Die Verkehrsmeister – das schnelle Eingreifteam der KVB

Auf dem Dach des Dienstwagens von Alexander Kampschulte (47) kleben zwei gelbe Blinklichter. Weiß ist sein Fahrzeug, ein geräumiger Hochdachkombi, schwarz sind seine Sicherheitsschuhe, die er vorschriftsmäßig trägt.

Im Fond piepst der Digitalfunk, sein direkter Draht zur Leitstelle. „Betriebsaufsicht“ steht rot gerahmt auf Tür und Motorhaube. Am Steuer dürfen nur ausgebildete Verkehrsmeister sitzen. Im Grunde sind sie so etwas wie das schnelle Eingreifteam der KVB.
 
Vier solcher Funkwagen sind rund um die Uhr auf der Straße, zwei auf der linken Rheinseite und zwei rechts. Die Jobbeschreibung der Verkehrsmeister lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: die Aufrechterhaltung des Bus- und Bahnverkehrs im Streckennetz der KVB. „Im Störungsfall übernehmen sie die Abwicklung der Störung vor Ort. Dabei sind sie ‚Auge und Ohr‘ der Leitstelle, damit alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet werden können“, erklärt Ute Kraus, stellvertretende Betriebsleiterin des Unternehmens. Bei zwölf Bahn- und 70 Buslinien kennen Alexander Kampschulte und seine Kolleginnen und Kollegen keine Langeweile.
Dieses Mal übernimmt der Verkehrsmeister die Mittelschicht, Dienstbeginn ist um 12 Uhr mittags. In den Kofferraum des Funkwagens hebt er eine Kiste mit Aktenordnern. „Im Grunde benötige ich inzwischen nur noch ein Tablet, weil alle Informationen seit Anfang 2025 digital erfasst werden. Sicherheitshalber haben wir aber auch noch die klassischen Unfallbögen dabei“, sagt er und verlässt mit seinem Wagen den Betriebshof West in Braunsfeld.

Begutachtung einer Baugrube

Dicht neben den Gleisen ist eine defekte Gasleitung repariert worden. Alexander Kampschulte prüft die Baustellensicherung.

Erster Einsatzort ist ein rund vier Quadratmeter großes Loch in der Iltisstraße in Ossendorf. Rund 40 Zentimeter neben den Gleisen der Linie 5 ist die Asphaltdecke sauber aufgesägt worden. Kampschulte beugt sich über das rot-weiße Absperrgitter und schaut in die Tiefe. Unter der Erde verläuft eine Gasleitung, die am Vortag wegen eines Lecks erneuert werden musste. „Es ist Glück, dass wir noch fahren können. Ein leerer Stadtbahnwagen wiegt knapp 30 Tonnen, der Doppelzug, wie er auf fast allen Linien zum Einsatz kommt, doppelt so viel. Deshalb müssen wir bei solchen Baumaßnahmen immer die Statik beachten“, sagt Kampschulte und prüft den Abstand der Absperrgitter zu den Gleisen. Das Gasleck hatte seine Kollegin am Tag zuvor rund vier Stunden auf Trab gehalten. Erst dann war klar: die Linie 5 kann fahren.
Die Verkehrsmeisterinnen und Verkehrsmeister arbeiten in drei Schichten rund um die Uhr. Insgesamt gibt es 42 Verkehrsmeister im Außendienst, hinzu kommen fünf Oberverkehrsmeister in Leitungsfunktionen. Mit den Verkehrsmeistern im Außendienst werden nicht nur die vier Funkwagen besetzt, einige von ihnen sind zu Fuß, mit Bus oder Bahn im Streckennetz unterwegs. Weitere 43 Verkehrsmeister und sechs Einsatzleiter arbeiten in der Leitstelle, hinzu kommt die Personalsteuerung für den Stadtbahn- und Busbetrieb.

In der Fahrdienstleitung sorgen sie beispielsweise für Reserve, falls sich Fahrer krankmelden. „Alle Verkehrsmeister sind mit ihrer Arbeit und dem Zusammenspiel wesentliche Bausteine, damit Störungen schnellstmöglich beseitigt werden können und den Fahrbetrieb währenddessen bestmöglich aufrecht zu erhalten“, betont Kraus.

Verkehrsmeister im Dienstfahrzeug

Digitales Arbeiten: Über ein Tablet gelangen alle wichtigen Informationen schnell an die Leitstelle und Bereiche der KVB.

Kaum sitzt Kampschulte wieder im Auto, piepst das Funkgerät. „Die Leitstelle für den Tünnes 4“, meldet sich ein Mitarbeiter. Tünnes lautet der Rufname der KVB im Funkverkehr, auch manche Einsatzfahrzeuge tragen diesen kölschen Namen. Ein Fahrzeug sei so knapp neben den Gleisen abgestellt worden, dass der Bahnfahrer die Vorbeifahrt scheue, heißt es. Fünf Minuten später stellt Kampschulte seinen Einsatzwagen neben den Gleisen ab. Zuversichtlich winkt er die Stadtbahn an einem sperrigen SUV vorbei, der mit großzügigem Abstand zum Fahrbahnrand abgestellt wurde. Etwa 15 Zentimeter Luft bleiben zwischen Bahn und Außenspiegel.
 
Verkehrsmeister überwacht den Abstand zwischen Stadtbahn und schlecht geparktem PKW

Mit Augenmaß dirigiert der Verkehrsmeister eine Stadtbahn der Linie 9 an einem großzügig am Fahrbahnrand abgestellten SUV auf der Zülpicher Straße in Sülz vorbei.

„Der Wagen steht da grenzwertig, aber Abschleppen wäre unverhältnismäßig“, urteilt Kampschulte und dirigiert auch die nächsten Bahnen, die bereits an der Engstelle warten, an dem Fahrzeug vorbei.

Früher war Alexander Kampschulte sozusagen hauptberuflicher Glücksbringer.
Als Schornsteinfeger hat er seine Berufslaufbahn begonnen, dann wechselte er zur KVB, acht Jahre später begann er die Ausbildung zum Verkehrsmeister. In diesen 24 Monaten durchlaufen die Absolventen die unterschiedlichsten Abteilungen: Bahnbau, Fahrdienstleitung, Werkstätten, die Wartung von Aufzügen. „Man lernt das gesamte Unternehmen kennen. Das hat mir sehr geholfen, Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen“, erzählt er.
Bei der Verkehrsmeister-Prüfung geht es um Streckenkenntnis, die Behebung einer Störung wird simuliert, auch Umleitungen für Busse und Bahnen müssen vorgeschlagen werden. Als Verkehrsmeister gehört Kampschulte nun eine dunkelblaue Dienstmütze mit silberner Kordel. „Die trage ich aber nur bei besonderen Großeinsätzen“, sagt er.
 

Verkehrsmeisterin am Dienstfahrzeug

Als Verkehrsmeisterin fährt Jennifer Schulz mit besonderem
Blick durch die Stadt. Sie kontrolliert unter anderem
Linienwege und Haltestellen.

Die Verkehrsmeister-Ausbildung ist keineswegs nur Männersache.
Vor zwei vier Jahren hat Jennifer Schulz (41) nach erfolgreicher Prüfung die Urkunde als Verkehrsmeisterin erhalten. Und die Mütze. Auch sie ist vorher Stadtbahn gefahren und war sogar Lehrfahrerin.
Während der Ausbildung hat sie parallel den Busführerschein gemacht, denn auch der ist für die Verkehrsmeisterinnen und Verkehrsmeister vorgeschrieben.
„Die Abwechslung ist es, die mich fasziniert. Man steigt morgens vor Dienstbeginn in den Funkwagen und weiß nicht, was der Tag mit sich bringt“, beschreibt sie die Besonderheiten des Jobs. An diesem Tag wird sie erst zu einem Fahrleitungsschaden bei einer Bahn der Linie 1 gerufen, dann zu einem defekten Linienbus.

Schließlich randaliert noch ein Fahrgast am Ebertplatz. „Auch da muss ich für Ordnung sorgen. Im Zweifel fordern meine Kollegen und ich Unterstützung durch die Polizei an“, sagt sie.
Als Verkehrsmeisterin fährt Jennifer Schulz auch in ihrer Freizeit mit besonderem Blick durch die Stadt. „Im Job achte ich nebenbei auf Haltestelleneinrichtungen, Schlaglöcher und Baustellen. Und wenn plötzlich ein Bus mit Warnblinkanlage am Straßenrand steht, halte ich immer an und versuche zu helfen. Auch nach Feierabend“, sagt sie. Denn im Grunde sei es entscheidend, das Fahrpersonal in stressigen Situationen zu unterstützen.
Aufmunternde Worte und Hilfsangebote sind auch beim nächsten Einsatz von Alexander Kampschulte gefragt. Ein Auffahrunfall auf der Neusser Landstraße, auch ein Linienbaus ist beteiligt. Auch jetzt fährt der Verkehrsmeister äußerst zivilisiert. „Wenn ich geblitzt werde, müsste ich das selbst bezahlen. Und den Führerschein will ich nicht verlieren, den brauche ich für meinen Job“, erklärt er seine Zurückhaltung am Steuer.

Verkehrsmeister protokolliert das Unfallgeschehen

Schadensanalyse: Alexander Kampschulte inspiziert die am Unfall beteiligten Fahrzeuge, fertigt Fotos an und füllt einen Unfallbogen aus.

Wenig später erkennt er bereits das Blaulicht eines Polizeiwagens, am Fahrbahnrand steht ein Bus, der bei einer Leerfahrt auf einen Transporter aufgefahren ist. „Der Transporter musste eine Vollbremsung machen, ich konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen“, erklärt der Busfahrer entschuldigend. Mit Kampschultes Hilfe lenkt er den Bus rückwärts in eine Haltebucht – jetzt kann der Verkehr wieder ungehindert fließen. Der Verkehrsmeister tippt die Daten der Unfallbeteiligten in sein Tablet und ordert über Funk einen Abschleppwagen. „Die Frontscheibe des Busses ist so stark beschädigt, bei der nächsten Erschütterung fällt die raus“, begründet er seine Entscheidung. Ein Funkspruch an die Leitstelle, dann ist der Auftrag erledigt. Der Unfallbogen wird digital an Leitstelle und Schadensbearbeitung geschickt.
Es folgen noch einige kleine Einsätze. In Niehl ist bei einem defekten Bus, der zum Betriebshof Nord geschleppt werden sollte, eine Flüssigkeit ausgetreten, die sich nun auf einer Strecke von einem Kilometer auf der Industriestraße verteilt hat. Die Feuerwehr streut ab, Kampschulte sichert die Einsatzstelle ab und schreibt Protokoll. Am frühen Abend stellt er „Tünnes 4“ auf dem Betriebshof West ab.
 
Alle Aufträge sind erledigt. An manchen Tagen legt er in einer Schicht 100 Kilometer zurück. Das alles, damit der öffentliche Personennahverkehr in Köln rollt.

Die wichtigsten Infos zu unseren Verkehrsmeister:innen im Überblick:

  • • → Die Ausbildung dauert 24 Monate, erforderlich sind Bus- und Bahnführerschein.
  • • → Verkehrsmeister werden in vier Bereichen eingesetzt: In der Leitstelle, in der Betriebsaufsicht sowie in den Personalsteuerungen für den Stadtbahn- und den Busverkehr.
  • • → Für diese Bereiche gibt es unterschiedliche Ausbildungswege. „Verkehrsmeister Leitstelle“ und „Verkehrsmeister Außendienst“ gehören zur Betriebssteuerung. Unterschieden wird auch in die Bereiche „Personalsteuerung Stadtbahn und Bus“ sowie „Personalführung Stadtbahn und Bus“.
  • • → Bis Ende 2027 gilt für die „Verkehrsmeisterin bzw. zum Verkehrsmeister Leitstelle Funk Stadtbahn oder Bus“ eine verkürzte Ausbildungszeit von 9 -10 Monaten.

Das sind die Hauptaufgaben der Verkehrsmeister:innen in der Betriebsaufsicht:

  • • → Kontrolle der Linienwege von Bussen und Bahnen, insbesondere bei Baustellen.
  • • → Abwicklung von Sonderverkehren, etwa bei Fußballspielen des 1. FC Köln.
  • • → Bei Unfällen halten sie Kontakt zur Leitstelle und entscheiden mit über etwaige Linientrennungen von Stadtbahnen und Umleitungen von Bussen.
  • • → Bei Großveranstaltungen wie etwa Stadion – Für den Ausbildungsgang „Verkehrsmeister Leitstelle“ ist zusätzlich noch die Ausbildung zum Stellwerksmeister erforderlich.
  • • → Konzerten, Karneval, CSD und Arena-Veranstaltungen sind sie Teil der Betriebssteuerung.
  • • → Bei Störungen oder Unfällen übernehmen sie die Einsatzleitung vor Ort und informieren die KollegInnen in der Leitstelle, damit über etwaige Linientrennungen von Stadtbahnen und Umleitungen von Bussen entschieden werden kann.
  • • → Unfallaufnahme von Bahnen, Bussen, KVB-Fahrzeugen und Fahrzeugen der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB).
  • • → Überprüfung von Betriebsanweisungen sowie Kontrolle von Haltestellen und Linienwegen.
  • • → Erstbetreuung der Mitarbeitenden bei Unfällen.

Fotos: Christian Seiter/KVB und Thorsten Moeck/KVB

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