Seid lieb zueinander

Seid lieb zueinander. Drei Worte, mehr nicht.
 
Ein Ausrufezeichen braucht dieser kurze Satz nicht, für den Aufforderungscharakter sorgt der Imperativ des Verbs. Vor zwei Jahren haben wir die gleichlautende Initiative gestartet. Für mehr Miteinander statt Gegeneinander. Für gegenseitige Achtung und Freundlichkeit. Für Respekt im Alltag. Zeit für eine Zwischenbilanz.
 

Kampagnenmotiv Cat Ballou

Die Musiker von Cat Ballou unterstützten die Initiative
durch viele Aktionen sympathische Auftritte.


Als wir die Aktion im Februar 2024 gemeinsam mit den Musikern von Cat Ballou begonnen haben, dauerte es nicht lange, bis in den sozialen Netzwerken folgende Frage auftauchte: „Hallo, ich habe nichts gegen diese netten Leute, aber ich verstehe nicht, was sie bringen können. Ist das nützlich?“ Die Antwort unseres Social-Media-Teams hat nach wie vor Gültigkeit: „Diese netten Leute unterstützen uns bei einem wichtigen Thema, dem gegenseitigen Respekt, der leider oft genug auf der Strecke bleibt. Und wenn man sich die Resonanz der vergangenen Monate ansieht, mit großem Erfolg.“

Kampagnenmotiv Stephanie Haaks

Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks plädiert
für mehr Freundlichkeit und ein respektvolles Verhalten,
auch gegenüber KVB-Mitarbeitenden.

Es ist schwer, etwas gegen die Musiker zu haben, deren überdimensionale Konterfeis einem freundlich von einer Stadtbahn aus zulächeln. Dabei ist der Hintergrund der Initiative ernst: „Wir stellen schon seit längerer Zeit fest, dass in vielen Bereichen der Gesellschaft der Respekt abnimmt: gegenüber Polizisten und Polizistinnen, gegenüber Feuerwehrleuten und Hilfskräften – und eben leider auch gegenüber unseren Mitarbeitenden“, stellte unsere KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks zu Beginn der Aktion fest.
 

Die Wirkung von Werbung ist schwer zu messen, wenn kein konkretes Produkt, sondern rücksichtsvolles Verhalten angepriesen wird. Wir können aber feststellen, dass die Übergriffe auf unser Personal bei Fahrkartenkontrollen oder der Bestreifung von Haltestellen im Jahr 2025 um rund 33 Prozent zurückgegangen sind. Über die Ursachen für den Rückgang lässt sich nur spekulieren. Messbar ist auch die Interaktion, die unsere Initiative in den sozialen Netzwerken ausgelöst hat. Auf den unterschiedlichen Kanälen wurden mit unseren Veröffentlichungen rund 500.000 Menschen erreicht. All das darf auch als Indiz für die Relevanz des Themas gedeutet werden.

Mit unserer Initiative bewegen wir uns inhaltlich zwischen allgemeingesellschaftlichem Verhaltenskodex, eigener Hausordnung und dem Appell an Toleranz und gutes Benehmen. Auf den Plakaten liest sich das so: „Macht aus der Bahn keine Telefonzelle.“ „Macht aus der Bahn keine Dönerbude“. Und: „Macht aus der Haltestelle keine Raucherecke.“ Die dazugehörigen Motive sind stark übertrieben dargestellt: Ein komplett verrauchter Bahnsteig, ein Dönerspieß an der Haltestange und eine Bahn im Design einer britischen Telefonzelle. „Wir wollen die Themen auf humorvolle Weise aufgreifen, an manchen Stellen bewusst übertreiben und unsere Fahrgäste mit einem Augenzwinkern für ein respektvolles Miteinander sensibilisieren“, erklärt Annika Hasler, Projektleiterin der Initiative.
 

Kampagnenbild Mach aus der Bahn keinetelefonzelle
Kampagnenbild Mach aus der Bahn keine Dönerbude
Kampagnenbild Mach aus der Haltestelle keine Raucherecke

Übertrieben deutlich: Auf Plakaten wurde unterhaltsam auf störendes Verhalten hingewiesen.
Auf lautes Telefonieren, den Verzehr von Fast Food und Rauchen an der Haltestelle.

In unseren Bussen und Bahnen liest sich das dann so: „Pommes werden immer teurer. Hier drin kosten sie schon 20 Euro“, „Steht auf, wenn ihr Kölner seid! Für Sitzplatzbedürftige.“, „Graffiti ist Altgriechisch und bedeutet: An der Bahn uncool.“, „Kleiner Reminder: Es heißt Smartphone und nicht Megafon.“ Sowie: „Unser Lieblingslied in Bus & Bahn: Enjoy the Silence.“.

Ein respektvolles Miteinander ist ein gesamtgesellschaftliches Thema – mit der Initiative „Seid lieb zueinander“ haben wir es ein Stück weit zu unserem eigenen Anliegen gemacht. Zum Start der Aktion haben wir deshalb für die Plakatmotive bewusst nicht auf Models gesetzt, sondern auf unser eigenes Personal. Daher gaben Busfahrerin Andrea, Kundenbetreuerin Sabrina, Fahrausweisprüferin Senay und Bahnfahrer Jens der plakativen Bitte um Toleranz und gelassenes Wohlwollen ein Gesicht. „Ein ‚Danke‘ kostet nichts, ist aber unbezahlbar“, hieß es auf einem der Plakate, „Mehr Respekt in der Bahn wär‘ ein feiner Zug“, auf einem anderen. Und immer wieder die Gesichter der sympathischen Musiker von Cat Ballou mit der Aufforderung „Seid lieb zueinander“.

Kampagnenbild Servicemitarbeiterin
Kampagnenbild Stadtbahnfahrer
Kampagnenbild Busfahrerin
Kampagnenbild Servicemitarbeiterin

Auch Mitarbeitende der KVB zeigten ihr Gesicht für die Kampagne und forderten ein respektvolles Verhalten,
egal ob in Bus, Bahn, den Kundencentern oder Kommentaren in sozialen Netzwerken.

Zusammen mit der Band haben wir mit diversen Aktionen das Miteinander belebt, etwa bei einer Fahrradtour mit anschließendem Akustik-Konzert am Rheinufer, der Übernahme der KVB-Social-Media-Kanäle durch die Musiker und das grandiose Konzert am Tanzbrunnen im Mai 2025. Dort waren wir mit dem „Seid lieb zueinander“ -Bus vor Ort, verteilten Armbändchen und Anstecker und gegen eine kleine Spende auch Turnbeutel. Der Erlös ging an den Verein „Fair.Stärken“, der sich in Köln für Chancengleichheit und Integration einsetzt. „Den Konzertbesuchern war wichtig zu erfahren, wohin die Spende geht. Das Thema Kinderrechte wurde von den Menschen als passend zum Thema angesehen, so dass vielen der Turnbeutel nicht so wichtig war, sondern in erster Linie die Spende für den guten Zweck“, resümiert Thorsten Fassbender, Leiter Kundenkommunikation und Initiator der Kooperation mit Cat Ballou.
Das Motto der Initiative haben wir zusätzlich auch auf vielen Bahnen und Bussen verewigt mit Sprüchen wie beispielsweise „Es wäre nice, wenn du hier drin nice wärst.“, „Digga. Du sparst dir die Schimpfwörter. Wir uns die Jugendwörter.“ und „Genialer Lifehack für Bus und Bahn: nett sein.“ Außerdem ist auch ein „Seid lieb zueinander“-Bus in Köln unterwegs.

Plakatmotive Rauchfrei an einer Haltestelle

Eine Zigarette in Großformat und ein Wortspiel: Nimm am Bahnsteig bitte keinen Zug. Die Aufnahme ist an der Haltestelle Heumarkt entstanden.

Einer der Grundsätze vieler Kommunikations-Theorien besagt, dass die Botschaft beim Empfänger entsteht. Das gilt auch für Werbebotschaften. Den plakativen Hinweis auf das Rauchverbot an Haltestellen kommentiert ein Nutzer auf Facebook wie folgt: „Wenn da schon einer mal zum Nachdenken kommt, hat sich die Aktion gelohnt.“ Andere sprechen dagegen genervt von „Raucher-Bashing“. Unabhängig vom Thema soll jedoch generell kein Plakat als belehrend oder bevormundend verstanden werden. Und manchmal antworten auch die Fahrgäste mit Humor: „Installiert doch Aschenbecher in Bussen und Bahnen, dann muss niemand an der Haltestelle rauchen“, lautet ein Vorschlag.

Viele Fahrgäste fühlen sich beim Anblick der Plakate in ihrer Eigenwahrnehmung bestätigt. „Es wäre sooo schön. Mehr miteinander statt gegeneinander“, kommentiert eine Nutzerin. Doch immer wieder taucht die Grundsatzfrage auf: „Warum macht ihr das? Habt ihr nichts Besseres zu tun?“ Dass beispielsweise Fast Food nicht in Bus und Bahn gehört, macht eine Zahl deutlich. Jeden Monat werden an Haltestellen und auf unseren Betriebshöfen zwischen vier und fünf Tonnen Müll aus unseren Fahrzeugen geholt. Hinzu kommen unzählige Zigarettenkippen, die an Haltestellen im Gleisbett zwischen Schottersteinen liegen – kein schöner Anblick.
Schon vor Jahrzehnten versuchten Verkehrsunternehmen das Essverhalten ihrer Fahrgäste zu beeinflussen. In den 1980er Jahren klang das noch so: „Sehr lecker ist ein Eis am Stiel, auch Pommes isst man gern und viel. Doch leider gibt es oft Verdruss bei dem Verzehr im Omnibus. Denn Eis und Pommes samt der Soße hüpfen in Kurven auf Nachbars Hose. Gegönnt sei jedem der Genuss, doch bitte nicht im Omnibus.“ Das Gedicht stammt noch aus einer Zeit, in der die Werbesprüche noch nicht unbedingt kurz und prägnant sein mussten.
Fest steht: Die „Seid lieb zueinander“ Initiative bewegt die Menschen. Die Themenschwerpunkte der Initiative haben sich in den vergangenen Monaten verändert, doch eines ist geblieben: Die Bitte „Seid lieb zueinander“. Genauso wie das Lächeln der Musiker auf der Cat Ballou-Bahn, die täglich durch die Stadt rollt. Und wenn Passanten oder Fahrgäste bei diesem Anblick mit einem kleinen Lächeln reagieren, hat sich der Aufwand gelohnt.

Weitere Informationen zur Initiative gibt es auf www.kvb.koeln/liebsein.
 
Fotos: KVB und Christian Seiter
 
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