Linie 7: An der Sonne und über die Grenzen der Stadt

Header

Die Linie 7 kommt ohne Abschnitt in der U-Bahn aus – als einzige der zwölf Stadtbahn-Linien der KVB. Und es drängt sie danach, an beiden Enden Köln zu verlassen. Auch das macht sie besonders. In Frechen fahren die Stadtbahnen der 7 direkt durch die Fußgängerzone. Auch das ist im KVB-Netz ein Novum. Es lohnt sich, diese Stadtbahn-Linie zu entdecken und vielleicht einmal einen Ausflug in Richtung Frechen oder Zündorf zu unternehmen. Machen wir uns auf den Weg.

Auf ihrem Linienweg binden die Stadtbahnen der Linie 7 zahlreiche Wohn- und Arbeitsstätten an, wie hier auf der Dürener Straße in Köln-Lindenthal.

Auf ihrem Linienweg binden die Stadtbahnen der Linie 7 zahlreiche Wohn- und Arbeitsstätten an, wie hier auf der Dürener Straße in Köln-Lindenthal.

Mit dem Linienweg von etwa 26 Kilometern von Frechen-Belzelrath im Südenwesten bis nach Köln-Zündorf im Südosten besitzt die Stadtbahn-Linie einen der interessantesten Verläufe im KVB-Netz. Vermutlich werden nur die wenigsten Fahrgäste den kompletten Linienweg befahren. Viele steigen vorher aus, etwa weil sie an der Kölner Universität studieren, in der Innenstadt arbeiten oder in den verschiedenen Einkaufsstraßen ihre Erledigungen machen. Auf beiden Rheinseiten führt die 7 aber auch zu interessanten Ausflugszielen im Grünen, die für alle erreichbar sind.

Doch zunächst sieht es in Frechen-Benzelrath nicht besonders grün aus. Vielmehr weist der dicke Rauch am Horizont darauf hin, dass sich Frechen im rheinischen Braunkohlerevier befindet. Auch wenn hier das Gleis der Stadtbahn endet, der Konzern RWE ist mit seinen Schienen und Güterzügen präsent. Schnell ist man dann, nach der engen Mühlengasse, in der Frechener Innenstadt und Fußgängerzone. Doch danach durchqueren die Bahnen einen umfangreichen Abschnitt eines der Kölner Grüngürtel. Mittendrin treffen Stadtbahn-Linie und Militärring aufeinander und ab dann begleitet verdichtete Bebauung den Linienweg bis kurz vor seinem Ende in Zündorf. Auf dem Weg dahin gleiten die Bahnen durch die Kölner City und über die Deutzer Brücke. Mit nicht allzu langen Fußwegen werden das RheinEnergie-Stadion genauso wie die Lanxess-Arena erreicht.

Am Militärring verläuft die Linie 7 über einen klassischen Bahnübergang und verschwindet dann zunächst im Grünen.

Am Militärring verläuft die Linie 7 über einen klassischen Bahnübergang und verschwindet dann zunächst im Grünen.

An einem normalen Werktag führen jeweils rund 110 Fahrten in beide Richtungen. Sonntags sind es mit rund 70 Fahrten zwar weniger, es besteht aber immer noch genug Gelegenheit, eine der Bahnen zu nutzen, um eines der zahlreichen Freizeitziele zu erreichen.

Gutes Verkehrsangebot in Frechen

In der Stadt Frechen wohnen etwa 52.000 Einwohner. Diese besitzen mit der Stadtbahn-Linie 7 und diversen Bus-Linien ein gutes Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), mit dem sie auch das nahegelegene Köln sehr gut erreichen können. In 20 bis 25 Minuten kommen sie an der Universitätsstraße an, in etwa einer halben Stunde am Neumarkt in Köln.

Die Haltestelle „Frechen-Benzelrath“ im Braunkohlerevier ist eine der fünf Haltestellen der Linie 7 in Frechen. Hier sind auch verschiedene Bus-Linien verknüpft.

Die Haltestelle „Frechen-Benzelrath“ im Braunkohlerevier ist eine der fünf Haltestellen der Linie 7 in Frechen. Hier sind auch verschiedene Bus-Linien verknüpft.

Nicht weniger als fünf Haltestellen fahren die Bahnen der Linie 7 in Frechen an. Dabei durchqueren sie die Fußgängerzone in ihrer Längsachse. Dies bedeutet eine nennenswerte Stärkung des örtlichen Einzelhandels, denn jeder Kunde, egal welchen Alters und welcher Fitness, gelangt mit der Stadtbahn direkt vor die Türen zahlreicher Geschäfte. Gleiches gilt für die öffentlichen Einrichtungen wie Rathaus, Bibliothek, Volkshochschule etc.

Um auch die Kölner Kultur- und Sporteinrichtungen sowie Gastronomie problemlos nutzen zu können, wurde der Streckenabschnitt der Linie 7 bis Frechen vor wenigen Jahren in den durchgehenden Nachtverkehr der Stadtbahn in den Nächten von Freitag auf Samstag, Samstag auf Sonntag und vor Feiertagen einbezogen.

Straßenbahn und Eisenbahn

Der Fahrgast merkt es eigentlich nicht. Vielleicht fällt ihm die unterschiedliche Gestaltung verschiedener Einrichtungselemente an Haltestellen auf. Aber die Fahrt der Stadtbahnen von Frechen bis Köln verläuft ohne betriebliche Unterbrechung. Dennoch bewegen sich die Stadtbahnen auf der Linie 7 in zwei Grundkategorien des Schienenverkehrs.

Von Bezelrath kommend fahren die Bahnen bis zum Militärring als Eisenbahn auf einer Strecke der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK). Hier gilt die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) für Anschlussbahnen. Der Grund ist ein historischer: Diese Strecke gehörte einst der Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn (KFBE), die 1893 eröffnet wurde und vor allem dem Transport von Braunkohle und Tonwaren diente. 1904 verkaufte die Stadt Frechen diese Kleinbahn an die Stadt Cöln. Später wurde der Personenverkehr in das KVB-Netz integriert, die Infrastruktur und der Güterverkehr in die HGK.

Am Militärring laufen die Stadtbahn- und Güterstrecke auseinander. Hier befindet sich auch die Anschlussstelle zwischen KVB und HGK. Der Weg der Stadtbahn verläuft nun auf Schieneninfrastruktur nach der Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen (kurz BOStrab). Die Unterschiede bestehen im Großen und Ganzen in der Signalisierung, in Sicherungseinrichtungen und bei weiteren betrieblichen Regelungen. Die Fahrerinnen und Fahrer der KVB müssen, wenn sie die Linie 7 (genauso wie die Linien 16 und 18) befahren, nach beiden Betriebsordnungen ausgebildet sein. Wie gesagt: Den Fahrgast betrifft das aber alles nicht, vielleicht ist ihm aber auch einmal aufgefallen, dass die Eisenbahner von „Haltepunkten“ statt von „Haltestellen“ sprechen.

Am Militärring trennen sich die Linie 7 und eine Strecke der Güterbahn. Hier geht auch das Eisenbahnnetz der HGK in das Straßenbahnnetz der KVB über. Am Militärring trennen sich die Linie 7 und eine Strecke der Güterbahn. Hier geht auch das Eisenbahnnetz der HGK in das Straßenbahnnetz der KVB über.

Am Militärring trennen sich die Linie 7 und eine Strecke der Güterbahn. Hier geht auch das Eisenbahnnetz der HGK in das Straßenbahnnetz der KVB über.

Teil der zentralen Achse in Köln

Mit dem Stichwort „Ost-West-Achse“ wird in Köln eine der großen verkehrspolitischen Aufgabenstellungen verbunden. Zwischen Deutzer Freiheit und Universitätsstraße befindet sich das Kernstück des KVB-Stadtbahnnetzes mit der größten Nachfrage. Mit diesem Streckenabschnitt, der durch die Stadtbahnen der Linien 1 und 7, sowie großenteils auch der Linie 9, befahren wird, sind am Heumarkt, Neumarkt und Rudolfplatz insgesamt sieben weitere Stadtbahn-Linien verknüpft. Doch die Stadtbahnen auf der Ost-West-Achse sind abhängig vom Straßenverkehr, der an verschiedenen Stellen kreuzt, und teilen sich an den genannten Knotenpunkten jeweils einen Bahnsteig je Fahrtrichtung. Die Kapazität der Strecke ist mit den jetzigen Fahrten der 1, 7 und 9 ausgeschöpft – und die Bahnen sind voll, in den Verkehrsspitzen übervoll.

Wenn Köln den ÖPNV noch attraktiver gestalten möchte, kommt es unter anderem darauf an, auf der Ost-West-Achse die Kapazität zu vergrößern. Wie das geschehen kann, wird derzeit geklärt. Es mag sein, dass die Lösung in einem weiteren U-Bahn-Tunnel liegt. Es mag auch sein, dass der Einsatz längerer Stadtbahnen mit drei Wagen oder mit einem Lang- und einem Normalwagen geeignet und machbar ist.

Zwischen Aachener Straße und Deutzer Freiheit bedienen die Bahnen der Linie 7 die zentrale ÖPNV-Achse in Köln. Am Neumarkt zum Beispiel können die Fahrgäste fast jeden Augenblick in eine Stadtbahn einsteigen.

Zwischen Aachener Straße und Deutzer Freiheit bedienen die Bahnen der Linie 7 die zentrale ÖPNV-Achse in Köln. Am Neumarkt zum Beispiel können die Fahrgäste fast jeden Augenblick in eine Stadtbahn einsteigen.

Bis zu einer spürbaren Kapazitätserweiterung müssen die Fahrgäste der Linie 7 in bestimmten Zeiträumen mit weniger Platz auskommen. Die Bahnen der Linie 7 sind auf der Ost-West-Achse richtige „Arbeitstiere“ und sorgen insbesondere hier dafür, dass Köln mobil bleibt.

Entlang von 33 Haltestellen in einer knappen Stunde

Vorausgesetzt dass es nicht zu Verspätungen kommt, dauert eine Fahrt zwischen den Endhaltestellen „Frechen-Benzelrath“ und „Zündorf“ eine knappe Stunde. Während dieser Zeit erreichen die Stadtbahnen der Linie 7 insgesamt 33 Haltestellen, von denen sie sich lediglich neun Haltestellen mit den Stadtbahnen der Linien 1, 9 bzw. 13 teilen. Der „Paarlauf“ mit der 13 dauert dabei jedoch nur drei Haltestellen auf dem südlichen Gürtel an. Auch die Bahnen der Linie 9 treffen nur zwischen Neumarkt und Deutzer Brücke auf die der Linie 7.

Damit ist die Linie 7 eine der Stadtbahn-Linien in Köln, die ihren Linienweg nur auf einem kleinen Abschnitt mit anderen Stadtbahn-Linien teilen muss. Andere Linien, wie etwa die 3 und 4, 12 und 15 oder 16 und 18 „hängen“ viel länger aneinander. Doch besonders unabhängig ist die Linie 7 deshalb nicht. An zahlreichen Stellen kommt ihr Weg mit dem des Straßenverkehrs in Berührung. Über den Aachener Stern in Braunsfeld, Rudolfplatz, Neumarkt und Heumarkt führt die Linie und fordert von den Fahrerinnen und Fahrern höchste Aufmerksamkeit. An vielen anderen Stellen kreuzen die Straßenfahrbahnen, können Pkw und Lkw ins Gleis geraten. Hier ist die Stadtbahn eigentlich noch Straßenbahn, auch wenn sie über einen eigenen Bahnkörper geführt wird.

Dabei fällt auch auf, dass die Linie 7 keinen Tunnel nutzt. Alle anderen elf Linien haben mindestens einen Tunnel-Abschnitt „im Programm“. U-Bahn-Strecken erlauben eine höhere Streckengeschwindigkeit und schließen Störungen durch andere Verkehrsmittel aus. Doch die Stadtbahnen arbeiten sich auf der Linie 7 ausnahmslos durch den oberirdischen Verkehr. Die Fahrgäste freut das, weil sie dabei ununterbrochen die Aussicht genießen können.

Der Linienverlauf ist sehr geradlinig. In Frechen geht es in west-östlicher Richtung voran, um dann ab der Haltestelle „Frechen Bahnhof“ diagonal nach Nordost vorzustoßen. Es folgt ein kleines Stück auf der ringförmigen Gürtelstrecke, ohne dass hierbei ein großer ringförmiger Abschnitt absolviert wird. Das südwestliche Siedlungsgebiet in Köln-Lindenthal und das der Stadt Frechen wird hierdurch an die Kölner Innenstadt angebunden. Für viele Kölner, die sich keine der Lindenthaler Villen leisten können, wurde Frechen damit als Wohnort attraktiv.

In Lindenthal können Besucher des Tierparks die Haltestelle „Brahmsstraße“ nutzen und sind in wenigen Schritten im modernisierten Freizeitgelände für Jung und Alt.

In Lindenthal können Besucher des Tierparks die Haltestelle „Brahmsstraße“ nutzen und sind in wenigen Schritten im modernisierten Freizeitgelände für Jung und Alt.

Ab Braunsfeld wird die Kölner Innenstadt in strenger West-Ost-Ausrichtung bis Deutz durchquert. Dabei erreichen die Fahrgäste auch umsteigefrei die Kölner City. Hier arbeiten viele, genießen Kultur in den zahlreichen Einrichtungen und versorgen sich mit höherwertigem Bedarf. Bereits am Innenstadtrand steigen andere aus, um die Kölner Universität aufzusuchen.

Auf der Deutzer Brücke können die Fahrgäste einen Blick über den Rhein genießen. Die Kranhäuser und der Rheinauhafen fallen dabei genauso auf wie die Drachen und gelegentlich die Schafe auf den Poller Wiesen. Nun dürfen nur eine begrenzte Anzahl Stadtbahnen die Brücke gleichzeitig queren, so dass manchmal an den Brückenrampen ein kurzer Halt eingelegt wird und für Ausblickverlängerung sorgt. Ab der Deutzer Freiheit geht es dann wieder in die Vororte.

Seit dem 1. Januar 1975 gehört Porz zu Köln. Manche Porzer mögen das vielleicht auch heute noch nicht ganz unterschreiben wollen, aber Porz steht inzwischen auch für einen der neun Kölner Stadtbezirke, zu dem 16 Stadtteile und über 112.000 Einwohner gehören. Hier im Südosten ist „Stadtrand“ also schon eine ganz andere Größenordnung als im Südwesten. Ein geschlossenes, großes Grüngebiet wie zwischen Frechen und Lindenthal gibt es hier nicht. Und wirft man einen Blick in die nächsten Jahre, dann soll sich gerade am Deutzer Hafen, direkt an der Schnittkannte zwischen den Bezirken Innenstadt und Porz, einiges entwickeln. Das Grün gegenüber den Kranhäusern sowie alte Industrie- und Hafenanlagen sollen geschäftigem Treiben weichen. Die Linie 7 ist schon da und wird auch die hier kommenden Fahrgäste aufnehmen. Bisweilen nutzen viele von ihnen die Linie 7, um zur Frühjahrs- oder Herbstkirmes am Rheinufer zu gelangen.

Im Bereich des Deutzer Hafens soll sich die Stadt dynamisch entwickeln. Für neue Bewohner und Beschäftigte besteht dann mit der Linie 7 bereits ein leistungsstarker Anschluss des ÖPNV.

Im Bereich des Deutzer Hafens soll sich die Stadt dynamisch entwickeln. Für neue Bewohner und Beschäftigte besteht dann mit der Linie 7 bereits ein leistungsstarker Anschluss des ÖPNV.

Kurz vor Porz befindet sich der kleine Stadtteil Ensen und in ihm das Kloster der Alexianer. Hier können Gartenfreunde mit den ersten Frühlingstagen wieder aus einem reichhaltigen Angebot der Gärtnerei auswählen.

Kurz vor Porz befindet sich der kleine Stadtteil Ensen und in ihm das Kloster der Alexianer. Hier können Gartenfreunde mit den ersten Frühlingstagen wieder aus einem reichhaltigen Angebot der Gärtnerei auswählen.

Bis zum Stadtteil Porz selbst verläuft die Stadtbahn-Linie 7 wieder in einer Diagonalen, die nach Südost ausgerichtet ist. Ab der Haltestelle „Porz Steinstraße“ sticht sie dann direkt nach Süden und endet bisher in Zündorf. Über den Poller an der Endhaltestelle gesehen, sieht es schon viel ländlicher aus. Im Blickfeld finden sich Äcker und Gewächshäuser der hiesigen Landwirtschaft. Doch die interessieren die meisten Fahrgäste nicht. Hier wohnen über 12.000 Einwohner in einem Stadtteil, der teilweise sehr interessante alte Gebäude aufweist, aber auch Bauten der Moderne beinhaltet. Gern betrachtet werden diese auch bei schönem Wetter von zahlreichen Ausflüglern. Von der Stadtbahn durch den Ort führt ihr Weg in die Groov an den Rhein. Verschiedene Restaurants laden hier ein, es wird gelaufen, Rad gefahren oder einfach am Ufer gesessen. Wer dann auf die linksrheinische Seite wechseln möchte, kann das mit der kleinen Fähre „Krokodil“.

Der Stüttgenhof ist ein altes Rittergut, heute noch Landwirtschaftsbetrieb und Wohnort. In direkter Nachbarschaft befindet sich die RWE. Das gesamte Gebiet lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein.

Der Stüttgenhof ist ein altes Rittergut, heute noch Landwirtschaftsbetrieb und Wohnort. In direkter Nachbarschaft befindet sich die RWE. Das gesamte Gebiet lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein.

Haltestellen führen in die Geschichte

Auf unserer Reise mit der Linie 7 kommen wir an verschiedenen historisch interessanten Orten vorbei. Von Frechen aus, schon auf Kölner Stadtgebiet, halten die Bahnen an der Haltestelle „Stüttgenhof“. Pate dieses Haltestellennamens war der gleichnamige alte Gutshof, der in Teilen seiner Anlage und Bausubstanz noch erhalten ist und seit 1989 unter Denkmalschutz steht. Mindestens bis ins 13. Jahrhundert zurück führt die Geschichte dieses Hofes, der sich nacheinander im Eigentum verschiedener Rittergeschlechter befand. Mit dem Neubau des RWE-Verwaltungsgebäudes, das sich gleichfalls am Stüttgenweg befindet, erhielt der Stüttgenhof in 200 Metern Entfernung „seine“ Stadtbahn-Haltestelle der Linie 7.

An der Haltestelle “Melaten“ entlang der Aachener Straße schaut der Fahrgast auf eine sehr lang gezogene Mauer. An verschiedenen Stellen finden sich Hinweise auf den Aufenthalt der Franzosen um Napoleon. Der hinter der Mauer befindliche Friedhof Melaten hat sprachlich seinen Ursprung auch im Französischen. Tatsächlich wurden durch ein kaiserliches Begräbnisdekret Napoleons vom 12. Juni 1804 Bestattungen innerhalb von Stadtmauern untersagt. Die Stadt Köln nutzte deshalb dieses Gelände, um einen Friedhof zu entwickeln.

„Malade“ – krank – hat zwar noch nicht unbedingt etwas mit dem Tod zu tun. Hier befand sich vielmehr bereits im 12. Jahrhundert eine Einrichtung zur Unterbringung von Kranken und Aussätzigen. Man wollte die Lepra-Kranken und weitere „Aussätzige“ nicht in der Stadt Köln haben. Deren Grenze lag etwa einen Kilometer entfernt. Da das Schicksal für viele von ihnen nicht die Heilung bereithielt, wurden diese an Ort und Stelle begraben.

Die Haltestelle „Melaten“ führt zum wohl bekanntesten Friedhof in Köln. Genutzt wird die Haltestelle jedoch vor allem von jungen Menschen – im Umfeld befinden sich mehrere Schulen.

Die Haltestelle „Melaten“ führt zum wohl bekanntesten Friedhof in Köln. Genutzt wird die Haltestelle jedoch vor allem von jungen Menschen – im Umfeld befinden sich mehrere Schulen.

Heute befindet sich hier der Zentralfriedhof Kölns, der von manchen auch als Prominentenfriedhof verstanden wird. Die Kapelle der ehemaligen Krankenanstalt blieb erhalten und befindet sich direkt hinter der Mauer an der Aachener Straße. Melaten ist durch die Anlage unterschiedlicher Grabkunst historisch interessant, botanischen Wert hat die 435.000 Quadratmeter große Anlage durch eine facettenreiche Bepflanzung. Deshalb ist Melaten für manche auch ein Ausflugsziel.

Auch auf der rechten Rheinseite führt uns die Linie 7 in die Geschichte. In Ensen befindet sich das gleichnamige Kloster des Alexianer-Ordens. Als Namensgeber für die Haltestelle „Ensen Kloster“ deutet die sprachliche Herleitung zunächst einmal auf fließendes Wasser hin. Der Rhein soll Pate gestanden und die häufigen Hochwassereinbrüche im benachbarten Westhoven sollen den Kontrast zur Insel „Ensen“ gebildet haben. In jedem Fall haben sich hier Mönche niedergelassen. In der großen und historisch reichhaltigen Anlage errichteten sie hier zwischen 1905 und 1908 eine Klinik für psychisch kranke Menschen. Heute können wir leicht in Kontakt mit ihnen kommen, wenn wir etwa deren Gärtnerei aufsuchen und das reichhaltige Angebot an Pflanzen und Zubehör nutzen. Direkt an der Stadtbahn-Linie hinter dem Geländezaun lässt sich dann etwa in den Reihen von Rosen, Kräutern und Obstbäumen „versinken“. Zur Stärkung steht ein kleines Café bereit.

Am Rhein in Zündorf können Ausflügler die Fähre Krokodil nutzen, um die Rheinseite zu queren.

Am Rhein in Zündorf können Ausflügler die Fähre Krokodil nutzen, um die Rheinseite zu queren.

Von Frechen nach Niederkassel?

Während das Schienennetz der Vorortbahn noch 1914 in Porz endete, besteht 1938 bereits Anschluss nach Zündorf. Hier durchbrach der Schienenpersonenverkehr der KVB-Vorläufer bereits im Südosten die Stadtgrenze. Mit der Eingemeindung der Stadt Porz im Jahr 1975 „holte die Stadt Köln auf“.

Im Südwesten verbindet die Schiene schon viel länger die Kommunen. Hier verband die Köln-Frechener-Benzelrather Eisenbahn (KFBE) bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts von Benzelrath startend Frechen mit dem Kölner Stadtteil Lindenthal. Die Strecke von Lindenthal bis zur Aachener Straße hatten die Bahnen der Stadt Cöln bereits mit Schienen ausgestattet, nachdem zuvor das Unternehmen Hardt hier eine Pferdebahn betrieb.

Bis 1975 war die Stadtbahn auf dieser Linie also eine wirkliche „Interkommunale“ – an beiden Enden die Stadtgrenze Kölns überwindend. Die inzwischen größer gewordene Stadt Köln überdeckt das zum Teil.

In Zündorf endet die Linie 7 bisher im alten Ortskern. Fahrgäste können auf den Bus-Verkehr umsteigen.

In Zündorf endet die Linie 7 bisher im alten Ortskern. Fahrgäste können auf den Bus-Verkehr umsteigen.

Derzeit endet die Linie 7 in Zündorf. Das jedoch gefällt vielen Einwohnern dort nicht, sie engagieren sich seit Jahren für eine Verlängerung der Linie. Das Siedlungsgebiet Zündorf hat sich vom Ortsmittelpunkt weiter nach Südwesten entwickelt. Neuen Schwung bekam die Debatte mit dem Bekanntwerden von Plänen, einen Teil der angrenzenden Freifläche an der Ranzeler Straße neu zu bebauen und Wohnraum zu schaffen. Die wachsende Stadt Köln hat hier Potenziale und einige Kölner haben sich bereits auf der anderen Seite der Stadtgrenze in Niederkassel-Lülsdorf niedergelassen. Nun wird die finanzielle Unterstützung einer Streckenverlängerung durch das Land Nordrhein-Westfalen an die Realisierung eines Neubaugebietes an der Ranzeler Straße gebunden. In Zeiten des Wohnraummangels sieht es also gut aus.

Hierbei steht derzeit jedoch nur eine kleine Streckenverlängerung um wenige hundert Meter zur Diskussion. Ob die Stadtbahn-Linie 7 einmal auch bis nach Niederkassel führen wird und dann Autoverkehre über die Porzer und Ranzeler Straße direkt durch Zündorf vermeidet, bleibt abzuwarten.

 

Bilder: Stephan Anemüller, Kölner Verkehrs-Betriebe AG

 

Rush Hour in der Innenstadt – Mehr Bahnen sind aktuell nicht drin
Linie 12 verbindet mehr als Nord und Süd
Meine Linie: die Linie 9
Eine grüne Bahn für die Bonner Straße
Und täglich grüßt das Murmeltier: von Pünktlichkeit, Verspätungen und Störungen…
Wo ist die Linie 11 geblieben?

Sie möchten regelmäßig per E-Mail über neue Blogbeiträge benachrichtigt werden?
Dann klicken Sie hier!

3 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *