Von Rolltreppen, und warum sie manchmal nicht rollen…

Rolltreppe-gesperrt_Header

Ihr kennt das! Man war in der City zum Shoppen, steigt vollbepackt aus der Bahn aus und strandet an der nächsten Rolltreppe – das Lämpchen blinkt, Stillstand! Und so kämpft man sich mühsam die Treppen hinauf, sofern alternativ kein Aufzug zur Verfügung steht.

Wieso stehen die Rolltreppen manchmal gefühlt mehr still als dass sie rollen? Und wie können wir zukünftig die Verfügbarkeit der Rolltreppen verbessern? Diese Fragen lassen mich nicht los. Und so stehe ich bei Timo, dem Leiter Rolltreppen/Aufzüge im Büro und suche nach Antworten.

Als erstes möchte ich der Korrektheit halber erwähnen, dass Rolltreppen im Fachbereich eigentlich Fahrtreppen genannt werden. Da aber die Mehrheit unserer Fahrgäste von Rolltreppen spricht, behalte ich diesen Begriff im Blogartikel bei.

Insgesamt haben wir 264 Rolltreppen, die durch die KVB betreut und instand gehalten werden. Davon befinden sich 180 in der Verteiler-/Bahnsteigebene, 84 führen auf die Straße. Insgesamt sind 20 Kollegen für die Wartung, Reparatur und Entstörung unserer Rolltreppen zuständig.

Sind unsere Rolltreppen wirklich so oft defekt?

Grundsätzlich haben unsere Rolltreppen eine Verfügbarkeit von 94 bis 98 % – ein Wert der sich durchaus sehen lassen kann. Für Defekte gibt es vielfältige Gründe: Vandalismus, Missbrauch der Notbremse aber auch eine alte, unzuverlässige Technik. Auch das Warten auf Ersatzteile, Wartungsarbeiten oder die Gewährleistung/ Instandsetzung durch den Hersteller können dazu führen, dass Rolltreppen temporär außer Betrieb sind.

Auch witterungsbedingte Störungen können auftreten, z.B. wenn Laub die Technik verdeckt bzw. verdreckt oder sich Steinchen in den Rillen der Stufen absetzen.

Gegenstände, die in die Rolltreppe gelangen, können ein Problem darstellen, wie z.B. Blätter, Plastiktüten, Rückstände von Fast-Food-Ketten etc. Was unsere Kollegen regelmäßig aus unseren Rolltreppen herausholen ist wirklich erstaunlich und teilweise eklig. Das berühmteste Fundstück war ein sehr teurer Diamantenring, den die Kollegen glücklicherweise der Besitzerin zurückgeben konnten:

Finderglück: KVB-Mitarbeiter fischen Diamant aus Rolltreppe. (KStA)
1,6 Karat: KVB-Techniker finden Diamanten in U-Bahn-Station. (EXPRESS)

Und ein wirklich großes Problem sind auch Rolltreppen an bestimmten Brennpunkten, die leider immer wieder manipuliert werden. Da helfen dann auch regelmäßiges Warten und Ölen nichts.

Mutwillig abgerissener Handlauf (links), verschüttete Lackfarbe (Mitte) und ein aufgeschlitzter Handlauf (rechts) sind nur einige Bespiele der Vandalismusschäden an Rolltreppen.

Rolltreppen haben in der Regel eine Mindestlebensdauer von 20 Jahren, wobei insbesondere die älteren Modelle störanfälliger sind. Alte Ersatzteile müssen oft bestellt oder gar maßangefertigt werden, größere Reparaturen müssen wir zum Teil erst ausschreiben. Unter Umständen kann die Fehlersuche auch mal etwas länger dauern, da die Technik, die hinter den Rolltreppen steckt, äußerst komplex ist. In den letzten Jahren wurden pro Jahr fünf bis sechs Fahrtreppen ausgetauscht. Die Tendenz ist aber steigend, sodass zukünftig ca. zehn Fahrtreppen pro Jahr ausgetauscht werden sollen.

Was passiert bei einem Defekt?

Die meisten unserer Rolltreppen (ca. 90%) sind direkt mit der Leitstelle verbunden. Dahinter steckt ein komplexes System, an dem mehrere Fachbereiche beteiligt sind. Wenn also eine Rolltreppe der Leitstelle automatisiert als defekt gemeldet wird, so wird diese Meldung unmittelbar an den Fachbereich weitergeleitet, der dann die Liste der Störungen abarbeitet.

Verfügt die Rolltreppe nicht über eine moderne Steuerung und es wurde die Notbremse gezogen, so muss jedes Mal ein Kollege rausfahren und diese wieder einschalten. Das ist nicht nur zeit- sondern auch kostenintensiv. Die neueren Modelle hingegen können nach Zwangsstopps sogenannte „Selbsttests“ durchführen und eigenständig wieder in Betrieb gehen.

Störungen werden in vier verschiedene Kategorien unterteilt:

gesperrte Rolltreppe

Gesperrte Rolltreppe.

    • Kategorie I: Diese Störung kann ohne Werkzeug behoben werden und hierzu zählen 75% aller Störungen (typisches Beispiel: Missbrauch der Notbremse). Die Stillstandzeit liegt hier im Durchschnitt bei 1,6 Std.
    • Kategorie II: Diese Störung kann mit Werkzeug aber ohne Materialaustausch behoben werden. Hier liegt die durchschnittliche Stördauer bei 5,6 Stunden.
    • Kategorie III: Hier kann die Störung mit Werkzeug und vorhandenem Material durchgeführt werden. Die Dauer liegt i.d.R. bei 15 Stunden.
    • Kategorie IV: Ersatzteile/Material müssen von externen Dienstleistern bestellt, ggfls. sogar ausgeschrieben werden. Hier liegt der Stillstand im Durchschnitt bei 19,5 Stunden.

Warum stehen die Rolltreppen manchmal so lange still?

Pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten. Verschiedene Gründe können dazu führen, dass sich die Instandsetzung verzögert:

    • Zum einen ist hier die Ersatzteilbevorratung zu nennen. Wir haben diverse Ersatzteile eingelagert und beziehen auch Ersatzteile von Lieferanten der näheren Umgebung. Dennoch ist es unmöglich, alle Ersatzteile auf Vorrat zu lagern, da wir eine Vielzahl an unterschiedlichen Fahrtreppen haben, die überwiegend Spezialanfertigungen sind.
    • Unsere ältesten Rolltreppen sind aus den 70er Jahren – für diese gibt es zum Beispiel gar keine Ersatzteile mehr. Tritt hier ein Defekt auf, so schicken wir die defekten Teile ein, sodass sie dann wieder aufbereitet werden. Bei so einer alten Anlage kostet beispielsweise eine einzelne neue Stufe 1000 €, wenn wir sie neu bauen lassen. Das dauert natürlich, ist aber oft nicht anders händelbar. Denn viele Hersteller haben die Produktion elektrischer Bauteile älterer Treppen eingestellt.
    • Viele Hersteller haben leider häufig Lieferschwierigkeiten und kommen mit der Produktion nicht nach. So kann die Wartezeit auch schon mal zwei bis vier Wochen dauern, bei neuen Stufenketten liegt die Lieferzeit zum Beispiel bei acht Wochen. Das ist nicht nur für unsere Fahrgäste, sondern auch für uns ärgerlich.
Rolltreppenwartung

Rolltreppenwartung

  • Ein weiterer Grund, der Instandsetzungen verzögert, ist die gesetzlich vorgeschriebene Ausschreibung. Dies ist bei größeren Reparaturen notwendig und dahinter steckt auch viel Bürokratie: es muss ein Auftrag angelegt werden, unser Einkauf schreibt die Reparatur aus. Firmen/Lieferanten geben ihr Angebot ab und nach Prüfung der Angebote erhält ein Anbieter den Zuschlag und führt dann auch die Reparatur durch.
  • Einige Reparaturen können aufgrund der Gewährleistung durch den Hersteller nicht durch uns durchgeführt werden. Nach dem Einbau neuer Rolltreppen gibt es für jede Anlage eine fünfjährige Gewährleistung durch den Hersteller. Der Hersteller führt in diesem Zeitraum auch die Wartungen und Reparaturen durch – würden wir es selbst durchführen, würde die Gewährleistung erlöschen.

Werden die Rolltreppen zu wenig gewartet?

Alle Rolltreppen werden regelmäßig gewartet. Die zwei bis dreistündigen Wartungen erfolgen alle zwei Monate und werden in den frühen Morgenstunden durchgeführt. Außentreppen werden zusätzlich regelmäßig geölt. Durch den TÜV werden die Treppen einmal im Jahr zwischen Juni und August geprüft. Dieses Video gibt einen Einblick in die Aufgaben, die ein Fahrtreppenwärter bei der regelmässigen TÜV-Kontrolle von Fahrtreppen durchzuführen hat:

Was kostet eine Rolltreppe überhaupt?

Die Investitionskosten einer Rolltreppe liegen bei ca. 350.000 €. Hinzu kommen der Einbau und die Anschlüsse mit Kosten von ca. 80.000€.

Warum darf ich nicht mit dem Kinderwagen, Hund oder Sperrgut die Rolltreppe nutzen?

Bei unseren Vierbeinern besteht die Gefahr, dass Haare oder Pfötchen in die Kammplatte geraten können. Also bitte lieber die Treppe nehmen oder – sofern vorhanden – den Aufzug nutzen. Auch mit dem Kinderwagen kann eine Rolltreppenfahrt gefährlich werden: Durch die Form der Stufen können die Räder des Kinderwagens das Setzen der Stufen verhindern. Die Stufen können dann ausbrechen, die Treppe beschädigen und auch Mutter und Kind können verletzt werden. Der Transport von Sperrgut kann die Treppe beschädigen und unsichtbare Folgeschäden hervorrufen, die dann für Fahrgäste, die im Anschluss die Rolltreppe nutzen, gefährlich werden können.

Kammplatte (links) und Hinweisaufkleber (rechts).

Rolltreppen im Wechselbetrieb

Die meisten Rolltreppen können je nach Bedarf in zwei Richtungen fahren – im sogenannten Wechselbetrieb. Der Richtungswechsel wird über eine Lichtschranke angefordert.

Hat aus der entgegengesetzten Richtung ein Fahrgast die Lichtschranke zuerst passiert, so muss man warten, bis das Wartesymbol erlischt und die Rolltreppe ihre Fahrtrichtung ändern kann. Der Wechselbetrieb kann immer wieder zu Konflikten führen, wenn permanent Fahrgäste aus einer Richtung eintrudeln und die Rolltreppe die Fahrtrichtung nicht ändern kann. Bitte nehmt hier Rücksicht auf die, die auf die Rolltreppen angewiesen sind. Die Münchner Kollegen haben dazu ein nettes Video produziert:

Werden unsere Rolltreppen zukünftig mehr rollen als stillstehen? Wie geht es weiter?

Durch den stetigen Austausch älterer Modelle ist auch hinsichtlich der Zuverlässigkeit Besserung zu erwarten. Der Fachbereich arbeitet zudem an Konzepten, die Zuverlässigkeit der Rolltreppen zu erhöhen. Diese Lösungen müssen aber auch immer finanzierbar sein.

Und es gibt gute Neuigkeiten: der NVR (Nahverkehr Rheinland), die Stadt Köln und wir als KVB investieren rund 15 Millionen Euro in neue Fahrtreppen. Nachdem in den nächsten Jahren insgesamt 39 Fahrtreppen in U-Bahnhaltestellen erneuert werden sollen, hat der NVR nun einem Förderantrag stattgegeben und fördert die fast 15 Millionen Euro hohe Maßnahme mit rund 12,7 Millionen Euro – die Restsumme übernehmen KVB und Stadt Köln als Eigenanteil.

An zwölf Haltestellen in den Stadtbezirken Innenstadt und Ehrenfeld werden die Rolltreppen erneuert:

  • Innenstadt (Einbau zwischen 1970 und 1999): Appellhofplatz, Dom/Hbf., Friesenplatz, Heumarkt, Reichenspergerplatz und Rudolfplatz.
  • Ehrenfeld (Einbau zwischen 1988 und 1991): Akazienweg, Äußere Kanalstraße, Körnerstraße, Leyendeckerstraße, Piusstraße und Venloer Str./ Gürtel.

 

Rolltreppenaustausch Venloer Str./Gürtel

Durch die Erneuerung der teils knapp 50 Jahre alten Fahrtreppen erhoffen wir uns eine geringere Störanfälligkeit und wir können teilweise Verbesserungen für mobilitätseingeschränkte Personen erzielen. Die ersten Rolltreppen sollen ab Mitte diesen Jahres ausgetauscht werden. Es ist also mittelfristig damit zu rechnen, dass unsere Rolltreppen zuverlässiger und stabiler laufen. Unsere Kollegen geben tagtäglich rund um die Uhr alles, um die Rolltreppen am rollen zu halten!

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6 Kommentare

  • Nico

    Das Thema ist schön und gut liebe KVB, aber seit 5 Jahren läuft vor dem Haus Ebertplatz 1 die Rolltreppe nicht. Wie ist dies zu erklären? An den Kosten kann es nicht liegen, denn eine Straßenbahn ist teurer als eine Rolltreppe.

  • Jule

    Und welche Grund gibt es, dass die Rolltreppe an der Neusser Straße/Gürtel vom Zwischengeschoss zur Linie 13 nach Holweide seit ca. 4 Monaten still steht?

    • Hallo Jule, durch Vandalismus ist dort eine Stufe gebrochen. Beim Austausch dieser Stufe ist jedoch aufgefallen, dass auch noch eine Kette defekt ist. Das war vorher nicht direkt zu sehen. Die Reparatur dieser Kette ist beauftragt. Ich kann aber leider noch nicht sagen, wann die Reparatur abgeschlossen sein wird. Gruß, Regina

  • Christian

    Warum haben die Rolltreppen überhaupt Notbremsen? In Kaufhäusern oder Einkaufszentren gibt’s ja auch keine – zumindest nicht in dieser Form.

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