Vandalismus verursacht Kosten in Millionenhöhe

Mal sind es zerschlagene Scheiben, mal beschädigte Türen oder angebrannte Sitze an Haltestellen. Die Liste mutwilliger Beschädigungen ist lang, vor allem die Schäden durch Graffiti nehmen seit einigen Jahren deutlich zu. Stadtbahnen und Haltestellen müssen aufwendig gereinigt werden – mit hohem personellen und finanziellen Einsatz. Auch die Entfernung von Aufklebern kostet Zeit. Rund um das Thema Vandalismus hat die KVB eine Ausstellung konzipiert. Und auch die nächste Phase der Initiative „Seid lieb zueinander“ widmet sich dem Thema.

Denn die Kosten der Zerstörung tragen am Ende alle.

Außenreinigung einer Stadtbahn

Alles muss runter: Die aufgesprühte Farbe wird mit einem dickflüssigen Reinigungsmittel behandelt und später abgespült.

Nach zwei Minuten intensiven Wischens muss der Herr mit dem hoch erhobenen Schrubber erstmal pausieren. Er dreht sich zur Seite und holt tief Luft. Der chemische Geruch des geligen Reinigungsmittels umwabert eine Stadtbahn in der Abstellanlage in Merheim und erschwert das Atmen. An einer Seite der Bahn prangt Graffiti auf einer Fläche von rund sechs Quadratmetern. Buchstaben in schwarz und lila, Lack und Fenster sind beschmiert. „Die Arbeit ist nicht angenehm, aber das Zeug muss ja runter“, sagt der Mann und trägt den Graffiti-Entferner auf, der anschließend einige Minuten einwirken muss.

Durch Vandalismus wird jedes Jahr ein Millionenschaden an Bussen, Stadtbahnen und Haltestellen verursacht, Graffiti macht einen Großteil des Schadens aus.
„Die durch Vandalismus verursachten Schäden kosten öffentliche Gelder und Arbeitszeit – beides würden wir lieber in anderen Bereichen für unsere Fahrgäste investieren. Darüber hinaus mindern Beschädigungen an Haltestellen die Aufenthaltsqualität für unsere Kunden, auch die Fahrzeugverfügbarkeit leidet unter mutwilligen Beschädigungen“, sagt KVB-Vorstand Peter Densborn.

DFI nach Beschuss mit einem Luftgewehr

Auch Anzeigetafeln werden durch Vandalismus beschädigt.
Der Austausch der Schutzscheibe kostet bis zu 2000 Euro.

Deutliche Zunahme von Graffiti-Schmierereien

Die Liste der mutwilligen Beschädigungen ist lang. In Bahnen werden Türen derart traktiert, dass sie sich nicht mehr öffnen lassen. Scheiben werden zerkratzt oder gleich komplett demoliert. An Haltestellen werden Sitzbänke ruiniert, neulich wurde mit einem Luftgewehr auf den Digitalanzeiger einer Haltestelle geschossen. In Bussen und Bahnen verschwinden Nothämmer, mit denen im Ernstfall eine schnelle Flucht durch Seitenfenster ermöglicht werden soll. Haltestellen, Anzeiger und Fahrzeuge werden mit Stickern vollgeklebt. Und immer wieder Graffiti. Allein hierdurch entstand der KVB ein Schaden von rund 600.000 Euro – so viel wie noch nie.

Grafitti verunreinigt einen Treppenabgang

Großflächiger Schaden: Marco Lingscheid, einer von zwei Graffitibeauftragten der KVB, betrachtet den Abgang an der Haltestelle Hans-Böckler-Platz/Bahnhof West.

Marco Lingscheid ist einer von zwei Graffitibeauftragten der KVB, er steht am Treppenabgang zur Haltestelle „Hans-Böckler-Platz“ und schüttelt den Kopf. „Fun, Fun, Fun“ steht in großflächiger Graffitischrift an der Wand. Doch für Lingscheid hört der Spaß genau hier auf. „Unser Ziel ist es, das Graffiti schnellstmöglich entfernen zu lassen, damit in der Szene die Motivation für solche Taten sinkt“, erklärt er und dokumentiert die Schäden. Jedes Jahr werden etwa 50 bis 100 Haltestellen mit großflächigen Texten und Bildern besprüht, Tendenz steigend.

„Jede dieser Sachbeschädigungen wird zur Anzeige gebracht“, stellt Lingscheid klar. An der Haltestelle „Geldernstraße/Parkgürtel“ ist in diesen Junitagen eine grimmig dreinblickende Hexe mit spitzem Hut und spitzer Nase neuer Dauergast. Das märchenhafte Graffiti-Gemälde haben Unbekannte provokativ direkt neben einer Überwachungskamera an die Wand der Haltestelle gesprüht. „Die Aufnahmen werden gesichtet und der Polizei übermittelt. Hin und wieder werden auch Sprayer auf frischer Tat erwischt“, erzählt der Graffiti-Beauftragte. Was folgt, sind Regressforderungen.

MoTorres unterstützt nächste Phase der Initiative „Seid lieb zueinander“

Vandalismus kennt viele Varianten. Ein abgefackelter Mülleimer und ein zerstörtes Bus-Haltestellenschild sind nur zwei Exponate der Ausstellung „Die ‚Kunst‘ des Schadens – eine Rechnung, die ganz Köln bezahlt“, die für mehrere Wochen im Foyer der KVB-Hauptverwaltung in Braunsfeld zu sehen ist. Viele der dargebotenen Stücke haben nur noch Schrottwert, man möchte verärgert den Blick abwenden, doch die Ausstellung möchte das Hinschauen erreichen. Unterstützt wird die neue Phase von „Seid lieb zueinander“ von Musiker MoTorres, der in den sozialen Netzwerken auf die Folgen von Vandalismus hinweist.

Kaputter MülleimerIn diesem Mülleimer hat es gebrannt, das Metall
ist stark in Mitleidenschaft gezogen worden.
Zerstörtes HaltestellenschildEine zerstörte „Busfahne“ – so werden die
Haltestellenschilder im Busbetrieb genannt.

Wie es aussehen könnte, wenn Gleichgültigkeit der Motor gesellschaftlichen Handels wäre, wird auf den neuen Plakaten der Initiative „Seid lieb zueinander“ demonstriert. „Macht aus der Bahn kein Stickeralbum“ heißt es – zu sehen ist der mit Aufklebern tapezierte Fahrgastraum einer Stadtbahn. Und zum Bild einer Bahn, deren Inneres mit groteskem Krickelkrakel wild tätowiert ist, lautet der Appell: „Macht aus der Bahn keine Graffitiwall“. Die Initiative ist ein Appell für mehr Freundlichkeit, gegenseitige Achtung und ein respektvolles Miteinander – in Bus und Bahn und überall sonst im Leben.

Kampagnenmotiv GrafittiKampagnenmotiv Grafitti
Kampagnenmotiv StickerKampagnenmotiv Sticker

Immer wieder beschädigte Türen und Fenster

In der KVB-Hauptwerkstatt in Weidenpesch werden Stadtbahnen repariert und instandgesetzt, auch regelmäßige Hauptuntersuchungen finden hier statt. Doch oft wird die Arbeit unterbrochen, weil eine Stadtbahn mit zerstörter Scheibe in der Halle steht. „Solche Schäden versuchen wir in sehr kurzer Zeit zu reparieren, damit die Bahnen schnell und in einem guten Zustand wieder auf die Strecke geschickt werden können“, erklärt die Leitung Werkstätten Stadtbahn, vertreten durch Thomas Heinrichs. Der Tausch einer Scheibe kostet zwischen 3000 und 4000 Euro.

Zum Job des Graffitibeauftragten gehört auch die permanente Kontrolle der Haltestellen. Manche Schmierereien muss er auch direkt beseitigen. „Wenn irgendwo fremdenfeindliche oder extremistische Symbole auftauchen, müssen diese so schnell wie möglich entfernt werden. Darum kümmere ich mich und habe für alle Oberflächen das passende Reinigungsmittel dabei“, erklärt Marco Lingscheid. Er ist für das linksrheinische Stadtgebiet zuständig, ein Kollege behält die rechtsrheinischen Haltestellen im Auge.

Zurück auf dem Betriebshof Merheim. Das Anti-Graffiti-Gel ist inzwischen eingezogen und kann mit Hochdruck abgespült werden. Unter der Bahn liegt dickes Malerflies, um das Gemisch aus Wasser, Farbe und Reinigungsmittel aufzufangen, denn die Entsorgung darf nicht über das Abwasser erfolgen. Unterdessen schaben Mitarbeiter des Reinigungsteams in einer anderen Stadtbahn Aufkleber von den Wänden und entfernen kleine Edding-Schmierereien von den Sitzen. Alltag bei der Innenreinigung von Bussen und Bahnen.

Grafik zu den Zerstörungen und Kosten aus dem Jahr 2025

Grafik zu den Schäden an Fahrzeugen und Haltestellen
und den damit verbundenen Kosten.


Vandalismus-Schäden in Zahlen:

  • • → Rund 600.000 Euro hat die KVB im Jahr 2025 für die Beseitigung von Graffiti-Schäden an Stadtbahnen und Haltestellen ausgegeben. An Bussen gibt es kaum Graffiti-Schmierereien.
  • • → Jedes Jahr gibt es 60 bis 120 mutwillig herbeigeführte Schäden an Stadtbahnen, meist handelt es sich um beschädigte Fensterscheiben und Türen. Jede dieser Reparaturen kostet zwischen 3000 und 4000 Euro.

 

    Zerschlagene Glasscheibe an einer Bus-Haltestelle

    Nicht mehr ganz dicht: Eine zerstörte Bushaltestelle
    am Zypressenweg in Heimersdorf.

  • • → An den Haltestellen gibt es jedes Jahr zwischen 200 und 300 Schäden durch beschädigte Sitzbänke, Mülleimer oder Schilder.
  • • → Hinzu kommen an den Haltestellen 50 bis 100 großflächige Graffiti-Schäden pro Jahr.
  • • → In Bussen werden durch Vandalismus jährlich Schäden von rund 100.000 Euro verursacht. Meist handelt es sich um zerstörte Polsterungen (Kinnschutz) sowie gestohlenes Inventar wie zum Beispiel Nothämmer.

Mehr Infos zur „Seid lieb zueinander“ Initiative gibt es hier: www.kvb.koeln/liebsein

Fotos: Anke Erpenbeck, Jana Krause, Thorsten Moeck und Archiv KVB
Grafik: KVB
 
Wer Interesse an weiteren Beiträgen hat, findet sie hier:

Seid lieb zueinander
Sicher im Dienst
Ein Bakteriencocktail für mehr Sauberkeit
KVB, Polizei und Ordnungsamt gemeinsam auf Streife

8 Kommentare

  • Alex

    Hallo wo finde ich den Ersatzbus zum Neumarkt für die Linie 7 an Gleis 3 und 4? An der Haltestelle Deutzer Freiheit habe ich den nicht gefunden und bin dann über die Deutzer Brücke gelaufen und Am Heumarkt fährt der Bus dann auf einmal.

  • RailwaySpotter

    Wieso gibt es keine Verstärkerzüge auf der Linie S12 zwischen Porz (Rhein) und Köln Ehrenfeld um den Wegfall der Stadtbahn Linie 7 ab dem 20.07 auszugleichen? So ist man in Porz ab dem 20.07 nur noch von der S-Bahn und dem Regionalverkehr abhängig. Die S12 sowie der RE9 und RE8 werden dann überfüllt sein.

    Man könnte das ja mit der DB absprechen und dann ein Unternehmen wie TRI (Train Rental International) für entsprechende Ersatzzüge auf der S-Bahn Strecke beauftragen.

    Nochmal zur Info, ab dem 20.07 wird ja die 7 KOMPLETT gestrichen und als Ersatz soll es nur ein paar Busse geben. Die Busse werden aber eine erheblich längere Fahrtzeit haben als die Stadtbahn und dann sicher auch im Stau stehen, da es ja von Porz bis zum Neumarkt keine eigene Busspur gibt.

    Man wird aus Porz nicht mehr weg oder hinkommen, wenn die DB mal Probleme macht. Außerdem fahren S-Bahn und Regionalverkehr nachts ja zum Teil nicht und da wäre man ja komplett abgeschnitten. Auch in Bensberg siehts dann ab dem 20.07 ähnlich schlecht aus. Faktisch gesehen werden dann 2 Stadtteile komplett vom Stadtbahnnetz abgeschnitten.

  • Elke

    Hallo,
    ich finde Vandalismus auch sehr schlimm und es müsste viel härter bestraft werden. Nicht mit Geld, das tut vor dem Moment weh, aber erziehen kann man keinen damit. Besser wäre es, abarbeiten.
    Dazu ein anderes Thema: Leider muss ich auch sagen, dass ich in keiner Stadt, so schmutzige Bahnhöfe gesehen habe, wie in Köln. Damit ist nicht das herumliegen von Müll gemeint, nein, das Gesamtbild, Wände, Sitzgelegenheiten. Warum klappt das in Köln nicht.

  • Hannah

    Also ich freue mich immer wenn ich eine bunt besprühte Bahn sehe, am coolsten sind die whole trains, bei denen der gesamte Zug besprüht wurde. Auch die tristen Bahnstationen werden durch die Kunstwerke wirklich belebt.
    Echt schade, dass ihr soviel Geld ausgibt um sie loszuwerden.
    Was helfen könnte ist die Züge und Bahnstationen von vorneherein von Künster*innen gestalten zu lassen, sowas wird eher in der Szene akzeptiert und nur selten übersprüht. Nutzt eure Flächen also aktiv und macht eine hall of fame daraus, davon profitieren dann am Ende alle.

  • Claudi

    Guter Artikel!
    Hier wird verdeutlicht, warum nicht mehr Bahnen eingesetzt werden können.
    Immer nur motzen auf die KVB ist aber einfacher. Das geht mir so auf die Nerven.

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