Verkehrsmeister – ohne sie läuft bei der KVB nichts

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Was macht eigentlich ein Verkehrsmeister so genau? Das habe ich mich schon länger gefragt. Deshalb treffe ich mich mit Ömer, 47 Jahre alt, seit Januar 2011 bei der KVB. Wir starten am Fahrdienstleiterbüro auf dem Betriebshof West. Die Sonne scheint. Ömer hat heute Streckendienst. Er erzählt mir, dass er die ersten vier Jahre Bahn gefahren ist. Dann hat er sich entschlossen, sich als Verkehrsmeister weiterzubilden, „weil ich mehr Verantwortung wollte.“ Seit einigen Monaten ist er fertig ausgebildet und einer von 40 Verkehrsmeistern im Außendienst. „Die Ausbildung dauert in der Regel 18 Monate, bei unserer Gruppe hat es etwas länger gedauert“, sagt er. Warum dies so war, erklärt er mir später. Ömer ist ein gelassener und besonnener Typ. Mir scheint, als könnte ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Gute Voraussetzungen für den Job, wie ich noch lerne. „Wenn man einmal Verkehrsmeister ist, stehen einem bei der KVB alle Türen offen“, sagt Ömer.

Bei Unfällen sind die Verkehrsmeister als erstes vor Ort.

Bei Unfällen sind die Verkehrsmeister als erstes vor Ort.

Bei Unfällen und Störungen als Erster zur Stelle

„Zu den Aufgaben eines Verkehrsmeisters im Außendienst gehört es, einen geregelten Betrieb sicher zu stellen“, erläutert Ömer. Aha. „Was heißt das genau?“, frage ich nach. „Na ja, Verkehrsmeister sind zum Beispiel bei Unfällen oder anderen Störungen sehr wichtig“, erklärt Ömer, „weil sie als Erster zum Ort des Geschehens fahren und sich einen Überblick über die Lage verschaffen.“ Sie kommunizieren mit allen Beteiligten, sind also Ansprechpartner für Feuerwehr, Polizei und KVB-eigene Mitarbeiter wie Servicekräfte oder Fahrer – natürlich in enger Zusammenarbeit mit der Leitstelle. „Der Verkehrsmeister ist das sehende Auge und der verlängerte Arm der Leitstelle“, beschreibt Ömer seine Funktion. Denn die Leitstelle ist ja nicht vor Ort. „Nur über mich und meine Informationen kann die Leitstelle eingreifen.“

Es ist ein abwechslungsreicher Job mit viel Verantwortung. Der Verkehrsmeister vor Ort ist der Einsatzleiter. „Ein Verkehrsmeister hat die nötige Erfahrung, um die Entscheidung treffen zu können, ob eine Strecke befahren werden kann oder nicht“, erfahre ich von Ömer. Diese Erfahrung sammeln die Verkehrsmeister während ihrer Ausbildung. Nach der 13-monatigen Grundausbildung werden sie von erfahrenen Verkehrsmeistern vier Wochen lang in die vier verschiedenen Bezirke eingearbeitet, in die das Kölner Bus- und Bahnnetz unterteilt ist. Ab dann arbeiten sie eigenständig, auch wenn sie noch in der Ausbildung sind.

Verkehrsmeister sind aber nicht nur bei außerplanmäßigen Vorkommnissen wichtig, sondern auch im Regelbetrieb – oder bei Sondereinsätzen wie an Karneval, bei Demos und Fußballspielen. Hier würde der Betriebsablauf ohne sie nicht funktionieren.

Mit dem Funkwagen sind die Verkehrsmeister schnell an Ort und Stelle.

Mit dem Funkwagen sind die Verkehrsmeister schnell an Ort und Stelle.

Die Aufgaben des Verkehrsmeisters

Verkehrsmeister im Außendienst sind in der Regel alleine unterwegs, entweder per Bahn im Streckendienst, bei dem ich Ömer heute begleite, oder mit einem der vier Funkwagen namens „Tünnes“ in einem der Bezirke. Der Kollege Arthur, der eben mit Ömer seinen Dienst begonnen hat, nimmt uns mit dem Funkwagen bis zum Neumarkt mit. Die beiden erzählen ein bisschen. An einem „normalen“ Arbeitstag im Streckendienst überprüfen die Verkehrsmeister die Strecken. Zum Beispiel hat Ömer kürzlich von der Leitstelle den Auftrag bekommen, an einer Stelle im Netz ein Signal zu kontrollieren, von dem ein Fahrer gemeldet hat, dass es nicht gut einsehbar sei. Bei der Überprüfung stellte Ömer fest, dass Äste den Blick auf das Signal versperrten. „In solchen Situationen setze ich mich mit der Leitstelle in Verbindung, die wiederum die Abteilung Grünschnitt der Stadt Köln informiert oder unsere Kollegen rausschickt – je nach Zuständigkeit.“

Ömer überprüft die Strecke der Linie 1 und absolviert dabei seine Pflichtfahrt.

Ömer überprüft die Strecke der Linie 1 und absolviert dabei seine Pflichtfahrt.

Eine weitere Aufgabe des täglichen Dienstes ist die Fahrwegüberprüfung. Dazu fahren die Verkehrsmeister vorne im Fahrerstand bei einem Kollegen oder einer Kollegin mit, z.B. auf der Linie 1, und kontrollieren, ob auf der Strecke alles in Ordnung ist. Bei der Gelegenheit können sie auch selbst ans Steuer und ihre Pflichtfahrt absolvieren, die regelmäßig anstehen. „Wenn ich sehe, dass irgendetwas die Sicherheit des Betriebs gefährden könnte, dann melde ich das bzw. behebe es, sofern ich kann“, erzählt Ömer.

Für die Verkehrsmeister im Außendienst gibt es drei Schichten: früh, mittel, spät. Das heißt 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr sind sie im Netz unterwegs – also auch nach Betriebsschluss. Sie überprüfen dann z.B. nächtliche Bauarbeiten oder dass keine Tunnelläufer unterwegs sind. Ömer hat schon einmal drei Jugendliche im Tunnel erwischt. Er weist darauf hin wie gefährlich es ist, nachts durch die U-Bahntunnel zu laufen. „Die Leute rechnen dann nicht damit, dass Fahrzeuge im Tunnel sind, was aber nicht stimmt. Oft genug sind Baufahrzeuge unterwegs!“

Wer mit dem Funkwagen unterwegs ist, hat in der Regel „mehr Action“. Der Tünnes wird natürlich als erstes zu Störungen jeglicher Art gerufen. Es gibt Tage, da eilen die Kollegen von einer Störung zur nächsten. „Und manchmal wartet man bei einer Unfallaufnahme sogar bis zu 45 Minuten auf die Polizei, wenn es sich nur um einen Blechschaden handelt“, erzählt ein anderer erfahrener Kollege, den wir unterwegs am Neumarkt treffen, nachdem Arthur uns abgesetzt hat.

Teil des Jobs: Präsenz zeigen. Das nutzen auch die Kunden für Fragen.

Teil des Jobs: Präsenz zeigen. Das nutzen auch die Kunden für Fragen.

Arthur musste weiter. Ein fahrunfähiger Zug an der Poststraße! Auch eine typische Situation, in der es einen Verkehrsmeister braucht. Häufig kriegen die Kollegen den Zug dann vor Ort zumindest soweit wieder flott, dass sie ihn ohne Fahrgäste auf das nächste Abstellgleis oder in den Betriebshof fahren können. Hierbei hilft ein kühler Kopf, insbesondere wenn schon ein Rückstau von mehreren Fahrzeugen entstanden ist. Natürlich kriegen die Verkehrsmeister vor Ort auch schon mal den Zorn der Fahrgäste ab. „Aber das darf man nicht persönlich nehmen“, meint Ömer. „Die meisten wollen sich nur Luft machen, weil es nicht weiter geht.“ Ömer bleibt in solchen Situationen gelassen, lässt die Menschen reden. Dann erklärt er, was los ist. Dann beruhigen sich die meisten auch schnell wieder und zeigen Verständnis.


Silber, silber-schwarz oder Gold?

„Präsenz zeigen“, gehört übrigens auch zum Job. Das merke ich, als ich mit Ömer in die Bahn steige. Auch wenn er nicht kontrolliert, so laufen ungewöhnlich viele Fahrgäste direkt zum Fahrscheinautomaten, wenn sie ihn mit seiner charakteristischen schwarzen Mütze in der Bahn sehen.

Apropos Mütze! Die Mütze ist für einen Verkehrsmeister sehr wichtig. Die Silberkordel symbolisiert, dass er fertig ausgebildet ist. Silber-schwarz gestreift bedeutet: noch in Ausbildung, und die goldene Kordel erhält man nur als Oberverkehrsmeister. Präsenz zeigen gilt übrigens nicht nur für die Fahrgäste, sondern auch für Fahrer. „Wenn sie ein Problem haben, können sie uns immer ansprechen“, erzählt Ömer.

Die Stellwerke muss ein Verkehrsmeister bedienen können.

Die Stellwerke muss ein Verkehrsmeister bedienen können.

Zu Ömers weiteren Aufgaben gehört auch, regelmäßig per Hand die Stellwerke zu schalten. Das müssen die Kollegen einmal im Quartal üben, um für den Fall der Fälle eins der Stellwerke fernab der Leitstelle übernehmen zu können. Grund dafür könnte zum Beispiel ein Stromausfall in der Leitstelle oder eine Softwarestörung sein. Ich habe Ömer dazu in das Stellwerk am Ebertplatz begleitet. „Ich muss dann eine Stunde lang alle Signale per Hand freigeben, was sonst automatisch passiert“, erklärt er. „Das kann in der Rush Hour echt stressig sein, wenn alle zwei Minuten ein Zug einfährt.“ Eine weitere Aufgabe der Verkehrsmeister ist die Führerscheinkontrolle von Fahrern. Sie befragen die Fahrer außerdem, wie ihr Dienst verlaufen ist und ob irgendwas Auffälliges war. Zusätzlich gibt es noch Pflichtfahrten, bei denen sie mit Bus und Bahn je zwei Stunden monatlich selbst fahren müssen.

Per Funk sind die Kollegen untereinander und mit der Leitstelle vernetzt.

Per Funk sind die Kollegen untereinander und mit der Leitstelle vernetzt.

Ein anderer Kollege, den wir auf der Strecke treffen beschreibt seinen Job so: „Der Verkehrsmeister ist Polizei und Feuerwehr in einem. Man weiß zu Dienstbeginn nie, was passiert! Manchmal muss man eine Bahn weg fahren, weil kurzfristig ein Fahrer erkrankt ist, oder einen Bus übernehmen, weil spontan ein Ersatzverkehr eingerichtet werden muss.“ Deshalb müssen übrigens alle Verkehrsmeister den Bus- UND Bahnführerschein haben. Die meisten waren vor Ausbildungsbeginn bereits Bus- oder Bahnfahrer und machen während der Ausbildung den zweiten Schein dazu. „Das wirklich Spannende an dem Job ist, dass es trotz aller Erfahrung immer wieder Situationen gibt, die neu sind, wo man improvisieren muss. Man hat keinen Standard“, erklärt Ömer.

Verkehrsmeister, die nicht in den Außendienst möchten, streben eine Stelle im Innendienst an. Die Kollegen dort befassen sich zum Beispiel mit Dienstplänen und Fahrbüchern, organisieren Reserven u.v.m. Die dritte Einsatzmöglichkeit für Verkehrsmeister ist der Innendienst in der Leitstelle. Dafür müssen die Kollegen jedoch zusätzlich eine Stellwerksmeisterausbildung absolvieren.


Die Schattenseite des Jobs

In seiner Funktion als Verkehrsmeister hat Ömer bereits einige schlimme Personenunfälle erlebt. Diese „dunkle Seite“ des Jobs gehört auch dazu. Glücklicherweise ist er jeweils erst zum Unfallort gekommen, als die Personen schon im Rettungswagen waren. Somit konnte er die Situationen gut verarbeiten. Aber eines Tages wird er es vielleicht sein, der als erster zu einem schlimmen Unfall mit Personenschaden gerufen wird. Und dann gehört es auch zu seinem Job, sich um den Fahrer oder die Fahrerin zu kümmern und sie vom Geschehen wegzubringen, sodass die betroffenen Kollegen sich beruhigen können und wissen: „Da ist jetzt einer für mich da.“

Manchmal passieren aber auch Notfälle in der Bahn, ohne dass irgendjemand sich im Verkehr falsch verhalten hätte. So erinnert sich Ömer an einen internistischen Notfall auf der Linie 18, zu dem er gerufen wurde. Er musste damals mit ansehen, wie eine ältere Dame eine Dreiviertelstunde lang in der Bahn wiederbelebt wurde: Herzinfarkt. „Das fand ich richtig krass“ erinnert er sich. „Und die Fahrgäste haben mich immer wieder gefragt, wann es denn weiter geht!“ Daraufhin hat er tatsächlich mal die Geduld verloren und erwidert „Sehen Sie denn nicht, was hier passiert? Da kämpft jemand ums Überleben.“ Die Bemühungen der Rettungssanitäter waren jedenfalls nicht umsonst. Die Dame hat überlebt.

Nachdem ich Ömer noch bei seiner Pflichtfahrt auf der Linie 1 begleitet habe, sind wir wieder zurück am Betriebshof West. Zum Abschluss erzählt er mir noch, warum seine Ausbildung länger als üblich gedauert hat. Kurz nach Beginn der Ausbildung wurden an der Drehscheibe Köln Busse und Fahrer benötigt, um die damals ankommenden Flüchtlinge in ganz NRW in ihre Unterkünfte zu bringen. Die KVB hat damals sofort reagiert und Busse und Personal bereitgestellt. Ömer und seine Kollegenanwärter für den Verkehrsmeister, die alle gleichzeitig mit ihm die Ausbildung begonnen hatten, wurden extra dafür abgestellt, denn der laufende Betrieb konnte weder auf die ausgebildeten Verkehrsmeister noch auf Fahrer verzichten. Die angehenden Verkehrsmeister konnte man am ehesten entbehren, sodass sie einige Wochen nur diese Fahrten gemacht haben. Trotz der Verlängerung der Ausbildungszeit, möchte Ömer die Zeit aber nicht missen. Denn „das war eine gute Aktion und wir haben als Team super zusammengearbeitet“, erinnert er sich „Außerdem habe ich in dieser Zeit viel gelernt. Diese Menschen hatten alles verloren, kamen völlig übermüdet und verzweifelt ohne alles dort an. Wir können für so vieles dankbar sein.“

 

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