Test: 1,2,3 – Hier kommt der KVB-Funk

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„Hier spricht die Leitstelle der KVB…“ – das haben Millionen von Fahrgästen in Köln schon gehört. Und hören können sie das nur, weil die Worte der Leitstellenmitarbeiter per Sprachfunk in die Fahrzeuge übertragen werden. Tatsächlich sind die Durchsagen der Leitstellenmitarbeiter, die wohl kaum ein Fahrgast wirklich wahrnimmt, einer der wenigen Anknüpfungspunkte, den die Fahrgäste an die KVB-Funktechnik haben, ist ihre sonstige Arbeit doch vor allem für den betrieblichen Ablauf relevant. Weil ich aber gerade den Betrieb interessant finde, habe ich mir die Frage gestellt, was funktechnisch eigentlich alles passieren muss, damit es rund läuft.

Die KVB hat ein eigenes gesichertes nicht-öffentliches Funknetz. (Das heißt, es ist genauso verboten, den KVB-Funk abzuhören, wie den von Polizei oder Feuerwehr.) Mit insgesamt 18 Basisstationen (+1 Testanlage), die flächendeckend im Netz verteilt sind, erreicht die Leitstelle jedes Funkgerät der KVB von Brühl bis Merkenich, von Bensberg bis Pulheim. Und auch die Fahrzeuge der Stadtwerke Bonn, wenn sie auf Kölner Gebiet fahren. Andersherum kann die Bonner Leitstelle natürlich auch in die 16 oder 18 funken, sobald sie die Kölner Fahrzeuge übernommen hat.

 

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Funktechniker, wer ist das?

Übrigens sind die Funktechniker nicht nur für die Fahrgäste unbekannt. Hätte ich nicht den Blogtext über die Oberleitungstruppe (s. Blogbeitrag „Wie kommt der Strom in die Bahn“) geschrieben, hätte ich die Kollegen, von deren Aufgaben ich hier erzählen möchte, nämlich nie kennengelernt. Als ich ganz ahnungslos im Büro des Kollegen Frank saß, um mich mit ihm über sein Aufgabengebiet zu unterhalten, da spazierte zufällig Thomas zur Tür hinein. Thomas hatte ich zuvor tatsächlich noch nie gesehen, auch das gibt’s bei mehr als 3400 Kollegen. Nachdem Thomas gehört hatte, wieso Frank gerade mit mir sprach, erzählte er mir ganz kurz von seinem eigenen Aufgabengebiet, und mir war schnell klar – das wird auch ein Blogbeitrag!

Thomas ist Leiter der Funktechnik, die im Funktionsbereich Kommunikationstechnik angesiedelt ist, die Kommunikationstechnik wiederum gehört zum großen Bereich Fahrweg, dem auch die Oberleitungstruppe angehört. Im Detail sind Thomas und seine Kollegen für die Bereitstellung des Funks und die Bereitstellung des Systems zur Ladung der Datenversorgung der Bordrechner des Leitstellen-Kontrollsystems ITCS (ITCS = Intermodal Transport Control System) verantwortlich sowie auch die Instandhaltung des technischen Datenrahmens, über den z.B. alle Daten laufen, die für die Anzeiger oder die Ansagen in Bussen und Bahnen wichtig sind. Bei den Bahnen werden darüber auch die Fahrwege gesteuert, damit die Bahn weiß wohin sie fahren muss. Die Funktechniker warten, verwalten, testen, installieren die 710 Funkempfänger in Bus und Bahn und sind verantwortlich für die Funktion der 520 Handfunkgeräte und im Auftrag auch für die gesamte Funktechnik der AWB (Abfallwirtschaftsbetriebe Köln) mit 300 Empfängern. Die sechs Mitarbeiter der Abteilung sind in 24-Stunden-Rufbereitschaft, das heißt, wenn eine Störung des Funks auftaucht, dann sind sie Tag und Nacht im Einsatz.
 

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Aufgaben des Digitalfunks

Jede Bahn, jeder Bus, jeder Aufsichtsmitarbeiter im Außendienst, jede Servicekraft „auf Strecke“ ist über Funk mit der Leitstelle der KVB in Braunsfeld verbunden. Und das bedeutet nicht nur, dass die Leitstelle mit der Fahrerin, dem Fahrer oder dem Außenpersonal sprechen kann oder eben, wie erwähnt, ins Fahrzeug funken, das bedeutet auch, dass die Fahrzeuge Informationen in Datenpaketen an die Leitstelle senden. Die Menge dieser Datenpakete wird klar, wenn man weiß, dass täglich 1,2 Millionen SDS (gleich zusetzen SMS) alleine zwischen den Fahrzeugen und der Leitstelle hin und her gesendet werden.

Ein Beispiel für die Nutzung dieser SDS, ist die Beeinflussung von etwa 100 ausgewählten Ampeln der Stadt Köln. Die Bahnen der Linie 7 auf der Siegburger Straße und einem Abschnitt der Dürener Straße sowie die Busse an vielen Punkten im Netz senden über Funk ihren Standort an die entsprechenden Kreuzungsrechner. „Wir machen sozusagen den Weg frei“, scherzt Stephan, den Thomas mir für meine Recherchen zur Seite gestellt hat. „Das Fahrzeug gibt seinen Standort frühzeitig weiter, so dass es im Idealfall einfach bei Grün die Kreuzung passieren kann. “In der Innenstadt kann man zum Beispiel auf der ganzen Strecke vom Neumarkt bis zur Moltkestraße die Busse der Linien 136 und 146 beobachten, die durch eine Anmeldung an den Ampeln oder den Balkensignalen für die Stadtbahn das Grünsignal anfordern. Der Bus bekommt aber nicht automatisch „Grüne Welle“, weil die Stadtbahn z.B. vor den Bussen Vorrang hat.
 

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Den reibungslosen Ablauf sicherstellen

Ich möchte von Stephan wissen, wieso der Funk für die KVB eigentlich wichtig ist, es stehen doch auf Strecke überall Signalfernsprecher und es hat heutzutage jeder ein Handy in der Tasche. „Der Funk ist für uns ein wichtiges Arbeitsmittel. Im Notfall kommt es nämlich oft auf Sekunden an“, erklärt Stephan. Eine Entgleisung, ein Brand, so etwas ist trotz fortschrittlicher Technik nicht auszuschließen, dann muss der Informationsweg in die Leitstelle gesichert sein, um zum Beispiel KVB-Einsatzwagen, Feuerwehr oder Polizei zu erreichen. Außerdem dient der Funk auch dem reibungslosen Ablauf des alltäglichen KVB-Betriebes. Die Mitarbeiter von Aufsicht oder Fahrgastservice halten so den Kontakt zur Leitstelle. Das ist natürlich wichtig in Zeiten, in denen besonders große Fahrgastströme gelenkt werden müssen, zu großen Konzerten, zu den Kölner Lichtern, im Karneval.

Vor Großveranstaltungen wird die gesamte Funkanlage überprüft, so dass kein technischer Fehler für Wirbel sorgen kann. „Und während wichtiger Veranstaltungen überwachen wir die Anlagen natürlich konstant“, bekräftigt Stephan. Aber auch im normalen Betrieb merken die Funktechniker meist als Erste, wenn es eine Störung im Funk gibt. „Wir lösen manchmal das Problem, bevor die Kollegen es überhaupt mitbekommen haben.“ Und wenn dann doch mal etwas aufgefallen ist? „Dann werden alle verfügbaren Servicekräfte, Verkehrsmeister oder Mitarbeiter, die in dem betroffenen Bereich sind, hinzugezogen, um Informationen zu erhalten wo das Problem genau liegt und welche Auswirkungen es haben kann. Dementsprechend werden Sofortmaßnahmen zur Schadensbehebung getroffen und wenn nötig werden auch Rückfallebenen aktiviert.
 

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Das Handwerkszeug des Funktechnikers

Was braucht man eigentlich an Handwerkszeug oder welche Ausbildung muss man machen, um als Funktechniker bei der KVB arbeiten zu können? „Funktechniker ist kein Ausbildungsberuf, die meisten Mitarbeiter sind aber aus elektroniknahen Ausbildungsberufen, wie Elektroniker oder Informationstechniker für Kommunikationstechnik“, erfahre ich von Stephan, der selbst bei der KVB eine Ausbildung als Kraftfahrzeugmechatroniker für Nutzfahrzeuge gemacht hatte und sich das Fachwissen in Eigeninitiative und durch externe Weiterbildungen, angeeignet hat. „Man muss wirklich Spaß an Computern und technischen Systemen haben, die Digitaltechnik entwickelt sich rasant, so dass es innerhalb von wenigen Jahren eine komplette Erneuerung der Systeme gibt, da heißt es: am Ball bleiben!“
 

Bilder
Kölner Verkehrs-Betriebe AG

 

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2 Kommentare

  • Autorenbild' Frank

    Warum eigentlich fast immer nur Berichte über Stadtbahnen und so selten über den Busbetrieb ?

    • Kölner Verkehrs-Betriebe AG

      Hallo Frank,
      gerne berichten wir auch über spezielle Busthemen. Haben Sie da einen speziellen Wunsch?
      Viele Grüße,
      Carola Sodermanns

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