Von Süd nach Nord mit der „Uni-Linie“ 142

Auf zahlreichen Buslinien ist die KVB in Köln unterwegs. Eine von ihnen ist die Linie 142, die in der Bevölkerung auch „Universitätslinie“ genannt wird. Hier dürfen aber nicht nur Fahrgäste mit SemesterTicket einsteigen. Vielmehr lädt diese Linie alle zu interessanten Entdeckungen ein, denn sie verbindet die Südstadt mit dem Stadtteil Nippes im Norden. Auf ihrem Weg kommen die Busse auf der 142 auch in Zollstock, Sülz und Klettenberg, Ehrenfeld sowie Bilderstöckchen vorbei. Damit ist diese Linie sehr abwechslungsreich. Sommerzeit, Ausflugszeit – begeben wir uns auf die Reise mit der 142.

Bild_Taktung

Linienweg durch fünf Stadtbezirke

Auf dem Ubierring in der Südstadt starten die Busse der Linie 142 ihre Fahrt, die sie durch fünf Stadtbezirke führt, auch wenn dabei der Bezirk Rodenkirchen in Zollstock nur gestreift wird. Ob die Mehrzahl der Passanten am Chlodwigplatz viel mit der Angabe „Merheimer Platz“ auf dem Fahrzielanzeiger der Busse anfangen können, mag bezweifelt werden. In Nippes waren zwar viele schon, an der Agneskirche und auf der Neusser Straße, nicht aber unbedingt im Nippesser “Hinterland“.

Hier am Ubierring stehen verschiedene Einrichtungen der Technischen Hochschule Köln im Mittelpunkt des Interesses – und nach den Vorlesungen, insbesondere auch an den Abenden, die zahlreichen Angebote der Gastronomie. Gerne sitzen Studenten und Anwohner noch mit einem warmen oder kalten Getränk in der Sonne am „grünen Punkt der Südstadt“ und lassen die Busse an sich vorbeigleiten.

Bild_Gruener_Punkt

Doch irgendwann steigt jeder Fahrgast der Linie ein und kann dabei eine interessante Reise durch Köln erleben. Zunächst führt die Fahrt nach Umrundung des Kreisverkehrs am Chlodwigplatz streng nach Süden über die Bonner Straße. Auf dem Bonner Wall queren die Busse auf dem Linienweg der 142 dann ein Mischgebiet. Eine Einrichtung der RheinEnergie hinter historischer Gründerzeit-Fassade liegt genauso am Wegrand wie der Boxstall von Felix Sturm und die Zentrale des Kölner Taxirufs.

Am Volksgarten und Vorgebirgstor vorbei erreichen die Busse dann die Zollstocker Siedlungskante und binden das Südstadion an das Busliniennetz an. Hier spielt die Fortuna, die für manche in der Südstadt der bedeutendere Fußballclub im Vergleich zum 1. FC ist. In Zollstock bleiben die Busse am Rand des Stadtteils. Über die Pohligstrasse und Weißhausstraße gelangen Sie schnell nach Sülz und Klettenberg.

Etwas verschlungen wird der Linienweg dann, vorbei am Gelände am Eifelwall, auf dem das neue Stadtarchiv entstehen soll, am Justizzentrum und durch das Studentenviertel um die Zülpicher Straße. Am Südbahnhof erreicht die 142 den nächsten wichtigen Knotenpunkt, und hier zeigt die Vielzahl der eng nebeneinander abgestellten Fahrräder, dass der Bus nicht das einzige Verkehrsmittel ist. Doch bei schlechtem Wetter, zum Beispiel an den Regentagen in diesem Hochsommer, steigen viele um – von der Regionalbahn genauso wie vom Drahtesel, auf dem es dann zu nass ist.

Schnell wird die Fahrt geradliniger. Verschiedene Einrichtungen der Universität werden nun erreicht, bevor sich die Busse über die Universitätsstraße nach Norden bewegen. Kurz vor Querung der Kölner Ost-West-Achse an der Aachener Straße werden über die Haltestelle „Universitätsstraße“ das Ostasiatische Museum und das Gelände um den Aachener Weiher angebunden.

Danach bewegt sich der Linienweg durch das Mischgebiet um die Innere Kanalstraße und nördlich des Friedhofs Melaten. Hier warten dann schnell die engen Straßen Ehrenfelds, bevor anschließend der Ehrenfeldgürtel befahren wird.

Bild_Regenfahrt

Ab dem Bahnhof Ehrenfeld richtet sich die Linie konsequent in nordöstlicher Richtung aus und erreicht über die Liebigstraße den Stadtteil Nippes. Hier kreuzt ihr Weg am S-Bahnhof Nippes erneut die Gleise der Deutschen Bahn, führt weiter nach Osten, um dann über die Merheimer Straße einen kurzen Abschnitt direkt in südlicher Richtung zu verlaufen. Am Merheimer Platz endet sie.

Die Linie 142 reiht auf ihrem zwölf Kilometer langen Linienweg 29 Haltestellen aneinander. Zwischen den beiden Endhaltestellen „Ubierring“ und “Merheimer Platz“ benötigen die Busse 47 Minuten. Zu den Haltestellen gehören die bekannten Verkehrsknotenpunkte Chlodwigplatz, Südbahnhof, Venloer Straße/Gürtel, Bahnhof Ehrenfeld und Nippes S-Bahn. Nennenswerte Freizeiträume wie etwa der Volksgarten, der Aachener Weiher und der Lohsepark werden angefahren. Aber auch mehrere Subzentren wie das um Bonner Straße, Ubierring und Severinstraße (Haltestelle „Chlodwigplatz“), die Luxemburger Straße sowie die Meile um Venloer Straße und Gürtel können mit der 142 erreicht werden. Insbesondere aber durch die Lage der beiden bekanntesten Kölner Hochschulen am Linienweg – Universität zu Köln und Technische Hochschule Köln – hat die Linie 142 ihr Image als „die Uni-Linie“ bekommen.

Haltestellen weisen in die Geschichte

Die Haltestelle “Zugweg“ erinnert an einen alten Feldweg, der auf den Bahndamm der 1844 errichteten Eisenbahntrasse Köln – Bonn zuführte. Heute wird der Name leider einseitig mit dem Zugweg des Rosenmontagszuges in Verbindung gebracht, dessen Gruppen auf dem Zugweg einen Teil der Aufstellfläche haben. Dabei findet sich die Nähe der Eisenbahnanlagen zur Linie 142 an mehreren Stellen.

Bild_Zugweg

Die Haltestelle “Weißhausstraße“ weist auf das Weißhaus hin, das sich an der Luxemburger Straße befindet. Bereits im Mittelalter ließen sich hier Mönche des Benediktinerordens nieder und betrieben unter anderem Landwirtschaft. Lange Zeit fand sich das Weißhaus vor den Toren und Mauern der Stadt, was so ungeschützt eine ständige Gefahr der Plünderei bedeutete. Heute ist dieses schöne Gebäude in seiner landschaftlichen Einbettung zum Glück noch zu bewundern, auch wenn hohe Tore das Betreten des Grundstückes verhindern. Wie schön ein einzelnes Gebäude in einer Parkanlage wirken kann, ist aber auch von der Luxemburger Straße aus zu bewundern.

In Neuehrenfeld findet sich die Haltestelle “Schirmerstraße“. Diese und die dazugehörige Straße erinnern an Johann Wilhelm Schirmer (geb. 1807, gest. 1863), einen Kunstmaler mit einem Stil zwischen Romantik und Realismus. Unter anderem war er Lehrer des bekannten Arnold Böcklin. (geb. 1827, gest. 1901).

Sehenswürdigkeiten laden zum Verweilen ein

Wer auf seiner Fahrt den Bus zwischenzeitlich verlassen möchte, kann das sehr gut am Volksgarten tun. Hier wartet die rund 14 Hektar große Grünanlage mit Spazierwegen, einem Weiher, Tretbootverleih und Kinderspielplatz. Ein Restaurant mit großem Außenbereich lädt zum Verweilen ein. Einst befand sich hier der Vorgänger des Botanischen Gartens mit exotischen Pflanzen. In der Orangerie und weiteren Gebäuden wohnte unter anderem der Direktor der Anlage. Heute lässt sich die Orangerie für Familienfeiern und Ausstellungen mieten.

Am Bahnhof in Ehrenfeld finden sich verschiedene Kunstwerke an den Mauern des Gebäudes und an den Bahnbögen. Auch hier ist ein Zwischenstopp immer interessant, zumal der nächste Bus in 20 Minuten kommt. Verschiedene Künstler haben dem Ensemble Farbe und ein neues Gesicht gegeben. Lange Zeit diskutierten die Menschen im Stadtteil das suboptimale Erscheinungsbild. Inzwischen lockt es mit interessanten und sehr unterschiedlichen Eindrücken.

Bild_Ehrenfeld_Kunst_1

 

Es ließe sich noch vieles berichten über die Stadträume, die die Busse der Linie 142 durchstreifen. Dabei hat jeder seine eigene Sicht. Doch am schönsten ist immer das selbst Erlebte – deshalb hinein in einen dieser Busse, die von montags bis samstags unterwegs sind.

 

Fotos
Stephan Anemüller
Kölner Verkehrs-Betriebe AG

 

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