In diesem Filmen spielt die KVB eine Rolle

Züge, Bahnen und Haltestellen sind reizvolle Kulissen –
Von Tatort bis Hollywood-Action

Mit Maschinenpistolen im Anschlag läuft ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei die Treppen der U-Bahn-Haltestelle Kalk-Post hinunter. Die Beamten pirschen sich -geschützt durch schwarze Schilde – durch die Zwischenebene, wo sie eine Sprengladung an einer Tür anbringen. Im Film ist dies der Zugang zum Atomschutzbunker, in dem sich ein paar Weltuntergangs-Fanatiker für ein Trainingslager versammelt haben.
Andere Polizisten trippeln im grellen Taschenlampenlicht über die Gleise in den Tunnel.
Die Szenen stammen aus dem Tatort „Die letzten Menschen von Köln“, der im September ausgestrahlt und Monate zuvor in einer nächtlichen Betriebspause an der Haltestelle in Kalk gedreht wurde.

Sondereinsatzkommando der Polizei rückt in die Haltestelle ein

Für den Tatort „Die letzten Menschen von Köln“
wurde in der Haltestelle Kalk-Post gedreht.

Schon immer übte urbane Nahverkehrs-Architektur einen besonderen Reiz auf die Filmproduktionen in aller Welt aus, Köln als Film- und Fernsehstadt bildet da keine Ausnahme.

Und das nicht nur, weil hier der Westdeutsche Rundfunk mit seinen Filmstudios beheimatet ist. Stadtbahnen, Haltestellen und Betriebsanlagen der KVB spielen dabei oft unscheinbare Nebenrollen.
 

Rund 70 Drehanfragen pro Jahr

Etwa 70 Drehanfragen landen jedes Jahr im Mail-Postfach von Beate Dehmel, Mitarbeiterin der Unternehmenskommunikation. Die Bandbreite reicht von studentischen Arbeiten bis zu internationalen Produktionen. „Generell versuche ich die Vorstellungen der Produktionsfirmen zu ermöglichen, dabei darf unser Betrieb jedoch nicht zu stark beeinträchtigt werden“, erklärt Dehmel. Aufwändige Dreharbeiten finden daher oft in der nächtlichen Betriebspause statt. „Manchmal muss ich auch Absagen erteilen. Wenn bestimmte Haltestellen als Drehort nicht infrage kommen, versuche ich aber immer Alternativen anzubieten“, sagt Dehmel.

Filmplakat Collide

Das Filmplakat für den Actionfilm „Collide“ entstand
auf den Gleisen der Linie 9 auf der Zülpicher Straße.

Eine Ausnahme waren jedoch die Dreharbeiten für den 2016 erschienenen Actionfilm „Collide“ mit den Hollywood-Größen Anthony Hopkins und Ben Kingsley. Der Film wurde größtenteils in Köln und im Umland gedreht, unter anderem im kultig-ranzigen Ambiente des „Stiefel“ auf der Zülpicher Straße.
Die Linie 9 hat es sogar in den Trailer des Films geschafft, für die Dreharbeiten waren die Stadtbahnen damals umgeleitet worden. „Anschnallen!“, „Hochschalten!“, „Durchstarten!“, heißt es auf dem Filmplakat, das mitten auf den Gleisen der Linie 9 entstanden ist. Mit der Bahn ist im Film dann übrigens niemand gefahren, dafür aber mit sehr schnellen Autos.

Vom Orient Express bis zum „Bullet Train“

Manche Fahrzeuge des Schienen- und Busverkehrs haben durch Filme Kultstatus erreicht, andere waren schon vorher berühmt.
Im Orient-Express wurde 1974 mit Starbesetzung gemordet, die „Entführung der U-Bahn Pelham 123“ (2009) wurde dank Denzel Washington, John Travolta und natürlich einem Exemplar der New Yorker U-Bahn zum Kinoerfolg.

Nicht zu vergessen ist der Action-Klassiker „Speed“ (1994), in dem Sandra Bullock und Keanu Reaves die Explosion eines Linienbusses in Los Angeles zu verhindern versuchen.
Die Bombe geht hoch, sobald der Bus langsamer als 50 Meilen pro Stunde fährt – bei den Kölner Verkehrsverhältnissen hätte dieser Plot allenfalls für einen Kurzfilm gereicht. Und in dem Hollywood-Streifen „Bullet Train“ (2022) spielt neben Brad Pitt der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen die Hauptrolle.

Jürgen Fenske mit den Tatort Kommissaren vor der Wurstbraterei

Na dann Prost: Der einstige KVB-Chef Jürgen Fenske (Mitte) mit den Schauspielern Dietmar Bär (r.) und Klaus J. Behrendt.

In prominente Filmtitel haben es die Busse und Bahnen der KVB noch nicht geschafft, dafür durfte das Personal des Verkehrsunternehmens hin und wieder vor der Kamera in Statistenrollen mitwirken.

Als die Kölner Tatort-Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk in der Folge „Ohnmacht“ (2014) ihren Ermittlungserfolg wie üblich an der Wurstbude feierten, durfte sich im Hintergrund der damalige KVB-Chef Jürgen Fenske eine Bratwurst holen. Im sechsten Anlauf soll die Szene im Kasten gewesen sein, wie es so schön heißt.

Fenske dürfte hinterher also ziemlich satt gewesen sein.
 
Weil der Aufwand groß und der Platz überschaubar ist, wird selten in Bussen und Stadtbahnen gedreht. Interessant sind für die Produktionsfirmen vielmehr Bahnhöfe und Haltestellen – manchmal wegen der besonderen Architektur, manchmal wegen des betonlastigen Brutalismus‘. Viele berühmte Filmbahnhöfe befinden sich in London. Am Bahnhof „Kings Cross“ gelangte Harry Potter mit Koffern und Eulenkäfig durch eine Wand zum berühmten Gleis 9 ¾, Schauspieler Matt Damon wird in seiner Rolle als Jason Bourne im Bahnhof „Waterloo Station“ von Killern gejagt. Und der Bahnhof Paddington Station wurde spätestens durch den Miss Marple-Krimi „16.50 Uhr ab Paddington“ bekannt. Die Aufzählung ließe sich schier endlos fortsetzen.

Kunstvolle Kathedralen und Angsträume – wie Haltestellen in Szene gesetzt werden

Bilder transportieren Emotionen, das gilt für Krimis genauso wie für Romanzen. Im jüngsten Kölner Tatort wird die Haltestelle Kalk-Post gleich zu Beginn als dunkler Angstraum inszeniert. In der Zwischenebene lungern Junkies, alkoholisierte Obdachlose haben ihr Nachtlager aufgebaut, es wird geraucht und getrunken, ein Mann wühlt in einem Mülleimer. Alles in allem keine Werbung für den öffentlichen Personennahverkehr, aber nah am Leben. „Bei uns findet auch eine inhaltliche Prüfung statt. Dabei orientieren wir uns an unseren Unternehmenswerten“, erklärt Beate Dehmel, die sich seit 32 Jahren um die Drehgenehmigungen kümmert.

Im Film erfolgt ein Sprung in die Sicherheit, knapp an der einfahrenden Stadtbahn vorbei

Im Actionfilm „Collide“ ist ein Sprung über die Gleise
an der Haltestelle „Breslauer Platz/Hbf“ zu sehen.

Bei großen Filmproduktionen ist meist auch der Aufwand groß, die Kosten für Sicherungsmaßnahmen und eventuelle Absperrungen werden von den Produktionsfirmen übernommen. Wenn Drehbücher Action oder Drama vorgeben, spiegeln die Inhalte keinesfalls den Alltag eines Verkehrsunternehmens wider, das wäre schlicht zu langweilig. Im Hollywood-Streifen „Collide“ rettet sich Hauptdarsteller Nicholas Hoult an der Haltestelle „Breslauer Platz/Hbf“ mit einem Sprung über die Gleise vor seinen Verfolgern – ganz knapp vor der einfahrenden Stadtbahn der Linie 5.
 
Auch diese Aufnahmen sind in der nächtlichen Betriebspause entstanden. Und im Tatort „Ohnmacht“ spielten die dramatischen und blutigen Schlussszenen in der Haltestelle „Rathaus“, diese war damals jedoch nicht in Betrieb.

Haltestellen der Nord-Süd-Stadtbahn beliebte Drehorte

Das Tatortteam hat eine Besprechung an der Unfallstelle

Im Tatort „Weiter, immer weiter“ kommt es auf der Strecke der Linie 3 zu einem tödlichen Stadtbahn-Unfall.

Manchmal ist die Erteilung der Drehgenehmigungen ein Balanceakt.
So wie beim Tatort „Weiter, immer weiter“ (2019). Im Film spielt die Linie 3 eine unrühmliche Rolle, denn ein Räuber läuft auf seiner Flucht über die Gleise, wird von der Bahn erfasst und stirbt. Gefahren wurde die Bahn damals von Udo Milewski, der für die Betriebsleitung der KVB arbeitet. „Es wurde eine Puppe vor die Bahn geworfen“, erinnert er sich. Als Statist sei er mehrfach im Einsatz gewesen, unter anderem bei Aufnahmen für die ZDF-Dokumentationsreihe „Terra X“.

Viele Filmeszenen sind aus KVB-Sicht jedoch unbedenklich.
In der Komödie „Ein Fest fürs Leben“ (2023) dient die kunstvoll illuminierte Haltestelle „Kartäuserhof“ als Kulisse. Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst fährt die Rolltreppe hinab und bekommt von angeheiterten Teilnehmern eines Junggesellenabschieds einen Schaumstoffpenis in die Hand gedrückt. „Generell sind die modernen Haltestellen der Nord-Süd-Stadtbahn beliebte Drehorte“, stellt Dehmel fest.

Christoph Maria Herbst auf der RolltreppeSchauspieler Christoph Maria Herbst fährt in der Komödie
„Ein Fest fürs Leben“ Rolltreppe am „Kartäuserhof“.
Alexander Fehling in der StadtbahnGroßstadtgetümmel: Schauspieler Alexander Fehling fährt
im Film „Gut gegen Nordwind“ mit der Bahn durch Köln.

Auch für die romantische Romanverfilmung „Gut gegen Nordwind“ (2019), die größtenteils in Köln entstanden ist, fanden Aufnahmen bei der KVB statt. Im Film fährt Hauptdarsteller Alexander Fehling gedankenversunken mit der Bahn durch Köln. Einfach so. Ohne SEK-Einsatz, ohne Blutvergießen und ohne zuckendes Blaulicht.
Nur der Liebe wegen.

 
Fotos: WDR, KVB-Archiv, Screenshot Filmtrailer
 
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