Die Feuerwehr der KVB
PKW im Gleis, Falschparker auf der Strecke, gebrochene Schienen oder defekte Weichen: Störungen gehören im Alltag eines großen Verkehrsunternehmens leider dazu. Damit die Auswirkungen für unsere Fahrgäste möglichst gering bleiben und der Betrieb schnell wieder reibungslos läuft, ist der Entstördienst der KVB rund um die Uhr einsatzbereit.
Wenn Karin Korr, Björn Weiß und Niclas Karwoth ihren Dienst antreten, wissen sie nicht, was auf sie zukommt.
So auch heute – die drei gehören zum Team des Entstördienstes. Gemeinsam mit ihren Kollegen sind sie 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und an 365 Tagen im Jahr im Einsatz. Immer dann, wenn schnelle Hilfe gefragt ist, rücken sie aus. „Wir sind die Feuerwehr der KVB. Wenn es irgendwo „brennt“, sind wir zur Stelle“, sagt Dominik Schmitz, Leiter des 15-köpfigen Teams im Teilbereich Bahnbau. Neben technischen Störungen werden die Mitarbeitenden auch regelmäßig bei Unfällen angefordert und unterstützen Polizei sowie Feuerwehr vor Ort. Für Karin, Björn und Niclas geht es allerdings zunächst zu einer Routinearbeit an den Neumarkt. Hier hat sich an der Nordseite ein Kantstein gelöst und muss befestigt werden. Kein Problem. Nicht jeder Einsatz ist spektakulär und aufsehenerregend. Das kann sich allerdings in Sekundenschnelle ändern, wenn sich die Leitstelle per Funk meldet. Jetzt geht es aber erstmal mit dem „Tünnes 54“ vom Betriebshof West ins Herz der Stadt.
Der T54 ist das vielseitige Einsatzfahrzeug des Entstördienstes. Seit kurzem ist eine neue Generation des Fahrzeugs auf den Straßen von Köln unterwegs. Es ersetzt seinen Vorgänger, der zwölf Jahre lang zuverlässig seinen Dienst verrichtet und bei unzähligen Einsätzen geholfen hat. Besonders erfreulich: Die Mitarbeitenden konnten ihre praktischen Erfahrungen bereits in die Planungsphase einbringen. So entstand ein Fahrzeug, das exakt auf die Anforderungen der KVB zugeschnitten ist.
Die Ausstattung lässt kaum Wünsche offen lässt. Kettensägen, Schneidbrenner, Absperrmaterial, Werkbank und eine Vielzahl an Spezialwerkzeugen gehören ebenso zur Grundausstattung wie eine leistungsfähige Seilwinde. Hinzu kommen eine Druckluftanlage zum Anheben von Fahrzeugen, ein moderner Akku-Ladeschrank für die sichere Aufbewahrung und Ladung von Akkus sowie zahlreiche Materialien für die unterschiedlichsten Einsatzlagen. Sogar eine mobile Ersatzhaltestelle befindet sich an Bord. „Wir sind wie ein Schweizer Taschenmesser auf alles vorbereitet“, beschreibt Schmitz die Vielseitigkeit des Fahrzeugs. Am Neumarkt greift Björn Weiß zu Holzkeilen und Gummihammer. Mit gezielten Schlägen ist der Kantstein wieder befestigt und sollte bis zur dauerhaften Ausbesserung keine Probleme mehr verursachen.
Die Mitarbeitenden des Entstördienstes arbeiten in Dreier-Teams. Zu Beginn jeder Schicht melden sie sich bei der Leitstelle an und stehen für mögliche Einsätze bereit. Liegen keine akuten Störungen vor, übernehmen sie Kontrollfahrten und verschiedene Regelaufgaben entlang des KVB-Netzes wie etwa die Weichenpflege. Was den Job besonders macht, ist die Vielfalt der Herausforderungen.
„Jede Situation ist anders. Man muss sich immer wieder neuen Problemen und Herausforderungen stellen.
Genau das macht für mich den Reiz aus“, sagt Ralf Thiede, der seit vielen Jahren im Entstördienst tätig ist. „Man weiß morgens nicht, was im Laufe des Tages passieren wird.“ Selbst nach zahlreichen Dienstjahren erleben er und seine Kolleginnen und Kollegen immer wieder völlig neue Situationen. „Das sind dann die besonders spannenden Einsätze, weil wir zunächst überlegen müssen, wie wir die Störung bestmöglich beseitigen können. Irgendwie schaffen wir es dann immer“, sagt Thiede.
Dabei sind neben technischem Know-how oft auch Fingerspitzengefühl und Kreativität gefragt. Wenn sich beispielsweise ein PKW ins Gleisbett verirrt hat, achten die Mitarbeitenden darauf, das Fahrzeug möglichst schonend zu bergen. Mithilfe der Drucklufttechnik des T54 können Fahrzeuge häufig angehoben und bewegt werden, ohne größere Schäden zu verursachen.
Nicht jeder Einsatz lässt sich jedoch allein mit Technik bewältigen. Besonders belastend sind Einsätze nach Unfällen mit Personenschaden. In solchen Situationen sind die Mitarbeitenden häufig mit schwierigen Eindrücken konfrontiert. „Die KVB unterstützt uns zum Beispiel durch den psychologischen Dienst. Jeder für sich muss einen Weg finden, das Erlebte und Gesehene zu verarbeiten“, sagt Karin Korr.
Gemeinsam für einen zuverlässigen BetriebNeben dem Entstördienst im Bereich Bahnbau gibt es bei der KVB auch den mobilen Entstördienst der Werkstätten Stadtbahn und Bus.
Auch diese Teams leisten einen wichtigen Beitrag, damit Störungen schnell behoben werden können. Sie kümmern sich beispielsweise um Bremsprobleme, Türstörungen oder fahruntüchtige Fahrzeuge und sorgen so dafür, dass Bahnen und Busse möglichst schnell wieder einsatzbereit sind.
Ob technische Defekte, außergewöhnliche Bergungen oder Unterstützung bei Unfällen: Der Entstördienst leistet täglich einen entscheidenden Beitrag für einen stabilen und sicheren Betrieb. Oft im Hintergrund, meist unter Zeitdruck und immer mit großer Fachkompetenz sorgen die Kolleginnen und Kollegen dafür, dass Köln in Bewegung bleibt. Ihre Arbeit wird von Fahrgästen häufig kaum wahrgenommen, ist für die KVB aber unverzichtbar.
Fotos: Helge Neumann und Christian Seiter
Wer Interesse an weiteren Beiträgen hat, findet sie hier:
Voll neben der Spur: PKW im Gleis
In guten Händen – Psychologische Betreuung nach Unfällen
Alarm für die Fahrleitungsmonteure
Die Verkehrsmeister – das schnelle Eingreifteam der KVB
„Jeder Unfall tut uns richtig weh“
Nächtlicher Funkenregen unter Köln: Wie Spezialmaschinen die KVB-Schienen bearbeiten



