiten Stadt Köln und KVB beharrlich, so dass es immer mehr in Richtung vollständige Barrierefreiheit geht. Somit hat jeder Fahrgast die Chance, die Busse und Stadtbahnen ohne Hürden zu erreichen. Für Menschen mit Sehbehinderung wird zudem das Blindenleitsystem mit besonderen Bodenplatten und akustischen Ansagen ausgebaut.

Hilfestellung für ein selbstbestimmtes Leben

Das Selbstverständnis in der Gesellschaft hat sich gründlich gewandelt. Allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben und die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, ist heute ein hohes, unbestrittenes Ziel. Deshalb darf der ÖPNV kein Massengeschäft sein, in dem kleine Gruppen mit besonderen Anforderungen an den Rand gedrängt werden. Die KVB als Dienstleister nimmt diesen Kundenanspruch sehr ernst und tut alles Mögliche, um dem Anspruch gerecht zu werden. Das geht nicht in jedem Fall, denn auch die KVB kann nicht zaubern – aber es gibt auch individuelle Hilfestellungen.

Zu diesen Hilfen gehören Mobilitätstrainings. Seit August 2011 haben über 11.500 Menschen an solchen Trainings teilgenommen. Mit den Trainings bekommen die Fahrgäste Tipps, die ihnen das Ein- und Aussteigen erleichtern, die Sicherheit auf der Fahrt erhöhen, die Fahrgäste mit den Notfall- und Hilfseinrichtungen vertraut machen und auch die Betriebstechnik erläutern.

Für Markus Schönbein, Mobilitätstrainer der KVB, ist Kommunikation hierbei das „A und O“. Auch in der Masse können sich Fahrgäste an die Fahrer/innen der KVB wenden, um zum Beispiel die Rampe des Busses ausklappen zu lassen oder genug Zeit zum Hinsetzen zu bekommen. Die Fahrer/innen müssen nur wissen, dass dort ein Fahrgast mit dieser Anforderung ist. Das Einfachste ist, bereits an der Haltestelle durch eine erhobene Hand auf sich aufmerksam zu machen. Genauso wichtig ist es, wenn die Rampe nicht benötigt wird, vorne an der ersten Tür einzusteigen. Hierbei kann der Fahrer angesprochen werden, damit dieser wartet bis der Fahrgast einen sicheren Sitzplatz eingenommen hat.

Auch andere Fahrgäste lassen sich gerne ansprechen, um etwa Platz für den Rollator oder Kinderwagen zu machen. Rückmeldungen aus dem Kreis von Teilnehmern ergeben, dass die Hilfsbereitschaft in unserer Gesellschaft zum Glück nicht abgenommen hat. Die Kölnerinnen und Kölner helfen meist gerne, wenn etwa der Buggy angehoben werden muss oder wenn sie einen Sitzplatz freimachen sollen.

Mobilitätstrainings für Senioren

Zusammen mit Gruppen aus dem Kölner Seniorennetzwerk werden in jedem Jahr zahlreiche Bustrainings und Bahntrainings durchgeführt, in 2015 jeweils 25 Stück. Hierbei stehen der Umgang mit dem Rollator und die Notwendigkeit eines festen Sitzplatzes im Mittelpunkt. Die Senioren werden ermuntert, sich deutlich und laut verständlich zu machen. „Keine Scheu“ ist da häufig zu hören, „Jammern nutzt nichts, denn Sie schaden sich höchstens selbst.“

Zu häufig setzen sich Senioren auf ihren Rollator, weil sie keinen freien Sitzplatz finden. Genau das ist aber eine der größten Gefahren in einem sich bewegenden Bus und in der fahrenden Bahn.

Der Umgang mit Rollatoren wird in Trainings geübt, damit es spielend einfach wird. Inzwischen gibt es sogar spezielle Rollatortage.

Der Umgang mit Rollatoren wird in Trainings geübt, damit es spielend einfach wird. Inzwischen gibt es sogar spezielle Rollatortage.

„Steigen Sie vorne beim Fahrer ein und sagen Sie ihm, wo Sie wieder aussteigen möchten“, ist ein weiterer häufiger Tipp – der Fahrer kann dann länger warten, bis der Ausstieg geglückt ist. Auch die speziellen Haltewunsch-Knöpfe mit dem Rollstuhl-Symbol sind wichtig, denn mit diesen bleiben die Türen etwas länger geöffnet.

Senioren, die einzeln oder in kleinen Gruppen an einem solchen Training teilnehmen möchten, können sich über die Vermittlung der KVB anderen Gruppen anschließen.

Mobilitätstrainings für Menschen mit Behinderung

Auch Menschen mit Behinderung haben individuelle Anforderungen an die Nutzung des ÖPNV, die sich in vielen Fällen erfüllen lassen. Und auch hier gilt es, Abläufe zu trainieren und Wissen zu mehren. Vieles ist ähnlich wie bei Senioren, die einfach nicht mehr so gut auf den Beinen sind – die Rampe wird benötigt, das Fahrzeug soll nicht so schnell anfahren, andere Fahrgäste sollen den Platz für den Rollstuhl frei machen oder die Info über einen defekten Aufzug möchte weitergegeben werden.

Auch für diese Fahrgastgruppe werden Trainings angeboten. In Zusammenarbeit mit sozialen Trägern wie den Gemeinnützigen Werkstätten Köln (GWK), Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstellen (KoKoBe), der Caritas, Sozial-Betriebe-Köln (SBK) und dem Integrations-Fachdienst Köln (IFD) werden Trainings mit jeweils fünf Trainingseinheiten durchgeführt. Neben der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen diese Trainings vor allem auch das selbständige Erreichen der Arbeitsplätze zum Beispiel in Behindertenwerkstätten. Für viele Menschen ist es wichtig, nicht immer gebracht und abgeholt werden zu müssen, sondern wie die anderen Kölner auch selbstverständlich die KVB nutzen zu können.

Couragiert mobil

Besonders wichtig sind auch die Trainings unter dem Titel „Couragiert mobil“. Hier bekommen Menschen Unterstützung darin, sich in brenzligen Situationen zu behaupten bzw. anderen Menschen bei Gefahren zur Seite zu stehen. Insgesamt 74 dieser Trainings führte die KVB in 2015 durch.

Auch wenn es manchmal falsch verstanden wird: Bereits in brenzligen Situationen sollte Hilfe geholt werden. Dies ist nicht strafbar.

Auch wenn es manchmal falsch verstanden wird: Bereits in brenzligen Situationen sollte Hilfe geholt werden. Dies ist nicht strafbar.

In den Fahrzeugen der KVB und an den Haltestellen befinden sich verschiedene Notrufeinrichtungen, die auch dann genutzt werden können, wenn Menschen Angst haben oder sich einfach Sorgen machen. Es muss nicht erst etwas passiert sein, bevor der Notrufknopf gedrückt wird – in jedem Fall hilft die KVB persönlich.

Blind auf dem Auge für Sehbehinderte?

All diese Trainings richten sich vor allem an Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit. Sie sind nicht so schnell, haben Hilfsmittel dabei und benötigen sichere Sitzplätze. Doch was ist mit Menschen, die eine Sehbehinderung haben? Hiermit ist es schwieriger. Das Training setzt darauf, dass sich der Trainer gut in den Fahrgast hineinversetzen kann. Deshalb können Sehbehinderte am besten trainiert werden, wenn sie eine spezielle Begleitung haben. Für Markus Schönbein ist der „Dolmetscher, der selbst nur eingeschränkt sehen kann“ sehr wichtig. In diesen individuellen Kleingruppen führt er auch solche Trainings durch.

Eine Broschüre mit zahlreichen Tipps

Aus den zahlreichen Trainings ging immer wieder der Wunsch hervor, die Tipps und Tricks an möglichst viele Menschen weiterzugeben. So wurde die Anzahl der Teilnehmer der Mobilitätstrainings immer wieder erhöht – 2011 begann man mit rund 730 Menschen, dann stieg die Zahl in den Folgejahren auf jeweils über 2.000 jährlich und überschreitet in 2016 vermutlich erstmals die 3.000er Marke. Die Inhalte tragen sich auch im Ansatz der „Hilfe zu Selbsthilfe“ weiter fort.

Die neue Broschüre der KVB ist kostenlos und soll weite Verbreitung finden.

Die neue Broschüre der KVB ist kostenlos und soll weite Verbreitung finden.

Kürzlich konnte gemeinsam mit der KoKoBe die Broschüre „Mit Bus und Bahn unterwegs – Tipps in einfacher Sprache“ herausgegeben werden“. An dieser Veröffentlichung haben Menschen mit Behinderung aktiv mitgewirkt. Ihre Erfahrungen sind hierin eingeflossen. Inzwischen wird die Broschüre bundesweit nachgefragt. Die KVB möchte mit ihr so viele Menschen erreichen wie möglich, denn das Individuelle im Massengeschäft ist die tägliche Herausforderung des Unternehmens. Damit ist die KVB sehr wohl für Rollator, Rollstuhl und Co geeignet.

Kontakt

Wer die Broschüre haben möchte, findet diese in den KundenCentern der KVB und bei der KoKoBe. Sie kann auch unter Telefon 0221/547-3863 (Markus Schönbein) oder über E-Mail markus.schoenbein@kvb-koeln.de kostenfrei bestellt werden. Sie ist zudem im Internet unter www.kvb-koeln.de erhältlich. Fragen und Anmeldungen zu einem Mobilitätstraining können auch über diesen Kontakt getätigt werden.

Fotos: Stephan Anemüller (KVB), KVB-Archiv

 

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Ein Kommentar

  • Tanja

    Hallo

    Das ist ja alles schön und gut. Es nützt nur nichts, wenn man mit Krücken unterwegs ist, die Bahn bzw den Bus erfolgreich betreten hat, und der Fahrer dann kein Rücksicht nehmen kann, und los fährt, man sich aber noch keinen Sitzplatz sichern konnte, und aufgrund der Krücken sich auch nicht festhalten kann, und somit fast Quer durch die Bahn purzelt, das gleiche gilt beim anfahren der Haltestelle, man steht früher auf da man sowieso länger braucht, und der Fahrer ( ich hatte echt zeitweise das Gefühl er/die machen es mit Absicht) tritt nochmal auf’s Gas, bzw. Voll in bremsen, und ich bekomme unfreiwillig kontakt mit den Fahrgästen.
    Zusätzlich wieder schmerzen in meinem operiert knie.
    Gott sei dank ist diese Zeit für mich vorbei. Aber für alle anderen bleibt dieses Risiko.

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