13 Tipps, die jede Bahnfahrt angenehmer machen

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Ich fahre fast jeden Tag mit der Bahn, meistens zur Arbeit, aber auch zum Einkaufen oder in der Freizeit. Oft bin ich froh, dass ich die Öffentlichen nutzen kann. Dann hänge ich während der Fahrt meinen Gedanken nach, lese ein bisschen oder streichle meinen Hund. Ich muss mich nicht auf den Verkehr konzentrieren wie beim Auto- oder Radfahren, das macht ein anderer für mich. Das finde ich angenehm, besonders nach der Arbeit.

Aber manchmal ist Bahnfahren echt nervig. Ja, das liegt auch daran, dass Bahnen ausfallen oder verspätet sind. Oder bei einer größeren Störung mal wieder gar nichts geht und man laufen oder sich ein Taxi nehmen muss. Ich kann alle Fahrgäste verstehen, die sich darüber ärgern. Die Betriebsqualität muss die KVB verbessern. Das steht außer Frage. Dass Bahnfahren nervig sein kann, liegt manchmal aber auch an anderen Fahrgästen. Damit meine ich nicht Obdachlose, die eine Zeitung verkaufen wollen, oder seltsame Menschen, die laut mit sich selbst reden. Die sind harmlos und nach kurzer Zeit eh weiter gezogen.

Tipps_zum_Bahnfahren Durchruecken

Durchrücken ist besser als im Türbereich stehen zu bleiben.

Damit meine ich all die Im-Türbereich-Stehenbleiber, Riesenrucksackträger, Nur-an-der-ersten-oder-letzten-Tür-Einsteiger, Feierabendbierchen-Trinker und Behindertenplatz-Nicht-Freimacher-dafür-ins-Handy-Starrer, die beim Bahnfahren in ihre ganz eigene Welt abtauchen und absolut gar nichts von der Außenwelt mitkriegen. Ohne sie könnte Bahnfahren so schön sein. Sie kriegen nämlich in der Regel auch nicht mit, dass sie anderen Fahrgästen mit ihrer Unachtsamkeit auf die Nerven gehen. Oder dass sie teilweise selbst für Verzögerungen sorgen, wenn sie zum Beispiel einfach weiter stur im Türbereich stehen bleiben, anstatt mal eben kurz mit auszusteigen und die 20 anderen Fahrgäste rauszulassen. Oder sich an der ersten Türe in die Schlange stellen anstatt den ganzen Bahnsteig zum Einstieg zu benutzen. Immer wenn mir dieser spezielle Typ Fahrgast begegnet, frage ich mich: Ist gegenseitige Rücksichtnahme nicht mehr zeitgemäß? War das überhaupt mal anders? Ist sie von der Mehrheit überhaupt noch gewollt? Fahren hauptsächlich nur noch Vertreter der Ich-Generation mit den Öffis? Sind all die Kampagnen und Videos zum Thema „Gegenseitige Rücksichtnahme“ vergebene Liebesmüh? Oder ist das nur meine persönliche Wahrnehmung?

Tipps_zum_Bahnfahren Aussteigen

Erst aussteigen lassen, dann einsteigen.

Ich ärgere mich über solche Fahrgäste, gerade in den Wintermonaten, wenn Busse und Bahnen immer voll sind. Zum Beispiel weil ich oft mit meinem Hund unterwegs bin und mir immer große Mühe gebe, mich irgendwo hin zu stellen oder zu setzen, wo wir niemandem im Weg sind. Geht nicht immer – je nachdem wie voll die Bahn ist. Aber ich versuche es. Wenn es gar nicht ging, habe ich auch schon mal eine Bahn fahren lassen. Daher finde ich es schade, wenn andere so unachtsam unterwegs sind, als ob sie allein in Bus oder Bahn wären und anderen Fahrgästen zum Beispiel achtlos ihren Rucksack ins Gesicht hauen oder es gar nicht wahrnehmen, wenn jemand einen Sitzplatz benötigt. Denn: Wir alle nutzen Bus und Bahn und wir alle wollen uns wohl fühlen. Deshalb wünsche ich mir einen achtsameren Umgang miteinander.

Tipps_zum-Bahnfahren_auf_dem_Bahnsteig_verteilen

Auf dem Bahnsteig verteilen und alle Türen zum Einstieg nutzen.

Dass das möglich ist, zeigen die vielen Positivbeispiele im Alltag, die es auch gibt, wenn man die Augen aufhält. Wenn man mit dem Kinderwagen unterwegs ist, findet sich doch fast immer ein hilfsbereiter junger Mensch, der mit anpackt. Oder einige Mitfahrer machen für ältere Herrschaften ungefragt ihren Sitzplatz frei. Und eigentlich gibt es auch viele Fahrgäste, die von sich aus durchrücken und nicht im Türbereich stehen bleiben, damit auch andere Fahrgäste noch einsteigen können. Aber mehr davon wären einfach noch viel besser! Deshalb hier für alle Bahnfahrer:

 

13 Tipps, die jede Bahnfahrt angenehmer machen

  1. Ein Doppelzug hat acht Türen, die genutzt werden können, nicht nur die vordere oder die hintere, sondern acht. Sie verteilen sich über den gesamten Bahnsteig. Alle zu nutzen ermöglicht einen schnelleren Fahrgastwechsel.
  2. Erst aussteigen lassen, dann einsteigen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit…
  3. Wer einen Rucksack oder eine große Tasche trägt, darf beides in einer vollen Bahn gerne abnehmen und zwischen die eigenen Füße stellen. Dann kriegen die anderen Fahrgäste den Rucksack auch nicht ins Gesicht gedrückt. Danke!
  4. Der hintere Wagenteil ist meistens leerer.
  5. Wenn die ersten Fahrgäste, die einsteigen, durchrücken, passen meistens auch noch die auf dem Bahnsteig wartenden in die Bahn.
  6. Wer in vollen Bahnen beim Fahrgastwechsel im Türbereich steht, muss entweder den Bauch einziehen oder steigt einfach mit aus und lässt die Masse raus. Danach kann man problemlos wieder einsteigen. Das geht wesentlich schneller und komfortabler, als wenn sich 20 Fahrgäste an einem Türblockierer vorbei drängeln müssen.
  7. Behindertenplätze sind, wer hätte das gedacht, Behinderten, Schwangeren oder älteren Personen vorbehalten. Dass man in sein Smartphone vertieft ist, ist keine Ausrede, NICHT aufzustehen.
  8. Im Mehrzweckbereich gilt: Rollstuhl vor Kinderwagen vor Fahrrad. Und nicht andersrum.
  9. Das Feierabendbier darf gerne draußen bleiben. Döner und Pommes übrigens auch. Kneipen, Bars und Restaurants sind eigentlich auch ein viel gemütlicherer Ort für einen Drink als die Busse und Bahnen der KVB…
  10. Wer mit Kinderwagen unterwegs ist – zum Beispiel auf der Linie 13, freut sich über starke junge Menschen, die mit anpacken können.
  11. Eure Lieblingsmusik hat über gute Kopfhörer einen viel besseren Sound als über schlechte Handylautsprecher. Dieser Tipp darf besonders unter Jugendlichen geteilt werden.
  12. Wer verspäteten, heraneilenden Fahrgästen noch die Tür aufhält, denkt nur, er tut was Gutes. Dadurch verzögert sich in vielen Fällen die Abfahrt. Die Fahrer verpassen ihr Signal und ALLE Fahrgäste müssen 1-2 Minuten länger warten als nötig.
  13. Hände, Füße und Regenschirme haben in einer sich schließenden Türe nichts verloren. Es kommt immer noch eine Bahn. Wie sagte meine Mutter schon: Bahnen und Männern läuft man nicht hinterher.

Übrigens: Die meisten Tipps lassen sich auch für Busfahrten beherzigen. Gute Fahrt!

Für Sitzplatzbedürftige aufstehen. (Bild links)
Hände und Füße nicht in sich schließende Türen stecken! (Bild rechts)

Bilder: Filmklub Entertainment, Christoph Seelbach, Regina Weiß

Mehr Videos zum Thema gibt’s übrigens unter www.youtube.com/kvbag

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23 Kommentare

  • Susanne Estrack

    Das ist genau das Richtige. Ich empfinde genauso. Sie sprechen mir aus der Seele. Ich Weiss, wie das ist. Ich fahre auch jeden Tag mit den Öffentlichen und ich bin auch noch sehbehinderte.

  • ein zugezogener ABO-Card-Inhaber

    Also was den Punkt 1 angeht…
    Da sehe ich die Hauptschuld bei der Konstruktion der Züge.
    Was bitte soll dieses „Mausefalle-Abteil“ vor und hinter der ersten/letzten Tür!?!?
    Im Berufsverkehr drängeln und schlängeln sich da die Fahrgäste um sich rum ….
    Alle bleiben auch sitzen bis der Zug tatsächlich hält …. Und dann geht doch erst das Gedränge los und der Zeitverlust.

    Habt ihr euch (KVB) mal in der weiten Welt die Fahrzeuge angesehen…
    Ach … soweit muß man gar nicht …In Berlin zum Beispiel … da sind die Türen gleich hinter den Fahrerkabinen …
    Da können die Fahrgast-Stöme ohne großen Stau raus und rein…..

    DAS sollte mal bedacht werden!!!!!

    Ansonsten meine volle Zustimmung zu den anderen Punkten!

    • Rüdiger Krause

      Türen am Anfang und Ende eines Zuges gab es auch früher schon bei den Achtachsern und der ersten Serie der Stadtbahnwagen B. Bei letzterer war es so schlimm mit dem Gedränge an der ersten Tür, dass man diese später nicht mehr öffnete, sondern mit einem Aufkleber „Kein Einstieg“ versah.

      Alle nachfolgenden Fahrzeuge bekamen nur noch jeweils vier statt sechs Türen je Seite.

      Das Problem sind aber nicht nur die Kunden, sondern auch das Problem, dass 58 m kurze Doppeltraktionen für eine Millionenstadt wie Köln einfach zu klein sind. Aber man baut weiter munter Bahnsteige mit 50 m Nutzlänge. Somit wird der Status quo zementiert.

    • Heinz Wilhelm Schäfer

      Wenn die Züge so schlecht konstruiert wurden, warum werden gerade diese Baureihen in der gesammten EU nachgefragt? Allerdings sollten Fahrräder, Rollies, Rollstühle und Kinderwagen nur die mittleren Türen nutzen damit vorne und hinten keine „Todräume“ entstehen.

    • Heike Vogt

      Da muss man nicht erst nach Berlin fahren, Düsseldorf hat das auch.

  • Mit_dem_Abo_unterwegs

    Guter Text, dessen Inhalt meine volle Zustimmung findet. So ist es und es könnte so einfach viel besser werden.
    Die KVB sollte den Text auf Flyer drucken und in regelmäßigen Abständen in den Bahnen auslegen, dann erreicht er mehr Leser und vielleicht erkennen sich einige Bahnfahrer wieder. Wie immer beim Lernen: die Wiederholung macht’s.

  • Job-Ticketfahrer

    Die die Sie erreichen wollen lesen das hier nicht oder es interessiert sie nicht, also vergebene Mühe.
    Fahrräder haben meiner Meinung zu Berufsverkehrszeiten nichts in Bahnen zu Suchen. Die Radfahrer fahren meistens wenn schlechtes Wetter ist, das Rad ist dreckig und Nass, die Hosen aller umstehenden danach schmutzig und beim 3. Fahrrad im Eingang geht halt auch nichts mehr.

  • Ulli

    Vereinzelt nerven aber auch die Fahrer. Drücken an jeder Haltestelle die Türen zu (Lichtschranke deaktivieren + Piepser). Manchmal sogar wenn noch nicht einmal alle Fahrgäste ausgestiegen (!!!) sind, geschweige denn die neuen Mitfahrer drin sind. Sehe ich aber nur ganz selten. Einmal wollte ich nicht rennen um die Bahn zu kommen, aber der Fahrer hat mich per Geste gefragt ob ich mitfahren wolle. Musste dann doch rennen. Willkommen in Kölle, jeder Jeck is anders…
    Ein anderer Punkt sind auch die Fahrgäste die mit ihrem Rucksack an der Tür stehend die Sprechtaste zum Fahrer runterdrücken. Habe mich auch schon so elegant angelehnt und mich danach entschuldigen dürfen…

  • Sven Biechler

    Zu Nr. 13 „Es kommt immer noch eine Bahn“: Ja nee, ist klar. In einer halben Stunde. Wenn sie denn pünktlich kommt. Und überhaupt kommt. Weiß man bei der KVB nie.

    Ansonsten fehlt in Deutschland die ÖPNV-Verkehrserziehung. Da die Erwachsenen es selbst nicht beherrschen, müssen da Verkehrsbetriebe ran.

    Grundübung: Man bereitet sich auf den Ausstieg vor, sobald die Türen an der vorherigen Haltestelle geschlossen sind. Man fragt den Fahrgast, der vor einem steht, ob er an der nächsten Haltestelle aussteigt. Wenn nein, werden Plätze getauscht. So geht es immer weiter von hinten nach vorne. Damit bildet sich schon vor dem Erreichen des nächsten Haltes eine Kette von aussteigenden Passagieren, der niemand im Weg steht, UND das fördert das Durchrücken, denn heute hat man Angst, nicht aussteigen zu können, weil der Weg zur Tür von Fahrgästen blockiert wird, die nicht aussteigen.

    Das o.g. Prinzip funktioniert prima etwa in der Moskauer U-Bahn. Als sie in den 1930-er Jahren in Betrieb ging, wurde es der 1. Fahrgastgeneration konsequent beigebracht, seitdem lernen Kinder von den Eltern.

  • Stephan Behrendt

    In der Tat ist diese Rücksichtslosigkeit mehr als ärgerlich. Leider lädt die Konstruktion der Fahrzeuge dazu ein, sich lässig seitlich im Türbereich anzulehnen. Würde diese Konstruktion nicht weit in den Wagen hinein reichen oder würde sie seitlich versetzt angebracht sein, wäre man gezwungen, weiter durch zu gehen. Auch der Zugang zu den Mehrzweckbereichen in den neuen Bahnen wird unnötig erschwert durch Sitze, die im Weg sind.

  • Heike Vogt

    Ich kann meinen Vorschreibern nur recht geben. Aber auch dem Ersteller dieses Beitrages, zumindest in einigen Aussagen. Gegenseitige Rücksichtnahme gibt es kaum noch. Da denkt man ja auch, die Jungen lernen von den Alten. Aber meistens sind die noch schlimmer. Drängeln sich überall vor und irgendwo dazwischen.
    Natürlich ist es eine Unsitte, beim Einsteigen an der Tür stehen zu bleiben, wenn man eine längere Fahrt vor sich hat. Da hat man wohl Angst, an der Haltestelle dann den Ausstieg zu verpassen bzw. nicht durch das Gedränge zu kommen. Jeder Einzelne sollte sich da an der eigenen Nase fassen. Aber wie auch Job-Ticketfahrer schon schrieb: diejenigen, die es betrifft, die lesen diesen Blog gar nicht.

    Allerdings nervt mich dieses Gesäusel am Neumarkt mit der Durchsage, man solle doch alle Türen benutzen, sehr. Es hält sich erstens keiner dran und zweitens, was hat die Damen genommen?
    Ich bin wirklich ein Verfechter von Anstand, Rücksichtnahme und Freundlichkeit, aber dies ist zu gekünstelt und interessiert keinen. Fremdsprachige Fahrgäste verstehen wahrscheinlich nicht mal Bahnhof. Warum gibt es keine kurzen und bündigen Ansagen wie anderswo? Was soll diese übertriebene Fröhlichkeit?
    Kurz und knapp ist oft hilfreicher!

  • Heike Voigt

    Hallo Markus,

    ich kann ihn sicher nicht mehr wörtlich wiedergeben, nehme die Entschuldigung aber an.

    Hallo Pia,

    was ist an „Sehr geehrte Fahrgäste (will man den Kunden einen Brief schreiben?), bitte nutzen Sie zum Einstieg alle Türen, damit wir unsere Fahrt zeitnah fortsetzen können!“ recht kurz gehalten?

    Einfache, klare Ansagen, wie sie z. B. ein Fahrer der Linie 1 tätigte, in dem er die Fahrgäste kurz und knapp aufforderte, durchzurutschen, sind m. E. viel effektiver und auch verständlicher.

    • Heike Voigt

      Das war ja noch nicht alles, ich hab nochmal genau zugehört. „Sehr geehrte Fahrgäste, bitte nutzen Sie zum Einstieg alle Türen. Bleiben Sie nicht im Türrahmen stehen, sondern rücken Sie durch, damit wir unsere Fahrt zeitnah fortsetzen können.“ finde ich nicht gerade kurz und für manchen eben auch schwer verständlich, vor allem für Touristen.

      Darauf hätte ich auch gerne eine Antwort von Pia. 🙂

      • Hallo Heike, ich hoffe, dass ich jetzt keine Nachricht von dir übersehen habe und alles freigegeben ist. Denn ich weiß leider immer noch nicht was dein konkreter Vorschlag für einen anderen Text ist ?! VG Pia

        • Heike Voigt

          Hallo Pia,

          ein Beitrag von mir wurde wohl „verbummelt“, das hatte ich Markus ja schon geschrieben.
          Ein Vorschlag wäre aber, alles kurz und bündig zu halten, das es leicht verständlich für alle ist. Ist im Ausland auch so üblich.
          Nix gegen Freundlichkeit, aber man übertreibt es hier in Köln mit diesen Ansagen. Meine Meinung.

  • Heike Voigt

    Türen frei machen! Bitte durchrücken!

    reicht doch völlig.

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