Virtuell durch die neue Stadtbahn

Es braucht ein bisschen Eingewöhnung. Wie bewege ich den Stick, damit ich vorwärtskomme? Wo muss ich drücken, damit die Tür aufgeht? Wie drehe ich mich im Fahrzeug um? Aber nach kurzer Zeit klappt´s: Ich bewege mich durch den Stadtbahnwagen, kann mir die Farbgestaltung im Inneren angucken, kann den Mehrzweckbereich begutachten, einen Blick in die Fahrerkabine werfen. Allerdings nur virtuell, mit Hilfe einer VR-Brille. Denn den neuen Stadtbahnwagen gibt es noch gar nicht.
Die KVB geht bei der Fahrzeugentwicklung neue Wege. Bei den modernen Niederflurbahnen (NF12/NF6), die vom Konsortium Alstom Transportation Deutschland GmbH und Kiepe Electric GmbH gebaut werden, können künftige Fahrgäste frühzeitig mitreden.
Dafür stellt die Kölner Verkehrs-Betriebe AG verschiedene „Instrumente“ bereit. Im Straßenbahn-Museum in Thielenbruch wurden so genannte Ergonomie-Mockups aufgestellt: jeweils ein 1:1-Anschauungsmodell einer Fahrerkabine und eines Mehrzweckbereichs.

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Abstimmung mit Vertretern der Behindertenverbände

Dessen Gestaltung ist vor allem für Menschen mit Einschränkungen wichtig. Vertreter von Behindertenverbänden und mobilitätseingeschränkte KVB-Mitarbeitende konnten anhand dieses Nachbaus testen, ob das, was bisher entwickelt wurde, für sie hilfreich und nutzbar ist. Und sie konnten Verbesserungsvorschläge machen. Dabei geht es beispielsweise um die Anordnung von Haltegriffen und -stangen oder Anforderungsknöpfen und Ähnliches.
Anhand von Farbmustern konnten sie sich einen Eindruck von den Kontrasten im Fahrzeug machen. Und sie konnten sich, wie oben beschrieben, mit einer VR-Brille virtuell durch das komplette Fahrzeug bewegen – ein Erlebnis für alle Teilnehmenden. „Das hat mich sehr beeindruckt, so etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte einer der Teilnehmer nach der virtuellen Besichtigung der Bahn. Man könne seine Anregungen geben und so „rechtzeitig, bevor etwas gebaut wird, mitbestimmen“, hob ein anderer hervor. Fahrerinnen und Fahrer der KVB konnten zudem den Fahrerstand begutachten und ihre Anregungen und Wünsche äußern. Im weiteren Entwicklungsprozess werden die an diesen Tagen gewonnenen Erkenntnisse gebündelt und Lösungen entwickelt.

Abstimmungen zwischen KVB und dem Hersteller

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Virtueller Blick in die neue Stadtbahn

An den Mockups und mit Hilfe der VR-Brille fanden zudem intensive Abstimmungen zwischen KVB und Alstom über die weitere Entwicklung des Fahrzeugs statt. Im nächsten Frühjahr wird ein weiteres, zwölf Meter langes und zehn Tonnen schweres Mockup in Thielenbruch aufgebaut, mit dem der komplette vordere Teil einer Stadtbahn nachgebaut wird. Dann werden auch interessierte Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, sich über den Entwicklungsstand zu informieren. „Die neuen Stadtbahnen spielen beim Ausbau und bei der Attraktivierung des ÖPNV eine wichtige Rolle“, betont KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks. „Wir wollen unsere Mitarbeitenden und unsere Kunden so weit wie möglich in die Entwicklung der neuen Fahrzeuggeneration mit einbeziehen. Wir freuen uns, dass uns dabei moderne Technologien wie beispielsweise die VR-Brillen zur Verfügung stehen, denn das macht es natürlich noch spannender und effektiver.“

62 moderne Langzüge sollen 124 Niederflurbahnen ersetzen

Das Konsortium Alstom/Kiepe hat den Auftrag für die Lieferung von 62 knapp 60 Meter langen durchgängigen Niederflurfahrzeugen (Langzüge NF12) sowie zwei knapp 30 Meter langen Niederflurfahrzeugen (NF6) bekommen.

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Diskussion über das Innendesign

Die Baureihe NF12 soll 124 Fahrzeuge der Baureihe K4000 ersetzen, die bereits heute ihre Nutzungsgrenze erreicht haben. Nach der Ertüchtigung der Ost-West-Achse sollen auf den Linien 1 und perspektivisch auch auf der Linie 9 rund 90 Meter lange Zugverbände fahren. Diese setzen sich jeweils aus einem NF12 und einem NF6 zusammen. Auf diese Weise kann die Kapazität auf diesen Linien um bis zu 50 Prozent erhöht werden. Diese Erweiterung ist dringend erforderlich, um dem steigenden Fahrgastaufkommen Rechnung zu tragen. Das Investitionsvolumen für die Beschaffung der neuen Fahrzeuge liegt bei rund 363 Millionen Euro. Weiterhin umfasst der Auftrag Optionen für den Kauf von bis zu weiteren elf NF12 und 25 NF6, die für die verschiedenen Ausbauprojekte im KVB-Streckennetz nach dem ÖPNV-Bedarfsplan benötigt werden. An Fördermitteln stehen für dieses Projekt bis 2031 insgesamt rund 84 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Fördermittel sind jetzt von der Stadt Köln bewilligt worden. Die von der KVB zu tragenden Investitionen werden über Gesellschafterdarlehen der Stadt finanziert.
Die Vorserie (bestehend aus jeweils zwei NF12 und NF6) soll Ende 2023 geliefert und für rund ein Jahr erprobt werden. Die Lieferung der Serienfahrzeuge beginnt ab Ende 2024.

Zusätzliche Türen, Klimaanlagen und ein Kollisionswarnsystem

Die neuen Bahnen werden sich mit ihrer modernen und innovativen Ausgestaltung deutlich von den aktuellen Fahrzeugen der KVB abheben: Im Vergleich zum heutigen Fahrzeugkonzept (zwei Kurzzüge werden miteinander zu einer Doppeltraktion gekuppelt) besteht die neue Fahrzeugserie aus durchgängigen Langfahrzeugen. Das heißt auch, dass es bei der normalen Doppeltraktion keinen Kupplungsbereich mehr geben wird und eine Gefahrenquelle für Unfälle minimiert wird.

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Der Mehrzweckbereich des NF12

Ein NF12 hat im Vergleich zu einer heutigen Doppeltraktion pro Seite zwei zusätzliche Fahrgasttüren (insgesamt zehn statt bislang acht Doppeltüren). Ziel ist es, das Ein- und Aussteigen zu beschleunigen und zu erreichen, dass sich die Fahrgäste besser im Fahrzeug verteilen. Die Mehrzweckbereiche sind offen und großzügig gestaltet, das Innendesign ist hell, freundlich, modern und einladend.
Beide Baureihen sind mit CO2-Klimaanlagen ausgestattet, die besonders energieeffizient und umweltfreundlich arbeiten.
Die Fahrzeuge verfügen zudem über ein Kollisionswarnsystem, das mittels Sensoren Objekte in bis zu 80 Metern Entfernung erkennen kann. In Abhängigkeit von der Geschwindigkeit der Stadtbahn und dem daraus resultierenden Bremsweg werden die Fahrerinnen und Fahrer frühzeitig durch das System gewarnt.

Personal wird am Fahrsimulator geschult

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Nachbau eines Fahrerstandes

Zur Schulung des Fahrpersonals wird zukünftig ein Fahrsimulator zur Verfügung stehen, der einen Nachbau des Fahrerraumes inklusive aller Funktionen darstellt. Dem Fahrpersonal werden dabei auf großen Monitoren Teile des Streckennetzes sowie dessen Umgebung digital dargestellt und verschiedene Ereignisse und Störfälle simuliert.
Die Fahrzeuge sind zudem mit Sensoren ausgestattet, die eine vorausschauende Instandhaltung ermöglichen sollen.
Dadurch sollen die Fahrzeuge künftig deutlich weniger in der Werkstatt gebunden sein als das heute der Fall ist. Ein weiteres Merkmal der neuen Fahrzeuggeneration ist die Ausstattung mit modernen Kundeninformationssystemen, die z.B. über Bildschirme den Fahrgästen Informationen zur Verfügung stellen.
 
Einen kurzen Film über die beschriebenen Aktivitäten finden Sie unter:
 

 
Die Bilder des Beitrags stammen von Christoph Seelbach.
 
 
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5 Kommentare

  • Hartner Andreas

    Hoffentlich klappt das auch für Escuter, Barrierefrei

  • Elisabeth Weber

    der Mehrzweckbereich sollte geraümiger sein das zwei Elektrorollstühle Platz haben und die Haltestangen in diesem Bereich an den Ausgägen sollten weg weil sie Elektrorollstuhlfahrer stöhren da diese Rolllstühle einen grösseren Wendekreis haben wie ein normaler Rollstuhl.Wir fahren beide einen elektrorollstuhl und ich bin Begleitung meines Mannes und so wie der Bereich jetzt aussieht ist er zu klein.
    Freundliche Grüsse Elisabeth Weber

  • Elias

    Könnt ihr bitte andere Sitze verbauen? Ich finde diese Sitze sehr unbequem.

    V.G. Elias

    • Hallo Elias, diese sind aber sehr pflegeleicht. Ich denke, es wird bei den Sitzen bleiben. Auch wenn noch nicht alles feststeht. Dafür war ja diese Veranstaltung da. Außerdem bekommen Fahrgäste auch noch mal die Chance uns, bei einer ähnlichen Veranstaltung, ihre Meinung zu den neuen Fahrzeugen zu sagen. LG, Regina

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