P&R wird auf neue Ebene gehoben
Mit digitaler Technik erhält „Park and Ride“ der KVB höheren Wert im Umweltverbund
Die KVB betreibt 24 P&R-Anlagen mit derzeit insgesamt 4.641 Stellplätzen im Stadtgebiet Kölns. Aktuell werden die Anlagen digitalisiert, um die Auslastung besser zu steuern. Technisch erfasst werden die Auslastung der einzelnen Anlagen sowie die Belegungssituation der einzelnen Stellplätze. Hierbei erhalten die Nutzerinnen und Nutzern auch einen höheren Komfort und müssen P&R-Anlagen nicht mehr „auf gut Glück“ anfahren.
Die Digitalisierung schreitet schnell voran. Bisher wurden fast 4.000 Stellplätze mit Boden-Sensoren ausgestattet. Einige der Anlagen erhielten bereits digitale Anzeigetafeln, mit denen – bei Anlagen ab 42 Stellplätzen – die Anzahl freier Stellplätze erkennbar ist. Das LoRaWan-Netzwerk der Konzernschwester NetCologne (local range area network) ist aufgebaut und funktioniert. Schneller als geplant wird die Digitalisierung der P&R-Anlagen vor dem 31. Dezember 2026 abgeschlossen sein. Hierbei ist von großem Vorteil, dass der Projektpartner ParkLap, ein Fachunternehmen aus Duisburg, äußerst schnell und präzise mit der Ausstattung der Stellplätze und der Integration der Sensoren in das Gesamtsystem vorankommt.Insbesondere die P&R-Anlage in Weiden West (mit derzeit 685 Stellplätzen) muss jedoch noch ausgestattet werden. Hier wird gerade ein Ausbauprojekt durchgeplant, womit sich die Gesamtanzahl der Stellplätze, in allen Anlagen, später auf über 5.300 erhöht. Doch schon jetzt können die Nutzerinnen und Nutzer ihr Auto gezielt in einer der P&R-Anlagen abstellen und müssen dabei keine umfangreiche Parkplatzsuche vor Ort riskieren – die benötigten Informationen kommen vorher über die Kanäle des Internets zu ihnen. Damit wird P&R ein noch besserer Baustein im Umweltverbund. Digitalisierung erleichtert den Umstieg auf Bahn und Bus.
KVB, NetCologne und Parklap kooperieren
Bei der Digitalisierung ihrer P&R-Anlagen kooperiert die KVB mit dem Schwesterunternehmen NetCologne und mit dem Duisburger Spezialisten ParkLab. Die Duisburger haben bereits die Anlagen verschiedener Unternehmen ausgestattet und eine geeignete Software entwickelt. Mit NetCologne ist die KVB im Stadtwerke Köln Konzern (SWK) verbunden und kann hier erneut von den Synergien des Konzerns profitieren.
Parallel hierzu wurden die Gateways des Projektpartners NetCologne in den Bereichen aufgebaut, wo bisher keine LoRa-Ausleuchtung vorhanden war. Diese sind vor Ort nicht ohne weiteres zu erkennen, sorgen aber bereits für den Datenfluss.
Die in den Sensoren befindlichen Batterien sind langlebig, so dass sie erst nach mehreren Jahren ausgetauscht werden müssen. Die Techniker müssen also nicht ständig in der Wartung aktiv sein. Das vermeidet hohe Kosten. Eine dafür angepasste Wartung wird gewährleistet.
Aufgrund der mit LoRaWan eingesetzten Funktechnik konnten aufwändige Verkabelungsarbeiten vermieden werden. Auch dies ist sehr günstig für die Kostensituation.
Entscheidend für dieses Projekt der Digitalisierung ist die LoRaWan-Technik der NetCologne. Die einfache Funktechnik zur Übertragung der Daten „Stellplatz Nr. x ist belegt“ oder „Stellplatz Nr. x ist nicht belegt“ erspart die Verlegung von einigen Kilometern Kabel je P&R-Anlage und – im Vergleich zum bisherigen Vorgehen – zahlreiche zeitaufwändige, damit vor allem teure, Kontrollfahrten zur Identifikation von Fehlbelegungen.
Das schmalbandige Übertragungsverfahren LoRa transportiert kleine Datenpakete über große Reichweiten: Die Sensoren erfassen die Daten und funken diese an Gateways. In den Gateways werden diese Daten für bis zu mehreren Hundert Stellplätze gebündelt und dann über das Internet übergeben. Letztlich werden die Daten über eine genormte Schnittstelle (Mobilithek) der Stadt Köln und den Verkehrsverbünden zur Verfügung gestellt. Diese können auch für zusätzliche Reiseinformationen in einem weiteren KVB-Betriebssystem (ITCS – Intermodal Transport Control System) zur Verfügung gestellt werden.Damit ist auch Videobasierte Technik in den P&R-Anlagen vermeidbar. Diese ist immer mit diversen Datenschutzrechtlichen Fragestellungen verbunden.
In städtischer Umgebung kann die LoRaWan-Technologie Daten bis zu zwei Kilometer funken. Die Verarbeitungsschritte bedeuten für die Nutzerinnen und Nutzer der P&R-Anlagen sowie für die internen Dienste der KVB keine spürbaren Zeitlücken.

Gefüllte Anlagen führen auch zum „wilden Abstellen“ von Pkw daneben – ärgerliches Ergebnis ein abgeschlepptes Auto sein
Für die Nutzerinnen und Nutzern ist es dadurch egal, ob sie sich zwischen den Verkehrsgebieten der unterschiedlichen Unternehmen bewegen und welche Medien – zum Beispiel die KVB-App, eine Website eines anderen Verkehrsunternehmen etc. – sie nutzen.
Einfacher Aufbau eröffnet neue Möglichkeiten
Der Aufbau der Hardware schreitet schnell voran. Zunächst war es faszinierend zu sehen, wie schnell der Projektpartner Parklab die Magnet- bzw. Radarsensoren, also die grauen „Kappen“, auf den einzelnen Stellplätzen montiert hat. Auf der P&R-Anlage Stammheim zum Beispiel war an einem ruhigen Vormittag bereits aus der Ferne das melodische Bohren und Schrauben der Akkugeräte zu hören. Zwischenzeitlich hinderten noch andere Baumaßnahmen das Vorankommen – etwa die Zufahrt zum Parkdeck der P&R-Anlage Thielenbruch oder die anstehende Erweiterung der P&R-Anlage Weiden West. Letztere ist als „Bremse“ bisher noch übriggeblieben.
Auf den Plätzen unter freiem Himmel werden die Kappen in den Asphalt geschraubt und geklebt, in den Parkpaletten auf den Beton geklebt. Direkt danach werden sie freigeschaltet. Auf Tablets können die Mitarbeitenden dann bereits sehen, auf welchen der durchnummerierten Stellplätze Fahrzeuge stehen. Die Magnet- und Radarsensorik erkennt das Metall.
Im nächsten Schritt werden die digitalen Anzeigetafeln errichtet. Diese befinden sich, mit einheitlichem Design, direkt an der Einfahrt zu den Anlagen. Auf den Anlagen unter freiem Himmel werden sie durch Photovoltaik-Platten elektrisch versorgt, an den Parkpaletten an deren Stromversorgung angeschlossen. In Stammheim, Sürth, Bocklemünd, am Königforst, Stadion (siehe Bild ganz oben) und weiteren Anlagen ist dies bereits zu sehen.
Kölner Projekt wird finanziell durch Zweckverband go.Rheinland gefördert

Dank finanzieller Unterstützung durch go.Rheinland ist das umfangreiche Digitalisierungs-Projekt realisierbar
Am 1. Oktober 2024, vor Beginn der konkreten Arbeiten in der ersten P&R-Anlage, wurde dem (inzwischen in Rente gegangene) KVB-Vorstand Jörn Schwarze ein entsprechender Bescheid durch Michael Vogel, Geschäftsführer go.Rheinland, übergeben. Hiermit werden die Ziele verbunden, die „Auslastung kontinuierlich zu erfassen, die Daten verbundweit verfügbar zu machen und auf unterschiedlichen Auskunftswegen auszugeben“, wie es im Erläuterungsbericht zum Finanzierungsantrag steht. Kunden profitieren von digitaler Unterstützung
Durch die Digitalisierung der P&R-Anlagen können deren Nutzerinnen und Nutzer von einem höheren Komfort profitieren. Bereits zu Hause und an anderen Orten, auch auf der Anfahrt, lässt sich zum Beispiel in der KVB-App nachsehen, wieviel freie Stellplätze die P&R-Anlage der Wahl aufweist. Wer also etwas später in der Rush Hour unterwegs ist, kann rechtzeitig umdisponieren und erspart sich unnütze Zeit für die Suche nach den vielleicht letzten freien Plätzen. Gleiches bei der Einfahrt in die Anlage: Lieber den ersten freien Stellplatz nehmen oder aber nah an den Zugang zur Haltestelle fahren?
Durch die nun einfachere Detektion der missbräuchlichen Nutzung können etwa „Dauerparker“ schneller aus den Anlagen entfernt werden. Vor allem der Gewöhnungseffekt, dass Missbrauch durch die KVB schnell erkannt und unterbunden wird, wird zu Verhaltensänderungen führen.
Unter dem Strich werden mehr freie Stellplätze für die beabsichtigen Nutzerinnen und Nutzer zur Verfügung stehen.
Zudem werden diese Informationen in der KVB-App und in anderen Kundenmedien gemeinsam mit weiteren Informationen des ÖPNV präsentiert. Somit ist schnell – in einem Medium – erkennbar, wann die nächste Bahn oder der nächste Bus in die gewünschte Richtung abfährt oder ob KVB-Räder vor Ort zur Verfügung stehen.
Die Digitalisierung der P&R-Anlagen führt somit für die Nutzenden zu nützlichen Informationen. Langfristig soll dies zur Kundenzufriedenheit beitragen und mehr Menschen bewegen, auf den ÖPNV umzusteigen.
Fotos: Stephan Anemüller/KVB und Smilla Dankert – Grafik: KVB
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