Linie 12 verbindet mehr als Nord und Süd

Die Linie 12 mit Zielbeschilderung Merkenich

Die Linie 12 ist eine wirklich verbindende Linie. Für alle Kölner, die etwa in Zollstock und der Südstadt, im Friesenviertel, in Nippes, Weidenpesch, Niehl und Merkenich wohnen, garantiert sie Mobilität. Durch die zahlreichen Verknüpfungspunkte lassen sich mit ihr darüber hinaus zahlreiche weitere Ziele erreichen. Aber diese Linie schafft auch Verbindungen in die Geschichte.

Zwölf Stadtbahnlinien betreiben die Kölner Verkehrs-Betriebe. Manche von ihnen sind allen bekannt, weil sie etwa wie die Linien 16 und 18 bis nach Bonn führen, wie die Linie 1 als Hauptachse quer durch die gesamte Stadt verlaufen oder ihnen wie der Linie 5 ein besonderes „Hätz“ zugesprochen wird. Andere Linien lohnen entdeckt zu werden. Eine von ihnen ist die 12 als Teil des Niederflurnetzes. Begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise.

Am beschaulichen Südfriedhof in Zollstock beginnt der Linienweg der 12. Er führt über den Barbarossaplatz, Nippes und Weidenpesch bis nach Merkenich.

Am beschaulichen Südfriedhof in Zollstock beginnt der Linienweg der 12. Er führt über den Barbarossaplatz, Nippes und Weidenpesch bis nach Merkenich.

Mit dem Linienweg von etwa 17 Kilometern vom Südfriedhof im Süden bis zum Stadtteil Merkenich im Norden wird auf den ersten Blick der (wie man früher sagte) „Arbeiterstadtteil“ Zollstock mit dem Industrieareal östlich von Chorweiler verbunden. Doch so einfach sind die Verkehrsströme nicht mehr. Viele Fahrgäste steigen bereits vorher aus, etwa weil sie in der engeren Innenstadt arbeiten, die Kultur in der City genießen wollen oder eine der zahlreichen Schulen und Hochschulen aufsuchen.

Doch zunächst passieren die Stadtbahnen vom Südfriedhof kommend den Höninger Weg, in dessen Geschäften der alltägliche und auch etwas höhere Bedarf gedeckt werden kann. Direkt neben den Stadtbahngleisen findet dann auch das gesellschaftliche Leben Zollstocks statt, etwa im Karneval oder in der Adventszeit. Hier in Zollstock hat die Stadtbahnlinie 12 noch den Charakter einer wirklichen Hauptachse im Veedel und zugleich als radial, also direkt, in den Stadtkern führenden Verbindung.

 

Der Marktplatz in Zollstock liegt direkt an der Linie 12 und bietet auch Platz für einen kleinen, sehr kurzen Weihnachtsmarkt.

Der Marktplatz in Zollstock liegt direkt an der Linie 12 und bietet auch Platz für einen kleinen, sehr kurzen Weihnachtsmarkt.

Schienenanbindung durch private Finanzierungsbeteiligung

Heute fahren hier an einem normalen Werktag 107 Stadtbahnen je Richtung. Es besteht über weite Abschnitte des Tages ein Zehn-Minuten-Takt. Samstags und sonntags ist das Angebot mit 82 bzw. 69 Fahrten je Richtung zwar etwas kleiner, aber die Stadtbahnlinie 12 bietet eine gute Mobilitätsalternative. Das ist auch deshalb wichtig, weil in den Straßen mit Geschoßwohnungsbau recht wenig Platz besteht, das eigene Auto abzustellen. Abschaffen ist für viele Haushalte deshalb schon die gangbarere Lösung, zumal direkt am Höninger Weg auch eine CarSharing-Station des Anbieters Cambio existiert und Zollstock auch im Bediengebiet des Leihradangebotes KVB-Rad liegt. Am 17. März 1904 wurde die Zollstocklinie eröffnet. Selbstverständlich war es nicht, dass der in der Industrialisierung heranwachsende Stadtteil Zollstock seine Schienenanbindung erhielt. Laut dem Standardwerk „Kölner Mobilität – 125 Jahre Bahnen und Busse“ (Doris Lindemann, 2002, S. 110) bewertete der Rat der Stadt Köln, gegen den energischen Widerspruch der Zollstocker Bevölkerung, die Strecke als nicht rentabel. 1899 hatten sich die Industriellen, Haus- und Grundbesitzer mit dem Hinweis auf dem Standortfaktor an die Stadt dringend gewandt. Damals brauchte man die Verbindung unter anderem, um Arbeitskräfte zu ihren Arbeitsstellen in Zollstock zu bekommen. Im Ergebnis brachten die Anlieger 50.000 Mark der insgesamt 154.000 Mark für den Bau der zwei Kilometer langen Strecke auf. Ein erstes Beispiel privater Finanzbeteiligung.

 

Am Salierring schließt die Zollstockbahn an die Ringbahn an – die Radiallnie wird zur Ringlinie.

Am Salierring schließt die Zollstockbahn an die Ringbahn an – die Radiallinie wird zur Ringlinie.

Teil der Ringbahn

Zwischen Eifelstraße und Ebertplatz bietet die Linie 12 dann keine direkte Möglichkeit, die City und den Hauptbahnhof zu erreichen. Der radiale Verlauf geht verloren. Vielmehr werden über die Ringlinie, großenteils unter der Erde geführt, zahlreiche Ziele am Rand der inneren Innenstadt angebunden. Hier findet sich das Einkaufs- und Dienstleistungszentrum Köln. Der südliche Teil des U-Bahn-Tunnels vom Zülpicher Platz bis zum Hansaring wurde 1987 eröffnet. Heute scheint das viel länger her zu sein. Der nördliche Tunnelabschnitt vom Hansaring bis zur Neusser Straße ist ja auch bereits seit 1974 in Betrieb.

Mit der vorangegangenen umfangreichen baulichen Änderung wurde die Vernetzung der Stadtbahn nicht aufgegeben. Die Linie 12 besitzt Verknüpfungspunkte mit insgesamt zehn weiteren Stadtbahnlinien. Lediglich an die Linie 17 besteht kein direkter Anschluss. Dabei sind die Haltestellen „Rudolfplatz“, „Friesenplatz“, „Hansaring“ und „Ebertplatz“ sicherlich die bedeutendsten Umsteigeorte. Neben der engen Verknüpfung im Stadtbahnnetz bestehen auch Anknüpfungen an insgesamt 15 Buslinien. Deren Busse treffen teilweise an verschiedenen Stellen auf Fahrgäste, die aus der 12 kommen oder in diese umsteigen wollen.

 

Die Linie 12 besitzt Verknüpfungspunkte mit nicht weniger als zehn Stadtbahn- und 15 Bus-Linien.

Die Linie 12 besitzt Verknüpfungspunkte mit nicht weniger als zehn Stadtbahn- und 15 Bus-Linien.

Verbindung in den Norden

Nach der Haltestelle “Ebertplatz“ wird, aus Süden kommend, die Linie 12 wieder zu einer Radiallinie. Zunächst führt der Weg geradlinig nach Nordwesten, weiterhin begleitet durch die Linie 15. Ab der Haltestelle „Wilhelm-Sollmann-Straße“ ändert der Linienweg seine Richtung um das Niehler Ei herum, dann streng nach Norden. Dort in Merkenich endet die Fahrt. Bevor die Fahrgäste spätestens dort aussteigen, passieren die Stadtbahnen weitere interessante Orte. In Weidenpesch etwa, im Umfeld der Haltestelle „Scheibenstraße“ drängen sich vor allem an Samstagen und Sonntagen Fahrgäste in den Bahnen und an den Haltestellen. Hier lädt die Rennbahn Weidenpesch dazu ein, Beweglichkeit und Pferdesport zu erleben.

Auf der anderen Seite der Linie befindet sich die Hauptwerkstatt der KVB, in der Stadtbahnen ihre Hauptuntersuchungen, größere Reparaturen und Instandsetzungen erfahren. Der denkmalgeschütze Bau des Kölner Architekten Wilhelm Riphahn (geboren 25. Juli 1889, gestorben 27. Dezember 1963) lohnt mindestens einen Blick. In den nächsten Jahren soll direkt daneben ein neues Stadtbahndepot entstehen, in dem vor allem Fahrzeuge der Linien 12 und 15 abgestellt werden. Das wachsende Netz und die dichteren Takte bedeuteten für die KVB die Erweiterung ihres Fuhrparks. Nun sind die Kapazitäten in anderen Betriebshöfen ausgeschöpft und es bedarf eines neuen „Parkplatzes“. Ganz nebenbei: Die Linie 12 verbindet auch Riphahn und Riphahn, denn auch die „Siedlung Zollstock“ wurde 1927 bis 1930 Uhr von diesem berühmten Architekten geschaffen.

Zahlreiche Fahrgäste passieren diese Sehenswürdigkeit, um über die Haltestellen „Fordwerke Nord“, „Fordwerke Mitte“ oder „Fordwerke Süd“ ihre Arbeitsplätze zu erreichen. Hier treffen zwei alte, sehr etablierte Marken Kölns aufeinander – KVB und Ford.

 

Im Norden erreicht die Linie 12 mit den Ford-Werken einen der größten Arbeitgeber Kölns und des Rheinlandes.

Im Norden erreicht die Linie 12 mit den Ford-Werken einen der größten Arbeitgeber Kölns und des Rheinlandes.

Entlang von 27 Haltestellen in einer Dreiviertelstunde

In etwa einer Dreiviertelstunde erreichen die Stadtbahnen der Linie 12 insgesamt 27 Haltestellen, von denen 14 auch von den Stadtbahnen anderer Linien angefahren werden. Weitgehend handelt es sich hierbei um die Linie 15, die sich mit der Linie 12 den Gleisweg teilt. Im Süden kommt zwischen Eifelstraße und Barbarossaplatz noch die Linie 16 hinzu. Nördlich der Haltestelle „Zülpicher Platz“ verschwindet die 12 unter die Erde und taucht erst kurz vor der Haltestelle „Mollwitzstraße“ wieder auf. Dabei machen die acht U-Bahn-Stationen aus der Linie 12 noch keine U-Bahn, zumal es sich ja auch nicht um eine richtige „unabhängige“ Bahn handelt und diese lediglich wenige Meter „unter der Decke“ liegt“. Der Einfluss anderer Verkehrsmittel auf die Stadtbahnen macht das Vorankommen im Linienverlauf manchmal schwierig, auch wenn unabhängiges Vorankommen schön wäre.

Ein Abschnitt der Ringstrecke der Linie wird vor allem unterirdisch geführt.

Ein Abschnitt der Ringstrecke der Linie wird vor allem unterirdisch geführt.

Im Norden gehören insgesamt sieben Haltestellen allein der Linie 12. Nicht weniger als drei Haltestellen tragen bereits den Hinweis auf die Ford-Werke in ihrem Namen. Auch die Haltestelle „Geestemünder Straße“ stellt die Anbindung industrieller Ziele her. Das Örtchen Merkenich nahe der Stadtgrenze zu Dormagen ist dann schon eher wie eine ländliche Insel im Industriegebiet. Die Nähe zum Rhein und zum Fühlinger See sprechen für einen hohen Freizeitwert.

Im Süden werden wiederum sechs Haltestellen allein durch die Bahnen der Linie 12 angefahren. Hier wird der gewachsene Stadtteil Zollstock erschlossen, ein verdichtetes Wohngebiet mit normalem Bevölkerungsdurchschnitt – nicht „hip“ wie Sülz und Klettenberg, nicht abgehoben wie Marienburg. Normal eben, mit einer gesunden Versorgungsinfrastruktur entlang des Höninger Weges, mit Parkanlagen im südlichen Grüngürtel, mit Industrie- und Gewerbebetrieben.

 

Die Haltestelle „Pohligstraße“ erinnert an Julis Pohlig, Ingenieur und Seilbahnbauer.

Die Haltestelle „Pohligstraße“ erinnert an Julis Pohlig, Ingenieur und Seilbahnbauer.

Haltestellen führen in die Geschichte

Dabei sind nicht alle Haltestellen so eingängig bezeichnet wie „Merkenich“, „Zollstock Südfriedhof“ oder „Fordwerke“. Manche werfen interessante Fragen auf, die uns direkt in die Geschichte führen können.

So findet sich in Zollstock die Haltestelle „Pohligstraße“. Das Kölner Straßennamen-Lexikon (Rüdiger Schünemann-Steffen, 2006) informiert uns darüber, dass die Pohligstraße, die den Höninger Weg mit der Rhöndorfer Straße verbindet, nach Julius Pohlig benannt wurde. Dieser Industrielle wurde am 17. November 1842 geboren und verstarb vor etwas mehr als 100 Jahren am 13. Januar 1916. In den 74 Jahren seines Lebens machte er „Pohlig“ zum Namen für Berg- und Drahtseilbahnen.

Im Alter von 32 Jahren gründete der Ingenieur im Siegerland seine Fabrik, die 1894 hierher nach Zollstock umgesiedelt wurde. Die Kölner Seilbahn, eröffnet 1956, stammt von Pohlig. 40 Prozent der Anteile an diesem Kölner Unternehmen hielt das Unternehmen als Eigentümer neben der Stadt Köln, bis die Seilbahnschmiede selbst nach diversen Eigentümerwechseln 1988 stillgelegt wurde. Heute befindet sich auf dem Gelände die Zentrale der Gothaer Versicherung. Direkt neben der Haltestelle „Poligstraße“ sind eine Hochschule für Medien und ein Studentenwohnheim beheimatet, „um die Ecke“ erhalten Lernende und Lehrende über die Buslinie 142 Anschluss an die Universität zu Köln. So bleibt der Erfinder- und Tüftlergeist erhalten.

In Nippes erreichen die Stadtbahnen der Linie 12 die Haltestelle „Lohsestraße“. Hermann Lohse (geboren 1816, gestorben 23. Mai 1893), Oberbaurat und Abteilungsdirigent der linksrheinischen Eisenbahn verantwortete als Ingenieur von 1855 und 1859 den Bau der ersten festen Eisenbahnbrücke Deutschlands, die Dombrücke. Dieses Bauwerk ist heute als Hohenzollernbrücke bekannt (vgl. Kölner Straßennamen-Lexikon, Hrsg. Rüdiger Schünemann-Steffen, 2006)

 

In Merkenich endet die Linie 12 - für immer?

In Merkenich endet die Linie 12 – für immer?

Von Merkenich weiter nach Dormagen?

Die Linienführung der 12 ist seit langer Zeit konstant. Dies zeigt, dass es einen Einklang zwischen der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung gegeben haben muss. Doch wie wird sich die Stadt Köln weiter entwickeln? Wachsen die Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf vielleicht hier im Norden Kölns weiter zusammen? Dormagen ist ein attraktiver Wohnstandort auch für Menschen, die in Köln oder Düsseldorf arbeiten. Und der industrielle Kern mit Automobil- und Chemieindustrie wird seine Zukunft und Perspektiven haben.

Letztlich weiß man derzeit nicht, welche Entwicklung rund um Merkenich stattfinden wird. Vielleicht wird die Linie 12 einmal die Linie sein, in der die KVB im Norden über die Stadtgrenze wächst. Vielleicht bleibt Merkenich auch ein relativ kleiner Ort so wie heute. Mal sehen, was kommt.

 

Fotos: Stephan Anemüller

 

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3 Kommentare

  • Dieter Gehlen

    Merkenich ist kein kleiner Ort mehr
    Nur schade das die Liene 12 nicht mehr über Dom Hbf fährt wie früher, anstatt über die Ringe.

    • Florian

      Sehr Geehrter Herr Gehlen,

      man kann am Ebertplatz umsteigen in die Linien 16 oder 18 und dann zum Hbf fahren (Natürlich mehr Zeitaufwand).

      Trotzdem viel Spaß beim Bahnfahren! Florian!

  • Stephan

    Hallo
    Bei der Wuppertaler Schwebebahn kann man sich über die Internetseite einen Audioguide für die Strecke runterladen. In dem Guide wird kurz, knapp und interessant, anhand der Haltestellen, die Geschichte der Stadt usw. erklärt. Das wäre doch auch mal was für die KVB und den einzelnen Linien.
    Gruß Stephan

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