Short Story: Die Kurzen der KVB

Die KVB verbindet – meist denken wir dabei an die langen Linien, mit denen der Westen mit dem Osten Kölns verbunden wird und mit denen der Süden Anschluss an den Norden erhält. Doch es gibt auch ein paar „Kurze“, auf denen Busse zur Mobilität beitragen. Mit Fahrzeiten meist unter zehn Minuten und nur einer Hand voll Haltestellen erfüllen auch sie ihren Zweck für Wege zum Arbeitsplatz, zur Ausbildung und in der Freizeit. Wer kennt sie, die Linien 138, 158, 192 oder 196? Eine Short Story.

 

Mit der 138 zum Terminal

Man begrüßt sich per Handschlag und wünscht sich „einen guten Tag“. Der Fahrer war im Urlaub und die Fahrgäste haben ihn wohl vermisst. Nun müssen sie alle wieder arbeiten. Im Süden Kölns, beiderseits der Stadtgrenze, befindet sich eines der größten Güterverkehrs-zentren (GVZ) Deutschlands. Im Containerterminal Eifeltor, bei der DHL Deutsche Post, in Speditionen und Spezialbetrieben für das Transportgewerbe befinden sich über 1.000 Arbeitsplätze. Und gearbeitet wird an sieben Tagen der Woche über 24 Stunden. In der Stadt hätten die Betriebe keinen Platz, doch die Beschäftigten kommen aus der Stadt und dem Umland Kölns.

Für gut 4.500 Meter der Linie 138 (von Haltestelle “Zollstock Südfriedhof“ bis Haltestelle “Güterverkehrszentrum Süd“) benötigen die Busse ganze zwölf Minuten. Dabei werden fünf Haltestellen bedient. Hiermit ist die 138 noch die längste der Kurzen. Neben ihrer Funktion zur Anbindung des GVZ erreichen die Fahrgäste mit ihr auch eine Kleingartenanlage und den Westeingang des Südfriedhofes – für alte Menschen ist das nicht unwichtig. Gefahren wird montags bis samstags von früh morgens bis in den Abend hinein. Unterbrechungen gibt es morgens.

Morgens früh warten in Zollstock bereits die ersten Berufstätigen auf ihren Bus, der sie dann zu den zahlreichen Logistikunternehmen im GVZ bringt.

 

Die 158 bringt zum Klinikum

Auch wenn mit der Stadtbahn-Linie 1, eine Hauptachse des Kölner Nahverkehrs, zahlreiche Ziele erreicht werden, liegen das städtische Klinikum Merheim und eine Klinik des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) doch „knapp daneben“. Rund 1.150 Betten befinden sich zusammen in beiden Häusern. Sowohl die Patienten als auch deren Besucher und viele Klinikmitarbeiter sind auf eine Anbindung mit dem Nahverkehr angewiesen. Diese finden sie in den zwölf Meter langen „Solobussen“ – also solche ohne Gelenk – auf der Linie 158. Der Fußweg von der Stadtbahn wäre für die meisten zu weit.

Die Linie 158 dient also nicht nur den Wegen zum und vom Arbeitsplatz, wie es bei der 138 vor allem der Fall ist, sondern auch den Patienten und deren Besuchern. Sie erfüllt damit vor allem auch eine soziale Funktion. „Mitnahmeeffekte“ gibt es dabei zwischen den Haltestellen „Merheim“ und „Ostmerheimer Straße“ unter anderem für Schüler. Mit etwa 1.300 Metern Länge, nur vier Haltestellen und sechs Minuten Fahrzeit ist die Linie 158 (von Haltestelle “Merheim“ bis Haltestelle “LVR-Klinik“) dann in der Gesamtbetrachtung wohl die kürzeste Linie der KVB, allein die Fahrzeit auf der 192 ist um eine Minute kürzer. Gefahren wird montags bis sonntags.

Ein Fußweg von etwa 15 Minuten oder ein Bus bis vor die Tür zweier Kliniken. Besucher, Patienten und Beschäftigte können in Merheim einen attraktiven Anschluss ab bzw. zur Stadtbahn nutzen.

 

Kurze 192 mit kurzem Bus

Auf der Linie 192 ist „kurz“ sehr wörtlich zu nehmen. Hier ist schon der eingesetzte Bus kurz, viel kürzer als die kleinen Solobusse der KVB. Es bestand der Wunsch, eine direkte Verbindung zwischen Meschenich und dem Eisenbahn-Bahnhof in Kalscheuren zu schaffen, wo verschiedene Regionalbahn-Linien erreicht werden. Der Weg in die Kölner Innenstadt hinein und hier dann zum Hauptbahnhof oder zu den Bahnhöfen Köln Süd bzw. Köln West ist einigen Fahrgästen einfach zu lang. Zunächst als Versuch realisierte die KVB deshalb eine kurze Querverbindung.

Dabei ist die 192 nicht einmal die kürzeste Linie der KVB. Mit ca. 2.450 Metern belegt sie in der „Kurzliste“ Platz 2. Die fünf Haltestellen sind dabei auch noch eine mehr als etwa auf den Linien 158 und 196. Aber mit den fünf Minuten Fahrzeit auf dieser Linie ist dann ein Spitzen-platz erreicht: Die Linie 192 (von Haltestelle “Meschenich Kirche“ bis Haltestelle “Hürth-Kalscheuren Bahnhof“) ist diejenige mit der kürzesten Fahrzeit im KVB-Netz. Und auf ihr überwindet der Bus sogar eine Gemeindegrenze. Eigen ist ihr auch, dass sie die einzige KVB-Linie ist, auf der die Tickets vorne beim Fahrer gekauft werden können. Gefahren wird montags bis freitags am frühen Morgen und ab nachmittags bis in den Abend hinein.

Ein Unikum im KVB-Netz ist der Kleinbus auf der Linie 192, der auch am Wegesrand der Landstraße hält.

 

TÜV-geprüfte 196

Als der TÜV Rheinland seinen Kölner Hauptsitz in die Höhe baute, waren vermutlich alle geeigneten Flächen in unmittelbarer Nähe zur Stadt- oder S-Bahn bereits bebaut und ein solcher Turm wie im Bereich der Straßen Am Grauen Stein und Konstantin-Wille-Straße zwischen Deutz und Gremberg lässt sich auch nicht in ein bestehendes Wohngebiet integrieren. Zudem hat sich der TÜV spürbar in die Fläche ausgedehnt. Eigentlich ist diese bundesweit bedeutende Einrichtung, großer Arbeitgeber mit zahlreichen Geschäftsbesuchern, am Deutzer Cityrand und direkt an der L124 gut platziert. Doch der Weg bis zu den Knotenpunkten der KVB und des Eisenbahnverkehrs ist zu weit. Um einen Teil des Autoverkehrs und der benötigten Parkplätze zu vermeiden, ist diese Buslinie sinnvoll.

Auf den etwa 3.500 Metern von der Haltestelle „Bahnhof Deutz/LANXESS arena“ werden vier Haltestellen angefahren. Der Rundkurs gibt in der Gegenrichtung ab Haltestelle „Am Grauen Stein“ nur drei Haltestellen her. Während der siebenminütigen Fahrtzeit glaubt man, die Busse wollten auf „die große Strecke gehen“, weil sie einen Teil der Östlichen Zubringerstraße (L124), eine autobahnähnliche Schnellstraße, nutzen. Doch bis auf die BAB 4 fahren sie nicht, sondern bleiben im Nahbereich. Gefahren wird montags bis freitags am frühen Morgen und am Nachmittag. Freitags bringen die Busse die Beschäftigten bereits mittags zurück zum Bahnhof.

Vorbei am Stadthaus Deutz, entlang einer Schnellstraße ins Gewerbegebiet: Diese Strecke eignet sich nicht für Fuß und Fahrrad. Der Bus bindet Arbeitsplätze an die Deutzer City an.

 

Unterm Strich

Natürlich müssen auch die sehr kurzen Linien die Anforderungen an eine geeignete Bedarfs-erfüllung und ausreichende Wirtschaftlichkeit erfüllen. Naheliegender Weise gehören sie nicht zu den „Hauptlastträgern“, aber sie verbinden manchmal auch verschiedene „Langläufer“ miteinander, und sie finden ihre Nachfrage. Diese Short Story über Randbereiche des KVB-Netzes konnte keine Linienporträts versprechen. Vielleicht aber kann sie geeignete Wege zeigen, wo Unkenntnis noch auf Umwege führte.

 

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10 Kommentare

  • Bibi Blocksberg

    Ich vermisse die Linie 193 …

    • Hallo Bibi Blocksberg,
      die Linie 193 ist zwar kurz, aber mit zwölf Haltestellen und 23 Minuten Fahrzeit noch wesentlich länger als die vier ganz kurzen Linien. Deshalb wurde sie nicht mit in die Short Story aufgenommen.
      Viele Grüße, Carola Sodermanns

  • Seebär777

    Ich vermisse die Linie 159. Denn die ist ja zweigeteilt. Ein Teil fährt von Herler Str. nach Poll, der scheidet hier aus, logisch, jedoch würde der 2. Teil mit eigenen Bussen, die nur zwischen Herler Str. und der AXA an der Coloniaallee bzw. Haltestelle Kochwiesenstr. mit nur einer einzigen Zwischenhaltestelle hier definitiv dazugehören.
    Oder fällt das aus, weil zufällig gleiche Nummer mit der großen Schwester? Wieso eigentlich hat diese Linie keine eigene Nummer?
    Freu mich auch auf Antwort an angegebene Mail-Addy.
    Alaaf

    • Hallo,
      die Linie 159 ist nicht zweigeteilt. Die Busse haben nach Fahrplan jedoch an der Haltestelle „Buchheim Herler Straße“ einen längeren Aufenthalt, um dort Anschlüsse bzw. Umsteigemöglichkeiten zu sichern. Es mag sein, dass zudem Verstärkerfahrten auf einem kurzen Teilstück der Linie gefahren werden, um eine große Fahrgastnachfrage zu befriedigen. Diese Busse können dann auf einem kurzen Rundweg ggf. als eine eigene Linie erscheinen. Diese Besonderheit wäre also ein interessanter Aspekt in einem Porträt der Linie 159.
      Beste Grüße, Stephan Anemüller

      • Seebär777

        Das sehe ich anders, jedesmal, wenn ich an der Herler Str. bin, sehe ich Busse, die nur zwischen Kochwiesenstraße und Herler Str. pendeln und welche, die nur zwischen Herler Str. und Poll hin und zurück fahren.
        An Zeiten, wo die AXA bedient wird, stehen häufig 2 Busse an der Herler Str. Einer mit Ziel Poll und einer mit Ziel Kochwiesenstraße. Wäre das eine Verlängerung, müsste die Herler Str. nur Zwischenstation sein in diesem Fall, doch das trifft leider nicht zu.

        • Rüdiger Krause

          Sie haben Recht. Die Linie ist zweigeteilt. Ich habe auch nie verstanden, warum der kurze Abschnitt keine eigene Liniennummer spendiert bekam. Waren damals vielleicht keine freien Liniennummern mehr verfügbar?

          Traurig ist jedoch, dass offensichtlich in der Verwaltung der KVB unbekannt ist, dass die Linie zweigeteilt ist und der Abschnitt Poll – Buchheim, Herler Straße durch eigene Gelenkbusse und der Abschnitt Buchheim, Herler Straße – Kochwiesenstraße durch Solobusse des eigenen Subunternehmers Schilling bedient wird. Der Umstieg wird in der Fahrplanauskunft der KVB auch korrekt angezeigt – und zwar ganztägig.

  • MK

    Der 192 hat das Problem, daß mit ihm eine Fahrt von Köln nach Köln je nach Ticket deutlich teurer ist als mit dem 132er.

    Dennoch erstaunt mich daß da so ein kleiner Bus reicht. Die Fahrt über Hürth dauert nur etwa halb so lange wie über die Bonner Str – und es gibt ja auch viele Tickets (Semerster-, Schul-, Job-, Schwerbehindertenticket etc.) wo das nichts extra kostet. Wie ist denn die Auslastung, ist das Büschen wenigstens voll?

    • Hallo MK,
      es ist richtig, dass die kurze Linie 192 über eine Gemeindegrenze führt und somit der Tarif 1b nicht mehr gelten würde, sondern der Tarif 2b. In diesem Fall gibt es jedoch eine Vereinbarung mit dem Verkehrsverbund VRS, dass der Tarif 1b gilt.
      Mit besten Grüßen
      Stephan Anemüller

      • MK

        Sehr schön. Ist diese Regelung irgendwo veröffentlicht, wissen die Zugschaffner davon? Die VRS Fahrplanauskunft gibt immer noch 2b für z.B. Kölnberg->Bahnhof Süd über Kalscheuren (11 Minuten) und 1b über Chlodwigplatz (50 Minuten) an.
        Wenn das Tarifproblem nicht besteht wundert mich noch noch mehr, daß da so ein Winzigbus reichen soll.

        • Hallo MK,
          die Fahrer und Kontrolleure wissen Bescheid und verkaufen im Bus auch Tickets in der Preisstufe 1b. Da es sich meist um Stammkunden auf dem Weg zur Arbeit oder Schule handelt, haben viele ihre Chipkarte mit Ticket in der Tasche. Wer in Hürth dann in eine andere Linie umsteigt, braucht aber in jedem Fall den Tarif 2b. Die Preisstufe 1b gilt nur für diejenigen, die mit der Linie 192 über die Gemeindegrenze fahren.
          Am Preis liegt die noch geringe Frequentierung nicht.
          Mit besten Grüßen
          Stephan Anemüller

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