Die neue Linie 5 – eine öffentlich-private Partnerschaft

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Die KVB und die Stadt Köln haben mit dem Ausbau und der Modernisierung der Stadtbahn-Linie 5 im Westen Kölns in den vergangenen Jahren einige Aufmerksamkeit erhalten. Erstmalig in der Bundesrepublik wurde eine Schienenstrecke des ÖPNV mit Hilfe privaten Kapitals erweitert. Die Beteiligung von etwa 40 Unternehmen der Privatwirtschaft am Ausbau in 2010 ermöglichte, dass sich die Stadt in den darauf folgenden Jahren auf den barrierefreien Umbau von Haltestellen entlang der bereits bestehenden Strecke konzentrieren konnte. Inzwischen ist auch der Linienweg am anderen Ende der Linie 5 verlängert worden. Hier ist sie Teil der neuen Nord-Süd Stadtbahn im Herzen unserer Stadt. Die umfangreiche Veränderung der Linie ist beispielhaft für weitere Projekte in Deutschland.

Der Ausbau der Strecke wurde unter anderem auch durch Tobias Brauer begleitet, der über diese öffentlich-private Partnerschaft seine Diplomarbeit in der Geografie schrieb. Gerade weil das Kölner Projekt einige Aufmerksamkeit erweckte, erscheint diese Arbeit nun unter dem Titel „Erfolgreich privat finanzierte ÖPNV-Infrastruktur – Das Beispiel der KVB Stadtbahnlinie 5 in Köln“ im ksv Verlag. Grund genug, das Projekt im KVB-Blog zu beleuchten.

Ausbau der Linie 5 zeigt einen funktionierenden neuen Ansatz

Die Stadtbahn ist da - Investoren bauen entlang der Linie 5.

Die Stadtbahn ist da – Investoren bauen entlang der Linie 5.

Im Dezember 2010 wurde die Erweiterung der Stadtbahn-Linie 5 im Stadtbezirk Ehrenfeld in Betrieb genommen. Seitdem können die Fahrgäste im Kölner Westen mit den Haltestellen “Sparkasse Am Butzweilerhof“, “Ikea Am Butzweilerhof“ und “Alter Flughafen Butzweilerhof“ drei neue, barrierefreie Haltestellen entlang des 1,8 Kilometer langen neuen Streckenabschnittes nutzen, um etwa zu Ikea und anderen Geschäften zu gelangen oder um ihren Arbeitsplatz bei der Sparkasse KölnBonn, bei NetCologne oder einem anderen der etwa 400 Unternehmen im Gewerbegebiet Butzweilerhof zu erreichen.

Die Bauzeit betrug lediglich acht Monate, eine sehr kurze Zeit für den Ausbau von Schieneninfrastruktur. Nun bildet die Linie 5 das Rückgrat der Mobilität „auf dem Butz“. Etwa 20 Minuten dauert die Fahrt aus dem Gewerbegebiet in die Kölner Innenstadt, keine halbe Stunde wird zum Hauptbahnhof benötigt.

Die Besonderheit dieses Projektes liegt vor allem darin, dass die Streckenerweiterung mit nennenswerter Finanzierungsbeteiligung aus der privaten Wirtschaft realisiert wurde. Hier hat das „Forum Butzweilerhof“, in dem sich örtliche Unternehmen im Sinne des Standortmarketings zusammengeschlossen haben, eine entscheidende Rolle als Gestalter und Promoter eingenommen. Es darf vermutet werden, dass diese Strecke nur erweitert werden konnte, weil private Unternehmen etwa fünf Millionen Euro hinzugeschossen haben. Die KVB selbst investierte 13 Millionen Euro.

Die öffentlichen Förderungsgeber gaben dem Vorhaben damals keine große Chance, da im Einzugsgebiet der Streckenerweiterung zu wenig Menschen wohnten. Die Erschließung von Gewerbegebieten stand nicht in deren Fokus. Dabei wurde durch Bund und Land stets die neue Nutzung von so genannten Konversionsflächen – ehemaligen Militärgebieten, wie der Butzweilerhof eine gewesen ist – gefordert.

Mit dem Spatenstich in 2010 wurde ein neuer Weg in der ÖPNV-Entwicklung konkret.

Mit dem Spatenstich in 2010 wurde ein neuer Weg in der ÖPNV-Entwicklung konkret.

Proteste hat es kaum gegeben; lediglich die Positionierung einer Haltestelle wurde aus der Bürgerschaft angegriffen. Seit nunmehr über sechs Jahren bestätigt sich die „neue Linie 5“ der KVB durch den Zuspruch der Fahrgäste. Regelmäßig zeigt sich über weite Abschnitte des Tages eine Nutzung mit hoher Auslastung der Stadtbahnen.

Doch die Veränderungen an der Linie 5 beziehen sich nicht nur auf die Erweiterung der Strecke. An der bisherigen Strecke wurden ab 2010 die Haltestellen “Rektor-Klein-Straße“, “Margaretastraße“, “Iltisstraße“, “Lenauplatz“, “Liebigstraße“ und “Gutenbergstraße“ von klassischen Haltestellen am Straßenrand in barrierefreie Haltestellen in Mittellage um- bzw. neugebaut. Hier investierte die KVB allein für die drei erstgenannten Haltestellen 4,3 Millionen Euro, die Stadt Köln steuerte 6,2 Millionen Euro bei.

Auf diese finanziellen Werte zu schauen ist deshalb interessant, weil sie im Verhältnis zu den oben genannten 18 Millionen Euro stehen. Nur weil sich die Stadt Köln und das Land NRW nicht am Ausbau der Strecke beteiligen mussten, konnten die bestehenden Haltestellen so schnell barrierefrei umgebaut werden. Hier zeigt sich der Gemeinsinn von öffentlichen Händen und privater Wirtschaft. Gemeinsam haben sie zum Ausbau und zur Erneuerung der ÖPNV-Anbindung beigetragen. Das macht die „neue Linie 5“ zu einem besonderen Projekt und kann Vorbild für weitere Vorhaben in Deutschland sein.

Wie wurde die Strecke verlängert?

Für die Qualität eines Wohngebietes ist eine gute ÖPNV-Anbindung von großem Wert.

Für die Qualität eines Wohngebietes ist eine gute ÖPNV-Anbindung von großem Wert.

Bei der Verlängerung der Strecke war die weitgehend als Brachland bestehende Umgebung von Vorteil. Hier musste nur auf wenige bestehende Raumelemente Rücksicht genommen werden. Ein paar Leitungen wurden verlegt und bestehende Grundstücksgrenzen beachtet. Darüber hinaus aber konnte die Strecke recht einfach „ausgerollt“ werden. Dabei musste eine neue Brücke errichtet werden, die an der Grenze des alten Ossendorfs zum Butzweilerhof über eine bestehende Straße führt. Die optische Gestaltung der Brücke weist bereits auf den alten Flughafen Butzweilerhof hin, der sich hinter der nächsten Kurve befindet.

Auch die neue in das Areal führende Brücke beschreibt die geschichtliche Bedeutung.

Auch die neue in das Areal führende Brücke beschreibt die geschichtliche Bedeutung.

In den darauf folgenden Jahren wurde aus der Brache links und rechts der Strecke ein aufgesiedeltes Gewerbegebiet. Wer heute „den Butz“ besucht, findet viele neue Gebäude, aber auch weiterhin Baustellen. Rund um den alten Flughafen entstanden zahlreiche neue Wohnungen – Köln ist eine wachsende Stadt und hier haben Investoren schnell reagiert. Standen die Aussichten einer öffentlichen Finanzierung der Schienenstrecke doch schlecht, weil zu wenig Menschen hier wohnen? Ja, so war es – aber da wo eine gute ÖPNV-Anbindung besteht, ziehen gerne auch weitere Menschen hin.

Wie wurde Barrierefreiheit realisiert?

Bei der Anlage der neuen Haltestellen hatten es die Planer auch relativ einfach. Mit Hochbahnsteigen – die Linie 5 ist Teil des Kölner Hochflurnetzes – wurde der niveaugleiche Einstieg von vornherein berücksichtigt. Die Zuwegung erfolgt über Rampen, so dass sich Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen und Buggy nicht vor unüberwindbaren Hindernissen stehen sehen. Ein Blindenleitsystem wurde natürlich auch mit eingebaut.

Komfortabel auch mit Einkäufen: Barrierefreiheit umfasst auch den Transport schwerer Gegenstände.

Komfortabel auch mit Einkäufen: Barrierefreiheit umfasst auch den Transport schwerer Gegenstände.

Eine Besonderheit in Sachen Barrierefreiheit gibt es an der Haltestelle „Ikea Am Butzweilerhof“. Wer seine Einkäufe – frei nach dem Motto „Billy fährt Bahn“ – nicht mit dem Pkw nach Hause bringen kann oder will, nutzt die Linie 5. Nun sind manche Pakete doch etwas schwer, so dass niemand diese die wenigen Hundert Schritte von Ikea oder dem Dänischen Bettenlager bis zur Haltestelle schleppt. Hierfür können die Kunden Einkaufswagen nutzen. Doch wohin mit ihnen am Bahnsteig? In die Stadtbahnen gehören sie nicht, aber im Weg sollen sie auch nicht herumstehen. Dafür errichtete man eine Aufstellfläche für Einkaufswagen, die regelmäßig von Ikea-Mitarbeitern wieder zurückgebracht werden.

Über eine Rampe und Hochflurbahnsteige ist der ein- und Ausstieg in die Stadtbahnen ohne Stufen möglich.

An den bestehenden Haltestellen war die Errichtung der Barrierefreiheit schon schwieriger. Hier mussten neue Hochflurbahnsteige in der Straßenmittellage durch die Stadt gebaut und anschließend die alten niedrigen Bahnsteige am Straßenrand abgerissen werden. Dafür konnten die Stadtbahnen in den Jahren bis 2014 jeweils für mehrere Wochen bzw. Monate einzelne Haltestellen nicht anfahren. Die Fahrgäste wurden gebeten, auf die jeweils benachbarte Haltestelle auszuweichen, was für die Bewohner eines Altenheims an der Gutenbergstraße schon schwierig war.

Unter dem Strich hat sich die Kraftanstrengung jedoch gelohnt, denn nun ist die Linie 5 – mit Ausnahme von drei Haltestellen – barrierefrei zugänglich. Jeder Fahrgast kommt auf die Bahnsteige und in die Fahrzeuge. In einer älter werdenden Bevölkerung ist das von hohem Wert, denn der ÖPNV soll als Teil der Daseinsgrundvorsorge der Mobilität aller dienen.

Welche neue Verbindungsqualität wurde geschaffen?

Die Linie 5 ist im Kölner Stadtbahn-Netz mit nicht weniger als zehn der zwölf Stadtbahn-Linien direkt verknüpft. Über kurze Umsteigewege erreichen die Fahrgäste die Nachbarstadt Bonn und verschiedene Städte und Gemeinden zwischen den beiden rheinischen Schwesterstädten. Nicht viel weiter sind die Umsteigewege zum Regional- und Fernverkehr der Deutschen Bahn und verschiedener anderer Eisenbahngesellschaften am Kölner Hauptbahnhof. Ganz gleich ob Ziele in der Kölner Innenstadt oder außerhalb Kölns angesteuert werden, die Linie 5 bietet sich als Rückgrat der Mobilität für die Einwohner und Beschäftigten in den Stadtteilen Neuehrenfeld und Ossendorf einschließlich des Butzweilerhofes an.

Im Einzugsgebiet der Stadtbahn am Butzweilerhof befindet sich ein großer Betriebssitz der Sparkasse KölnBonn, die Zentrale des Telefondienstleisters NetCologne, Ikea, weitere große Unternehmen des Einzelhandels, der Solartechnologie etc., zahlreiche Unternehmen der Medienbranche aber auch im Aufbau befindliche unternehmerische „Start-ups“. Derzeit bieten das Areal etwa 15.000 Arbeitsplätze. In Kürze verlegt die Agentur für Arbeit eine große Einrichtung mit mehreren Tausend Beschäftigten in den Butzweilerhof und führt viele Kunden hierhin.

Die Linie 5 bindet die Kölner Innenstadt und City an – hier der Friesenplatz an den Ringen.

Die Linie 5 bindet die Kölner Innenstadt und City an – hier der Friesenplatz an den Ringen.

Im attraktiven Zehn-Minuten-Takt rechnet sich der ÖPNV hier als Mobilitätsdienstleistung für alle Bevölkerungsgruppen. Für die Stadtentwicklung bedeutet dies einen nennenswerten Rückenwind bei der weiteren Besiedelung des Gewerbegebietes Butzweilerhof.

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 ist die Linie 5 auch an die Nord-Süd Stadtbahn angebunden. Zunächst fuhren die Stadtbahnen die Nordseite des Kölner Hauptbahnhofes an, hier wurde die Haltestelle „Breslauer Platz“ nach ihrem Umbau wiedereröffnet. Inzwischen wurde der nördliche Abschnitt der „Nord-Süd“ bis zum Heumarkt verlängert. Die Linie 5 wurde deshalb „gedreht“ und fährt nicht mehr zum Breslauer Platz, sondern über die Haltestellen “Dom/Hauptbahnhof“ und „Rathaus“ bis zur Haltestelle „Heumarkt“. Hierdurch ist die Verbindung in die Kölner City noch weiter verbessert worden.

Bereits jetzt nutzen die Stadtbahnen der Linie 5 einen ersten Abschnitt der Nord-Süd Stadtbahn und erreichen das Rathaus und den Heumarkt.

Bereits jetzt nutzen die Stadtbahnen der Linie 5 einen ersten Abschnitt der Nord-Süd Stadtbahn und erreichen das Rathaus und den Heumarkt.

Was entwickelt sich am Butzweilerhof?

Am Butzweilerhof selbst endet die Entwicklung auch nicht. Neben den beschriebenen Neuansiedlungen der Wirtschaft und Verwaltung wird auch hier der Wohnstandort ausgeweitet werden. Der alte Flughafen bekommt eine Unterkunft für Geflüchtete und hat mit der Oldtimer-Ausstellung „Motorworld“ eine Erweiterung seiner Innennutzung erfahren.

Die „Exklave“ Butzweilerhof wird nach und nach mit den weiteren Siedlungsgebieten des Stadtbezirks Ehrenfeld zusammenwachsen. Die Erneuerung der Linie 5 kann hierbei helfen. Schließlich heißt es in der Immobilienbewerbung am besten ja: „Wenn Sie kommen ist der ÖPNV-Anschluss schon da.“

Mit Stadtbahn und Leihrad ist der Butzweilerhof in allen Winkeln gut erschlossen.

Mit Stadtbahn und Leihrad ist der Butzweilerhof in allen Winkeln gut erschlossen.

Nun sind aber die Wege von der jeweils genutzten Haltestelle bis zur Wohnung oder zum Arbeitsplatz dennoch manchmal zu lang für Fußwege. Die Menschen wollen einen höheren Komfort. Deshalb wurde der Butzweilerhof bereits mit der ersten Stufe des Leihradangebotes der KVB berücksichtigt. Seit 2015 können hier KVB-Räder ausgeliehen und zurückgegeben werden, ganz flexibel am Straßenrand, im Umfeld der Stadtbahn-Haltestellen. Zukünftig kommen auch feste Leihrad-Stationen in Betracht. Eine erste Station soll an der Endhaltestelle der Linie 5 entstehen. Somit wird die „letzte Meile“ noch einfacher überwindbar und das Auto wird nicht mehr benötigt.

Vorbildfunktion?

Auf zwei Stadtbahnfahrzeugen warben die Unternehmen des Forums Butzweilerhof für den Standort im Kölner Westen (hier 2012 an der Haltestelle „Breslauer Platz/Hauptbahnhof“ …

Auf zwei Stadtbahnfahrzeugen warben die Unternehmen des Forums Butzweilerhof für den Standort im Kölner Westen (hier 2012 an der Haltestelle „Breslauer Platz/Hauptbahnhof“ …

Sicherlich besitzt jedes Infrastruktur-Vorhaben seine eigene Projektumgebung. Ein Schnittmuster für die Realisierung von ÖPNV-Projekten wird es nicht geben können. In jedem Fall ist es aber sinnvoll, alternative Realisierungswege in Ergänzung der öffentlichen Finanzierung zu prüfen. Und in jedem Fall ist es sinnvoll, eine Strecke ganzheitlich zu bewerten. Im Fall des Kölner Projektes konnten sich KVB und Stadt Köln bei der gegebenen wertvollen Unterstützung durch die private Wirtschaft auch um die bestehende Strecke kümmern und hier Barrieren abbauen.

Aufschlüsse wird das in Kürze erscheinende Buch von Tobias Brauer geben. Der Diplom-Geograf hat für seine Arbeit mit allen relevanten Beteiligten gesprochen und bietet Erkenntnisse darüber, was Investoren und weiteren Nutzern wichtig ist. Wer Interesse an dem Buch hat, kann dies einfach per E-Mail an stephan.anemueller@kvb-koeln.de kundtun.

… und Gemeinsamkeit ist auch der Schlüssel für erfolgreiche Projekte öffentlich-privater Partnerschaft.

… und Gemeinsamkeit ist auch der Schlüssel für erfolgreiche Projekte öffentlich-privater Partnerschaft.

Fotos
Kölner Verkehrs-Betriebe AG
Stephan Anemüller

 

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Ein Kommentar

  • T

    Ein interessanter Artikel über die Linie 5, mit der ich fast täglich fahre. Ein kleiner Hinweis: es sind nicht, wie im Artikel geschrieben, zwei Haltestellen noch nicht barrierefrei, sondern es sind drei (Nußbaumer Str, Subbelrather Str, Appellhofplatz – Zeughaus).

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