Immer schön im Takt – die KVB in kölschen Liedern

Taktvolles Schunkeln ist schon fast zu wenig, wenn in den Karnevalskneipen die Kölner Hymne aufgelegt wird, die Tommy Engel seiner Stadt geschenkt hat. Meist liegen sich fremde Menschen versonnen in den Armen und singen voller Genuss: „Du bes Oberbürjermeister, du bes die KVB. Du bes Prinz, Buur un Jungfrau, do bes och dä FC.“ Es sind die ersten Zeilen des Klassikers „Do bes Kölle“. Und es ist längst nicht das einzige Lied, in dem die KVB besungen wird.
Wenn es ein Unternehmen ins Liedgut seiner Stadt schafft, spricht dies meist für seine Bedeutung, manchmal für die schiere Größe, auf jeden Fall ist es Ausdruck einer emotionalen Verbundenheit zu den Menschen. Und in der gesanglichen Hommage von Tommy Engel findet die KVB nicht irgendwo im Text Erwähnung, sondern direkt hinter dem Oberbürgermeister und noch vor Dreigestirn und FC. Mittendrin also im Leben der Stadt.

Von Ballade bis Ballermann

Die musikalische Bandbreite der Gesangsbeiträge mit Bezug zum lokalen Verkehrsunternehmen reicht von ruhigen Balladen bis zu mitgröltauglichen Ballermannhits. Vier Jahre nach seinem Aufenthalt im Big Brother-Haus ließ der einstige Ford-Mitarbeiter Jürgen Milski die Linie 18 nach Istanbul fahren. Los geht die wilde Fahrt mit folgender Durchsage: „Die Linie 18 hält heute nicht in Brühl, sondern fährt durch bis nach Istanbul“. Und dann wummert sie los. Mit Doppeltraktion, also Stereo. „Wir packen lecker Kölsch ein und den Liegestuhl, komm wir fahren bis nach Istanbul“, schlägt der Sänger vor. Auch ohne Speisewagen und gepolsterte Sitze ist die Vorstellung kurios: Die Linie 18 als robuster Orientexpress.

Bömmel Lückerath

Gitarrist Bömmel Lückerath, Gründungsmitglied der Bläck Fööss

Manche Lieder sind auch auf ausdrücklichen Wunsch der KVB entstanden. Kurz bevor das Unternehmen im Jahr 1977 sein 100-jähriges Bestehen feierte, heuerte der damalige Vorstand die Bläck Fööss als Taktgeber an. Herausgekommen ist die heimelige Nummer „Die Drei vun der Linie 2“, eine Erinnerung an die Zeiten der Schaffner, die noch Tickets in der Bahn verkauften.

„Es war unsere erste Auftragsarbeit. Die Nummer ist richtig nett geworden, wir wollten damals die nostalgische Seite der KVB aufzeigen“, erinnert sich Bläck Fööss-Gründungsmitglied Bömmel Lückerath.
 
Die Bläck Fööss erfanden eine Haltestelle

You Tubevideo der Bläck Fööss

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Bis 1986 gab es Schaffner in den Stadtbahnen der KVB, einer in jedem Wagen, hinzu kam der Fahrer. „De Stadt dät noch schlofe, wenn die Drei sich trofe. Mer dät noch jet schwade, die eetste Tour fahre“, beginnt die gesungene Arbeitsplatzbeschreibung. Und im Refrain bedauert die Band wehmütig: „Die Zick vun der Drei op d‘r Linie 2, die es schon zick langem, zick langem vorbei.“

Kurios ist der Beginn der zweiten Strophe. „An d’r Endstation ‚Waldbröck‘, do wood eesch jefröhstöck“, sangen die Fööss.
 
Aber wo bitte ist die Endstation Waldbröck? „Das war eine Erfindung von uns, weil es sich auf Frühstück reimen musste“, erzählt Lückerath. Bei der Karnevalssitzung der KVB waren die Fööss oft zu Gast, „und immer haben wir diese Nummer gespielt“, erinnert sich der ehemalige Gitarrist.

Bömmel Lückerath und Ludwig Sebus

Im Jahr 2023 präsentierten Ludwig Sebus (l.), Musikproduzent Manfred Schäfer und Bömmel Lückerath „Et Seilbahn-Leed“.

Die Nummer war jedoch so populär, dass die Band sie auch noch Jahre später bei Konzerten gespielt hat. Und: Lückerath schrieb erst 2023 gemeinsam mit Krätzjen-Sänger Ludwig Sebus das „Seilbahn-Leed“ – auch die Rheinseilbahn wird ja von der KVB betrieben.

Feste Größe in Hymnen auf die Stadt

Eines der erfolgreichsten Lieder der Höhner ist bis heute „Viva Colonia“, im Laufe der Zeit sind acht Cover-Versionen entstanden – von „Viva Hollandia“ bis „Viva Bavaria“. Im Original entwirft die Band die Kölner Lebenswelt mit all ihren Institutionen und Persönlichkeiten.
 
„Mer jonn zom FC Kölle, mer jonn zum KEC, mer drinke jän ne Kölsch un mer fahre KVB“, beschreiben die Höhner die Eckpfeiler des Kölner Selbstverständnisses. Die KVB als Mosaik im kölschen Kosmos. Wer mag, kann Wertungen in die Anordnung der Aufzählungen hineininterpretieren. Fest steht: Wer oder was auch immer in solchen Hymnen auftaucht, berührt die Stadt auf eine ganz eigene Weise und darf sich somit durchaus identitätsstiftend fühlen.
Nicht immer wird der Name des Verkehrsunternehmens genannt, „Querbeat“ beispielsweise beschreibt in der Nummer „Abkalken“ die Fahrt ins Rechtsrheinische. „Und mer fahre mit der Bahn üvver de Düxer Bröck, nur noch ne letzte Blick zoröck“, heißt es im Text, die Wahl der Bahn als Verkehrsmittel ist so selbstverständlich, dass es keiner näheren Erläuterung bedarf.

Der „Straßenbahnsong“ der Mottoqueen

Dagegen empfiehlt die als „Mottoqueen“ bekannt gewordene Sängerin Marie Luise Nikuta in ihrem „Straßenbahnsong“ (1978) vehement den Verzicht aufs Auto. Vor allem natürlich, wenn gefeiert wird. „Weißte wat, mer fahre mit der Straßenbahn noh Hus, et Auto dat bliev stonn, mer welle noch nit jonn“, schmetterte sie und ergänzte: „Mer blieve noch jet he, denn die eeste Bahn, die fährt erst morjen fröh.“ Wobei die KVB-Bahnen an den Karnevalstagen sogar nachts durchfahren. Die Nummer gehörte übrigens zu den bekanntesten Liedern der im Jahr 2020 verstorbenen Musikerin.
Es sind in erster Linie die Köln-Lieder, in denen die KVB Erwähnung findet. Die einstige Kölner Acapella-Gruppe „Wise Guys“ textete in ihrem Lied „Köln ist einfach korrekt“ süffisant: „Es gibt vieles, was ich gerne mag in andern Städten und Ländern. Bis zum heutigen Tag konnt‘ ich‘s trotzdem nicht ändern: Ich fühl mich hier wohl trotz KVB und FC, trotz Geklüngel und Filz: Kölsch ist besser als Pils“. Eine ungewöhnliche Liebeserklärung an die Stadt, aber bei den Tanzbrunnen-Konzerten der Gruppe sangen 12.000 Fans begeistert mit.

Björn Häuser und Mitarbeitende in historischen Kostumen zum 140. KVB-Jubuläum

Der Musiker Björn Heuser (r.) bei der Feier zum 140-jährigen Bestehen der KVB, auf dem Bild zu sehen sind auch Ex-Vorstandschef Jürgen Fenske und Stadtdirektorin Andrea Blome.

Auch Björn Heuser sang für die KVB

Auch Komponist Björn Heuser hat schon für die KVB ein Lied verfasst. Ähnlich wie bei den Bläck Fööss handelt es sich bei der Nummer „Minsche bewäje“ um eine Auftragsarbeit. Bei der Wahl des Titels hatte sich Heuser dem damaligen Slogan der KVB bedient, veröffentlicht wurde das Lied zum 140-jährigen Bestehen der KVB im Jahr 2017. „Ich empfand es als spannend, dieses Lied zu schreiben, weil beim Thema KVB jeder in Köln mitreden kann“, sagt der Musiker.

You Tubevideo von Björn Häuser

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Für ihn sei es „faszinierend“ gewesen, sich mit dem Unternehmen zu befassen und zu begreifen, wie vielschichtig der gesamte Betrieb ist. „Und weil es darum ging, Menschen zu bewegen, sollte das Lied keine Schunkelnummer sein. Da musste mehr Power rein“, erklärt Heuser die Entstehung.
 
Er selbst ist als Gymnasiast neun Jahre lang aus Ehrenfeld mit den Linien 4 und 15 zum Humboldtgymnasium in die Südstadt gefahren.
Auf seine ureigene Weise packte der Rockmusiker Jürgen Zeltinger das Verkehrsunternehmen in sein Lied „Müngersdorfer Stadion“, in dem es darum geht, lieber den Tag im Stadionbad zu verbringen als in der Schlange vor dem Arbeitsamt. Bei der Bahnfahrt ins Schwimmbad verzichtet er auf den Fahrscheinkauf und textet überzeugt: „Ich fahr schwatz met de KVB, die Markfufzisch dät denne och nit wieh.“

You Tubevideo von Mo Torres

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Der Rapper Mo Torres durfte sich für das Video zu seiner Huldigung an „Müngersdorf“ sogar in den Fahrerstand einer Bahn setzen. „Steig in die 1 stickige Luft, alles wie immer, alles wie es muss“, lauten die ersten Zeilen seines Werks, in dem er die Faszination eines Stadionbesuchs und die Liebe zum 1. FC Köln besingt. Aber die KVB bringt die Menschen hin. Zu ihrer Liebe. Zur Arbeit. Nach Hause. Was bleibt, sind Emotionen und Erinnerungen. Und die Gewissheit, dass die KVB bewegender Bestandteil der Stadt ist. In jeder Hinsicht.
 

Fotos: KVB und Christian Seiter
 
Wer Interesse an weiteren Beiträgen hat, findet sie hier:

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Wo ist die Linie 2 geblieben? – Ehemalige Bahnlinien Teil 1
Von der Achterbahn bis zur Krawattenklammer – KVB-Schätze aus dem Internet

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