Ein Rendezvous mit der KVB – mitten in der Nacht

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„Ich habe ein Rendezvous – mit der Linie 1.“ Haben Sie, liebe Leser, das schon mal einen Kölner Nachtschwärmer sagen hören? Vermutlich eher nicht. Oder? Für ein Rendezvous am Abend verabredet man sich in der Regel doch eher mit seiner Angebeteten oder dem Liebsten. Aber dennoch haben viele der KVB-Fahrgäste häufig ein solches Treffen. Denn – wie viele andere Verkehrsunternehmen übrigens auch – sprechen wir vom sogenannten nächtlichen Rendezvous-Verkehr, wenn unsere Bahnfahrer und Bahnfahrerinnen Sie nachts zum Beispiel vom Feiern, einem Kinobesuch oder einer Theatervorstellung nach Hause bringen. Gemeint ist damit ein Knotenpunkt im Stadtzentrum, der von allen Fahrzeugen mehr oder weniger gleichzeitig angefahren wird, sodass möglichst viele Fahrgäste umsteigen können – und das ohne lange warten zu müssen. Denn im Gegensatz zum Tagesverkehr fahren Busse und Bahnen bei uns nachts nur im 30-Minuten-Takt – so wie in vielen anderen Städten auch. Allerdings gibt es in Köln auch einige Ausnahmen, die Linie 18 zum Beispiel fährt auch zur späteren Stunde in der Innenstadt im 15-Minuten-Takt. Interessante alternative Bezeichnungen sind übrigens Begriffe wie Sternanschluss oder auch Sammelanschluss für diese Art der Anschlusssicherung.

Der zentrale Knotenpunkt des Rendezvous-Verkehrs findet am Neumarkt statt. Am Heumarkt ist die Buslinie 132 nachts aber ebenfalls in das Rendezvous integriert.

Der zentrale Knotenpunkt des Rendezvous-Verkehrs findet am Neumarkt statt. Am Heumarkt ist die Buslinie 132 nachts aber ebenfalls in das Rendezvous integriert.

Um den Rendezvous-Verkehr einmal genauer zu betrachten, habe ich also ein „Rendezvous“ mit Andreas aus dem Bereich Nahverkehrsmanagement. Andreas ist Fahrplaner mit Leib und Seele. Zahlen, Tabellen, Umsteigebeziehungen: Das ist genau sein Ding. Er plant also solche komplexen Vorgänge wie zum Beispiel, wann die Linie 1 am Neumarkt ankommen und wie lange sie dort halten muss, damit Umsteiger zum Beispiel von den Linien 4, 7 oder 18 diese Verbindung nutzen können. „Was ist Sinn und Zweck des Rendezvous?“, frage ich unseren Cheffahrplaner. „Na ja, 30 Minuten nachts auf eine Bahn warten zu müssen, ist nicht besonders schön“, meint er. „Deshalb haben wir mit dem Rendezvous ein Angebot geschaffen, bei dem der Einzelne dann zwar vielleicht auch mal im Fahrzeug etwas warten muss, insgesamt aber alle davon profitieren, da eben kein Fahrgast die ganzen 30 Minuten warten muss, weil sein Anschluss nicht berücksichtigt wurde.“ Das ist das Prinzip des Rendezvous.

So funktioniert das Rendezvous mit der KVB

Das Hauptrendezvous findet am Neumarkt statt, wo die meisten Linien aufeinander treffen, nämlich insgesamt sieben Stadtbahnlinien. Am Ebertplatz sowie am Barbarossaplatz findet das Nebenrendezvous statt – mit jeweils vier aufeinandertreffenden Linien. Hier werden die Ringlinien 12 und 15 an die Nord-Süd-Verbindungen 16 und 18 angebunden. Diese Rendezvous-Knotenpunkte sind dem Hauptrendezvous untergeordnet. „Weitere Nebenrendezvous finden übrigens an den Haltestellen Friesenplatz und Rudolfplatz in der Innenstadt sowie im Rechtsrheinischen am Wiener Platz sowie an der Haltestelle Bf Deutz/Messe statt“, erklärt mir Andreas. Außerdem ist die Buslinie 132 an der Haltestelle Heumarkt ebenfalls auf den nächtlichen Takt der Bahnlinien abgestimmt. Eine Reihe von Umsteigemöglichkeiten also für alle Kölner Nachtschwärmer, die das Auto dann ganz entspannt stehen lassen können.

Ausschnitt aus dem Flyer 2: In einer Tabelle lassen sich alle Abfahrten anschauen, um den richtigen Umstieg zu finden.

Ausschnitt aus dem Flyer: In einer Tabelle lassen sich alle Abfahrten anschauen, um den richtigen Umstieg zu finden.

„Das allererste offizielle ‚Rendezvous‘ fand vor rund zehn Jahren statt“, erinnert sich Andreas. „Den Rundum-Anschluss am Neumarkt gibt es jedoch schon länger.“ Geplant wurde das heutige Rendezvous damals von Andreas Chef. Es wird mit seinen vielen Umstiegsmöglichkeiten jährlich zum Fahrplanwechsel hin überprüft, ob es so noch Sinn macht. Wenn ja, bleiben die Fahrpläne wie sie sind. Andernfalls werden Fahrtzeiten verändert. Hier gilt allerdings: Verändert man auf einer Linie etwas, muss man alle andere auch anfassen, da sonst die gesamten Umsteigebeziehungen nicht mehr funktionieren. Das ist im Übrigen für jede Fahrplanänderung so, nicht nur den 30-Minuten-Takt in der Nacht. Ein ziemlich komplexes Unterfangen, bei 12 Stadtbahnlinien und 54 Buslinien. „Das ist vielen Fahrgästen gar nicht bewusst, die oft anfragen, ob die KVB nicht an dieser und jener Haltestelle die Abfahrtszeiten verschieben könne“, so Andreas weiter. Natürlich möchte jeder Fahrgast für sich persönlich den besten Umstieg nutzen können. Leider geht das aber nicht überall. „Mache ich hier einen Umstieg besser, wird er woanders vermutlich schlechter. Wir können im täglichen Regelfahrplan, in dem es viele Übergänge zwischen 5-, 10-, 20- und 30-Minuten-Takten gibt, nicht jeden Anschluss perfekt machen. Das ist schlichtweg unmöglich.“ Hier gilt es dann abzuwägen, wie viele Fahrgäste von dem schlechteren Anschluss betroffen sind und wie hoch diese Betroffenheit ist, sprich: Wie lange muss der Fahrgast auf die nächste Verbindung warten? Eine Gratwanderung.

Das wichtigste Werkzeug von Andreas: Die Übersicht der Fahrplanung mit den verschiedenen Takten.

Das wichtigste Werkzeug von Andreas: Die Übersicht der Fahrplanung mit den verschiedenen Takten.

Soweit die Theorie. „Aber wie sieht die Praxis aus?“, will ich natürlich von Andreas wissen. „Die Leitstelle achtet darauf, dass das Rendezvous eingehalten wird“, erläutert er mir. Dennoch ist es natürlich nicht möglich, immer alle Anschlüsse zu halten. Im nächtlichen Rendezvous-Verkehr werden bis zu 3 Minuten Wartezeit einer Linie in die gesamte Fahrtzeit mit eingeplant, um eben den Umstieg zu ermöglichen. „Ist ein Zug, von dem Umsteiger erwartet werden, nun verspätet, kann der pünktliche, wartende Zug diese 3 Minuten noch um ein paar zusätzliche Minuten ergänzen“, so Andreas. Allerdings nur so lange, dass kein anderer, späterer Anschluss an einem der anderen Rendezvouspunkte gefährdet wird. „Wenn also eine gewisse Grenze überschritten wird, müssen wir auch mal eine Bahn fahren lassen“, so Andreas weiter. Hier muss dann immer situativ abgewogen werden, wo vermutlich mehr bzw. weniger Fahrgäste betroffen sind. Das ist aber zum Glück nur selten der Fall. „Im Regelfall funktioniert das Rendezvous der Bahnen untereinander ziemlich gut“, meint Andreas abschließend. Aus dem Rendezvous von Bahn und Fahrgast könnte also eine dauerhafte Beziehung entstehen…

 

Mehr Informationen zu den Abfahrtszeiten im Rendezvous-Verkehr sowie die Flyer sind übrigens hier zu finden: http://www.kvb-koeln.de/german/fahrplan/rendezvous.html.

 

Fotos: Christoph Seelbach, Regina Weiß, Kölner Verkehrs-Betriebe AG

 

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4 Kommentare

  • Und ich habe kein Rendezvous mit der KVB, weil Linie 3 und 4 stundenlang ausgefallen sind „Stellwerkstörung“. DA wirkt diese Werbung hier noch lächerlicher!

    • Kölner Verkehrs-Betriebe AG

      Hallo Herr Rossbach,
      der Artikel über das KVB-Rendezvous bezieht sich auf die Verbindungen der verschiedenen Linien am Abend bzw. in der Nacht. Wenn größere Störungen auftreten, wie gestern Abend, gerät leider der gesamte Fahrplan aus dem Takt. So etwas ist im Kölner Netz leider nicht vermeidbar. In so einem Fall können Sie gerne von der Mobilitätsgarantie Gebrauch machen. Alle Infos dazu finden Sie hier: http://www.kvb-koeln.de/mobigarantie. Dann haben Sie eben ausnahmsweise ein Rendezvous mit dem Taxi – und zwar auf unsere Kosten. 😉

      Gruß, Regina Weiß

  • Jokie

    „Denn im Gegensatz zum Tagesverkehr fahren Busse und Bahnen bei uns nachts nur im 30-Minuten-Takt – so wie in vielen anderen Städten auch.“

    In vergleichbaren Städten (Hamburg,Berlin,Frankfurt) fahren die Bahnen nachts sicherlich nicht im 30-Minuten-Takt. In Hamburg ist spätestens nach 20 Minuten eine Bahn da, teilweise sogar noch öfter. 30 Minuten habe ich bisher nur in Köln auf die Bahn gewartet.

    • Rüdiger Krause

      Gerade Frankfurt ist da ein ganz schlechtes Beispiel. Hier fahren die einzelnen Linie in ganz unterschiedlichen Abständen. Während die Straßenbahnlinie 11 beispielsweise mehr oder weniger im 20-Minutentakt fährt, fahren die U-Bahnen und die übrigen Straßenbahnlinien teilweise stundenlang gar nicht. Da ist mir ein System mit 30-Minuten durchaus lieber. Hier kann man sich die wichtigen Abfahrtszeiten (~hh:15 und hh:45 ab Neumarkt) sehr gut merken. Das ist allemal besser als ein System, in den jede Linie einen anderen Takt hat.

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