Linie 18 : Vom Weißkohl-Bauern-Express zur Stadtbahn Nr. 1

Ich weiß nicht, wie oft ich schon mit der Linie 18 gefahren bin, seitdem ich nach Sülz gezogen bin. In den rund zwölf Jahren, die ich hier wohne, müssen es mehrere Tausend Male gewesen sein. Mich persönlich bringt die Linie 18 nach Hause, zum Einkaufen, einen Teilweg zur Arbeit, ins Kino, in die City, zu Freunden – und ich bin nur eine von 150.000. Denn so viele Menschen bringt die Linie 18 unter der Woche täglich an ihr Ziel. Damit ist sie mit Abstand die KVB-Linie mit den meisten Fahrgästen. Zum Vergleich: Die Linie 1 befördert täglich um die 125.000 Fahrgäste.

Die Linie 18 ist nicht nur die meist genutzte, sondern auch die längste KVB-Linie und verbindet zwei Rheinmetropolen miteinander. Sie fährt auf 48,4 km Länge 50 Haltestellen an und passiert sechs verschiedene Städte und Gemeinden: Köln, Hürth, Brühl, Bornheim, Alfter und Bonn. Auch das trifft auf keine andere Linie im KVB-Netz zu. Die Linie 18 ist also in vielerlei Hinsicht eigentlich die Nummer 1 unter den KVB-Linien. Zeit, ihr endlich einen Blog-Artikel zu widmen.

Wer jetzt sagt „Moment, aber die Linie 16 hat doch genauso viele Haltestellen!“ hat Recht. Sie durchquert aber lediglich vier Städte/Gemeinden und ihre Strecke ist mit rund 44 km etwas kürzer. Die Linie 18 wird nicht von den Kölner Verkehrs-Betrieben allein, sondern gemeinsam mit den Bonner Stadtwerken (SWB Bus und Bahn) betrieben. Deshalb fahren auf der Strecke auch Stadtbahnen von KVB und SWB. Einige Stadtbahnen der SWB sind an ihrer grünen Lackierung zu erkennen.

 

Von der Vorgebirgsbahn zur Stadtbahn

Die heutige Strecke der Linie 18 hat eine Geschichte, die mehr als 120 Jahre zurückgeht. Die Stadtbahnen fahren nämlich auf der ehemaligen Strecke der Vorgebirgsbahn zwischen Köln und Bonn. Sie wurde den Großteil des 20.

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Bis 1986 endeten die KBE-Züge der Vorgebirgsbahn am Barbarossaplatz. © Raimund Jünger

Jahrhunderts von den Köln-Bonner Eisenbahnen betrieben (kurz KBE), die KVB übernahm sie erst 1992. In Betrieb genommen wurde die gesamte Strecke der damaligen Vorgebirgsbahn im Januar 1898 – und zwar von Bonn bis zum Barbarossaplatz, wo Anschluss an mehrere Straßenbahnlinien bestand. Am damals noch hübsch anzusehen den Barbarossaplatz, den ein Springbrunnen und mehrere Bäume zierten, befand sich ein richtiges Bahnhofsgebäude mit Schalter und Empfangshalle, da sich dort die Endstation befand.

Befahren wurde die Strecke zunächst mit einer Dampfbahn auf einem einzelnen meterspurigen Gleis. Diese Eingleisigkeit besteht heute noch auf einigen Streckenabschnitten, insb. in Bornheim,

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Der Barbarossaplatz mit Empfangshalle und drei Gleisen in den 1960ern. © KVB-Archiv

und sorgt in Sachen Pünktlichkeit manchmal für Herausforderungen. Dazu aber später mehr.

Ende des 19. Jahrhunderts betrug die Fahrtzeit übrigens noch knapp zwei Stunden – allein zwischen Barbarossaplatz und Bonn. Heute sind es etwas mehr als anderthalb Stunden zwischen Thielenbruch und Bonn. Wobei heute kaum noch jemand die Gesamtstrecke mit der Stadtbahn zurücklegt, da man mit den Zügen der DB wesentlich schneller unterwegs ist. Deshalb fahren die Bahnen der Linie 18 die Strecke auch nicht komplett durch (bis auf einige Fahrten am frühen Morgen oder späten Abend), sondern wenden entweder am Klettenbergpark oder in Buchheim.

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Ein KBE-Zug nach Bonn und die Linie 10 zwischen Klettenberg und Niehl am Eifelwall. © KVB-Archiv

Da die Vorgebirgsbahn schon damals mit ca. 10.000 Fahrgästen monatlich gut genutzt wurde, begann man rasch sie auszubauen. Streckenweise wurde ein zweites Gleis gebaut und die Gleise ab 1929 auf Normalspur umgebaut und dabei zwischen Brühl und Alfter schnellbahnmäßig trassiert. Das bedeutet, die Gleise wurden vom Straßenraum getrennt und bekamen einen eigenen Gleiskörper. Aus der Dampfbahn wurde bis 1934 eine Elektrische. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb der Vorgebirgsbahn schon im Juni 1945 wiederaufgenommen und die Strecke nicht nur wieder instandgesetzt, sondern auch modernisiert. Damals teilten sich die Personenzüge der KBE die Strecke übrigens mit zahlreichen Güterzügen. Beim heutigen Fahrgastaufkommen und Takt unvorstellbar. Heute gibt es nur noch zwischen Hürth und Brühl-Vochem Güterverkehr. Nach wie vor wird aber die Strecke zwischen Köln-Militärring und Alfter als Eisenbahn betrieben.

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Die Vorgebirgsbahn zwischen Sülzburgstraße und Sülzgürtel in den 1980ern. © Raimund Jünger

Wegen des zunehmenden Autoverkehrs wurde schließlich die gesamte Strecke der Vorgebirgsbahn von Bonn bis Köln vom Straßenraum getrennt. So erhielten die Bahnen in den 1950er-Jahren auch in der Mitte der Luxemburger Straße ihren besonderen Bahnkörper, der zwischen Weißhausstraße und Klettenbergpark mit Platanen gesäumt wurde. Die großen, schattenspendenden Bäume prägen den Sülzer Abschnitt der Linie 18 noch heute. Der Barbarossaplatz war auch Anfang der 1950er Jahre noch immer Endbahnhof der Strecke und bekam 1953 ein neues Gebäude mit drei Gleisen.

Die nächsten 35 Jahre markierte der Barbarossaplatz weiterhin das eine Ende der Vorgebirgsbahn, der heutigen Linie 18. Da die Vorgebirgsbahn von der KBE betrieben wurde, nannte man sie übrigens scherzhaft „Kappes-Buure-Express“, was auf rheinisch „Weißkohl-Bauern-Express“ bedeutet.

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Linie 18 auf der Luxemburger Str. heute. Im Herbst bieten die Platanen ein tolles Bild. © Christoph Seelbach

Erst in den 1980er Jahren wurde die Vorgebirgsbahn auf Stadtbahnen umgestellt. Auf der Bonner Teilstrecke ging das zunächst schneller als in Köln. Die erste Stadtbahn fuhr 1985 zwischen Bonn und Schwadorf. In Schwadorf gab es Anschluss bis Köln. Ab Ende 1986 fuhren die Stadtbahnen dann auch auf der Kölner Strecke. In nur wenigen Jahren wurden sämtliche Haltestellen zu Hochflurbahnsteigen umgebaut, um dem Stadtbahnbetrieb gerecht zu werden.

Seit 1986 markiert der Barbarossaplatz nicht mehr den Endpunkt der Strecke, denn die neue Stadtbahnstrecke wurde über Neumarkt, Dom/Hbf und Ebertplatz bis Mülheim verlängert. Die Linie 18 ersetzte damit die ehemalige Strecke der Linie 11 zwischen Klettenberg und Mülheim. Ab 1994 fuhr die Linie 18 dann ab Ebertplatz über Nippes, Longerich und Heimersdorf bis Chorweiler in den Kölner Norden.

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Zwischen 1994 und 2003 fuhr die Linie 18 nach Chorweiler, hier an der Meerfeldstraße. © KVB-Archiv

Diese Streckenführung wurde jedoch neun Jahre später wieder geändert, um durch eine Erweiterung des Niederflurnetzes die Barrierefreiheit im gesamten Kölner Stadtbahnnetz zu verbessern. Bei der großen Linienumstellung im Dezember 2003 wurden alle Linien so angepasst, dass Hochflurbahnen hauptsächlich 90cm-Bahnsteige und Niederflurlinien 35cm-Bahnsteige anfahren. Durch die damalige Umstellung sind heute etwa 90 % aller Stadtbahnhaltestellen barrierefrei erreichbar. Seither fährt die Linie 18 wieder ins Rechtsrheinische. 2003 wurde die Strecke zudem von Mülheim bis Thielenbruch verlängert, wodurch der heutige Linienverlauf vom Bonn bis in den Nord-Osten Kölns entstand.

 

Was kann man in Köln entdecken?

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Im ehemaligen Betriebshof Thielenbruch ist das KVB-Museum. © KVB-Archiv

Wo soll man beginnen und enden, wenn es um Sehenswertes entlang der Linie 18 geht? Allein auf Kölner Stadtgebiet gibt es viel Interessantes an der etwa 18 km langen Strecke zu entdecken.

Wenn man raus ins Grüne will, kann man mit der Linie 18 viele schöne Ziele erreichen. Im Rechtsrheinischen stehen gleich mehrere Naturschutzgebiete zur Auswahl: Dellbrücker Heide, Höhenfelder See, Thielenbruch und Thurner Wald. An der Endstelle Thielenbruch beginnen gleich zwei Etappen des Kölnpfads: Etappe 7 bis zur Endstelle der Linie 4 in Schlebusch, eine einfache Strecke, die ich auch schon gegangen bin, oder Etappe 8 bis Schloss Bensberg, die etwas anspruchsvoller ist und noch auf meiner ToDo-Liste steht. Schön ist auch eine Fahrt mit der Linie 18 im Frühling auf Höhe der Wichheimer Straße, wenn die Bahn an blühenden Rapsfeldern vorbeifährt. Die Endhaltestelle ist aber auch für KVB-Fans interessant: Im ehemaligen Betriebshof Thielenbruch ist heute das Straßenbahnmuseum (www.hsk-koeln.de) untergebracht, in dem sich historische Bahnen und mehr bestaunen lassen.

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Über die Mülheimer Brücke fahren die Linien 13 und 18. © Christoph Seelbach

Bis Buchheim Herler Straße teilt sich die Linie 18 die Gleise mit der Linie 3. Die Linie 13 stößt in Holweide dazu. Hinter der Wendeanlage in Buchheim verschwinden die 13 und 18 für ein kleines Stück im Tunnel und durchqueren Kölns bevölkerungsreichsten Stadtteil Mülheim. Hinter dem Wiener Platz führen die Gleise wieder an die Oberfläche und über die Mülheimer Brücke. Die knapp 6.000 Tonnen schwere Hängebrücke wird täglich nicht nur von zwei Bahnlinien, sondern auch von 50.000 PKW und LKW befahren, weshalb sie dringend saniert werden muss. Die Arbeiten haben 2019 begonnen und werden wohl bis 2025 andauern. Während der Sanierung gibt es immer wieder Einschränkungen für den Autoverkehr. Ab 2023 wird dann zeitweise auch für die Stadtbahnen ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

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Für eine Fahrt mit der Seilbahn steigt man am Zoo aus. © Stephan Anemüller

Weiter geht’s durch Riehl, wo viele Fahrgäste der Linie 18 aussteigen, um einen gemütlichen Tag im Kölner Zoo und der Flora zu verbringen oder eine Runde mit der Seilbahn über den Rhein zu schweben. Hinterm Zoo führen die Gleise wieder in den Untergrund und die Linie 18 trifft zum ersten Mal auf die Linie 16, mit der sie sich bis zum Barbarossaplatz die Strecke teilt. Dann passieren beide Linien das Amtsgericht und Oberlandgericht am Reichenspergerplatz und den Ebertplatz, einen großen Knotenpunkt, an dem im nächtlichen Rendezvous-Verkehr alle Linien aufeinander warten, da es hier viele Umsteiger gibt.

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Im Neumarkt-Tunnel fährt in jeder Richtung ca. alle zwei Minuten eine Bahn. © C. Seelbach

Schließlich fahren die Bahnen mitten durchs Zentrum und bringen ihre Fahrgäste nicht nur zum Hauptbahnhof, an dem täglich mehr als 300.000 Menschen ein-, aus- oder umsteigen und ein Umstieg in die Linie 5 möglich ist, sondern auch zum Kölner Wahrzeichen schlechthin. Der Kölner Dom zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und wird jährlich von 6 Millionen Menschen besucht. Wer ihn ausgiebig besichtigt hat, kann mit der Linie 18 anschließend weiter das Zentrum erkunden. Sie bringt ihre Insassen durch den Neumarkttunnel zur beliebtesten Shoppingmeile Kölns: der Schildergasse. Den Neumarkttunnel teilt sich die Linie 18 jedoch nicht nur mit der Linie 16. Die Linie 18 fährt hier im 5-Minuten-Takt und die Linien 3, 4 und 16 jeweils im 10-Minuten-Takt. Damit ist dieser Streckenabschnitt einer der meist beanspruchtesten in gesamten KVB-Netz. Am Neumarkt treffen die unterirdischen Nord-Süd-Verbindungen auf die oberirdischen Ost-West-Verbindungen. Die sieben Stadtbahn- und zwei Buslinien machen den Neumarkt zum zentralen Knotenpunkt Kölns.

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So sieht der Barbarossaplatz heute aus. Von einem Platz kann nicht mehr die Rede sein. © KVB-Archiv

Hinter der Poststraße führen die Gleise wieder an die Oberfläche und die Linie 18 passiert den bereits mehrfach erwähnten Barbarossaplatz und trennt sich anschließend wieder von der Linie 16. Heute ist der Barbarossaplatz lange nicht mehr so schön wie vor 120 Jahren und eigentlich auch kein Platz mehr, sondern eher eine Kreuzung, aber immer noch ein wichtiger Knotenpunkt für den Stadtbahnverkehr. Die 16 und 18 treffen hier auf die 12 und 15 (wie auch am Ebertplatz) und ermöglichen den Umstieg auf die südlichen Ringe und in die Südstadt. Von hier aus kommt man heute außerdem schnell ins Univiertel mit seinen zahlreichen Bars und Kneipen.

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Schloss Weißhaus durchs Gitter fotografiert. © R. Weiß

Schließlich geht es auf die Luxemburger Straße, die B265. Die Haltestelle Eifelwall wurde just zum Fahrplanwechsel umbenannt, da hier das neue Stadtarchiv Ende letzten Jahres fertig gestellt wurde und im Laufe des Jahres bezogen und eröffnet wird. Auf ihrem Weg Richtung Süden fährt die Linie 18 an Kölns einzigem Wasserschloss vorbei. Obwohl es direkt an der Haltestelle Arnulfstraße mitten im Stadtteil Sülz liegt, erhascht man nur einen Blick darauf, wenn man aussteigt und durch das Gitter späht. Denn Schloss Weißhaus versteckt sich hinter einem hohen Zaun und dichten Hecken. Das sich im Privatbesitz befindende Schloss wechselte 2019 angeblich für sechs Millionen Euro den Besitzer.

Am Sülzgürtel trifft die 18 übrigens erneut auf die 13. Die letzte Haltestelle auf Kölner Stadtgebiet ist Klettenbergpark, auch meine persönliche Endstation. Der dichte Takt endet hier, auch wenn der Bedarf zeitweise über die Stadtgrenze hinaus besteht. Grund dafür ist der Bahnübergang am Militärring. Dieser erlaubt derzeit keinen höheren Takt. Würden die Bahnen die Kreuzung noch öfter passieren, kämen LKW und PKW hier gar nicht mehr vom Fleck. Planungen für eine Tieferlegung der Bahn gibt es bereits seit Längerem. Zeitweise wurde der 5-Minuten-Takt bis Klettenberg übrigens durch die Linie 19 hergestellt. Intern werden die Verstärkerfahrten der Linie 18, die den 5-Minuten-Takt bilden, übrigens nach wie vor als Linie 19 bezeichnet. Zum Fahrplanwechsel im Dezember letzten Jahres gab es auf der Linie 18 übrigens einige Verbesserungen. Die Linie 18 fährt nun auch samstags zwischen 9 und 20 Uhr zwischen Thielenbruch und Klettenbergpark im 10-Minuten-Takt und zwischen Buchheim Herler Str. und Klettenbergpark im 5-Minuten-Takt.

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Der Decksteiner Weiher ist ca. 15 Minuten Fußweg von der Linie 18 entfernt. © Regina Weiß

Abends fahren die Züge zwischen Thielenbruch und Klettenbergpark nun unter der Woche bis 24 Uhr und am Wochenende sogar bis 1 Uhr im 15-Minuten-Takt.

In meiner „Hood“ gibt es natürlich auch schöne Naherholungsgebiete wie den Beethovenpark, den Klettenbergpark oder den Decksteiner Weiher zu entdecken. Am Weiher liegt auch das Geißbockheim. Hier können FC-Fans den Spielern beim Training zuschauen. Hinter der Wendeanlage in Klettenberg übernimmt übrigens die Häfen und Güterverkehr Köln (kurz HGK) die Verantwortung für sämtliche Infrastruktur wie Gleise, Stellwerke, Bahnübergänge, etc., ab Dransdorf dann die SWB.

 

Ab in den Süden

Hat man das Kölner Stadtgebiet verlassen, werden die Haltestellenabstände größer und die Fahrtzeit länger. Direkt in Efferen kann man eine römische Grabkammer besuchen, die schon 1899 beim Bau der Vorgebirgsbahn zufällig entdeckt wurde. Zwischen Hürth-Hermülheim und Fischenich an der Ursulastraße in Kendenich liegt übrigens eins der größten Stellwerke unserer Region, die Netzleitzentrale der HGK.

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Züge der Linie 18 fahren über die Querbahn in den Betriebshof Wesseling. HGK-Züge verkehren dort auch. © KVB-Archiv

Beim Bau im Jahr 1984 war Kendenich das erste elektronische Stellwerk einer nicht bundeseigenen Eisenbahn. Erst letztes Jahr wurde das Stellwerk für mehrere Millionen Euro umfangreich modernisiert.

Von Hürth fährt die Linie 18 weiter durch Brühl, das mal eine kurfürstliche Residenz war und heute zu den wichtigsten touristischen Zielen im Rheinland zählt. Die mitten im Vorgebirge liegende Stadt zählt rund 44.000 Einwohner. Sie ist unter anderem bekannt für das Phantasialand, einen der ältesten Freizeitparks Deutschland, dessen FreeFall-Tower man schon von der Bahn aus sehen kann, sowie ihre Schlösser Augustusburg, Falkenlust und Schallenburg. Auch der Kottenforst, die Ville und die angrenzenden Seen sind beliebte Ausflugsziele im Köln-Bonner Raum. In Vochem stoßen die Gleise der ehemaligen Vorgebirgsbahn auf die sogenannte Querbahn, die sie mit der ehemaligen Rheinuferbahn verbindet. Auch heute fahren ein- oder ausfahrende Züge der Linie 18 noch über dieses ca. 6 km kurze Stück Gleis, um zum KVB-Betriebshof in Wesseling zu gelangen. Ursprünglich verband die Querbahn die Vorgebirgsbahn mit der Rheinuferbahn, der heutigen Linie 16, und dem Hafen Wesseling Rheinwerft, dem heutigen Godorfer Hafen. Zwischen 2017 und 2019 wurde der eingleisige Brühler Gleisabschnitt zwischen Brühl-Süd und Badorf ausgebaut und mit moderner Stellwerkstechnik versehen. Seither ist sogar ein dichterer Takt der Linie 18 von Köln bis Schwadorf möglich.

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Ein KBE-Zug in Schwadorf 1985 – mit Blick über die hügelige Landschaft des Vorgebirges. © Raimund Jünger

Lässt man Brühl hinter sich und fährt weiter nach Bornheim, wird es ländlich. Die Bahnen fahren vorbei an Äckern, Feldern und Wiesen – im Frühling und Sommer eine wunderschön anzuschauende Strecke. Ab Merten kann man sogar das Siebengebirge in der Ferne erkennen, das südlich von Bonn liegt. Dass die Errungenschaften des 21. Jahrhunderts in dieser ländlichen Gegend vielleicht noch nicht ganz angekommen sind, zeigen die vielen noch immer eingleisigen Abschnitte, sozusagen die Überreste der Vorgebirgsbahn. Diese befinden sich zwischen Badorf und Merten, Waldorf und Bornheim, Bornheim und Roisdorf-West sowie Alfter und Dransdorf. Seitens der HGK läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie über den Ausbau der restlichen eingleisigen Abschnitte. Ziel ist es, den wochentäglichen 20-Minuten-Takt zwischen Bonn und Brühl zu verdichten, da die Stadt Bornheim durch ihre zentrale Lage zwischen Köln und Bonn sehr stark wächst. Eine durchgängige Zweigleisigkeit würde zudem die Pünktlichkeit der Linie 18 stark verbessern, da planmäßig pünktliche Züge dann nicht mehr vor den eingleisigen Strecken auf verspätete Züge warten müssten.

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Die Vorgebirgsbahn in Bornheim 1985. © Raimund Jünger

Bornheim hat nach Köln die meisten Haltestellen entlang der Linie 18. Die knapp 83 km2 große Stadt ist mittlerweile die drittgrößte Stadt des Rhein-Sieg-Kreises, zu dem Bornheim und Alfter gehören. Durch den Stadtteil Merten verläuft der Heinrich-Böll-Wanderweg. Er führt am früheren Wohnhaus der Familie vorbei bis zum Grab von Heinrich Böll und seiner Frau. Durch einige Bornheimer Stadtteile führte übrigens zu Römerzeiten die Eifelwasserleitung, die das antike Köln mit Trinkwasser versorgte. Bornheim ist außerdem für seinen Spargel bekannt, der von der Europäischen Union unter Herkunftsschutz gestellt wurde. Das Vorgebirge insgesamt bietet einen besonders fruchtreichen Boden und eignet sich daher sehr gut für den Obst- und Gemüseanbau.

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Eröffnung des Stadtbahnbetriebs auf der Linie 18 in Bornheim im Oktober 1985 mit einem Zug der SWB. © Raimund Jünger

Die Anlieferung von landwirtschaftlichen Produkten in die Städte war nicht zuletzt einer der Hauptgründe, die Vorgebirgsbahn zu bauen. An der Haltestelle Bornheim trifft die Linie 18 auf die Linie 68, mit der sie sich den Linienweg bis zum Bonner Hauptbahnhof teilt. Die 68 fährt darüber hinaus weiter bis Ramersdorf. Zwischen Bornheim und Bonn liegt mit nur einer einzigen Haltestelle die wohl kleinste Gemeinde entlang der Linie 18: Alfter. Dort befindet sich die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft mit ihren rund 1.500 Studierenden.

Danach geht’s auf Bonner Terrain: An der Robert-Kirchhoff-Straße liegt einer von drei Betriebshöfen der SWB Bus und Bahn, der Betriebshof Dransdorf. Während in Friesdorf die Busse und in Beuel die Straßenbahnen unterkommen, wird in Dransdorf seit 1986 der gesamte Stadtbahnbetrieb der SWB abgewickelt. Die Bonner betreiben neben unseren Gemeinschaftslinien 16 und 18 selbst vier weitere Stadtbahnlinien sowie drei Straßenbahnlinien. An der Haltestelle Bonn West trifft die Linie 18 auf eine gute alte Bekannte, die Linie 16, die aus dem Bornheimer Norden kommt und vorher durch Wesseling gefahren ist. Die Bonner Linien 63, 66 und 67 kommen hinter der Haltestelle Bonn West ebenfalls dazu, sodass dann sechs Stadtbahnlinien in den Bonner Hauptbahnhof fahren. Die Linie 18 endet dann als einzige von ihnen am Hauptbahnhof der ehemaligen Bundeshauptstadt, wo die Fahrgäste eine sehr hübsche Altstadt und zahlreiche kulturelle Einrichtungen erwartet. Nach dieser langen Fahrt hat sie sich das aber auch redlich verdient.

Bilder: Stephan Anemüller, Raimund Jünger, KVB-Archiv, Christoph Seelbach, Regina Weiß

Ein besonderer Dank geht an Raimund Jünger für die Bilder der alten Vorgebirgsbahn, die er uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

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27 Kommentare

  • mathepauker

    »Die 68 fährt darüber hinaus weiter bis Bad Honnef.« – Das stimmt nicht. Die Linie 68 fährt höchstens bis Ramersdorf.

  • Lukas Nümm

    Die Linien 66 und 67 kommen erst unmittelbar vom Hbf hinzu und kommen vom Bonner Stadthaus also verkehren nur auf rund 300m zwischen dem Abzweig zum Stadthaus und dem Bonn Hbf die sechs Linien.

  • Reinhardt Fischer

    Ein sehr schöner Artikel über die Linie 18, welche für mich das wichtigste Rückgrat im Kölner Nord-Süd-Korridor darstellt! Insbesondere die ausführliche Beschreibung des Linienverlaufs ist sehr treffend. Gerade in der Innenstadt ist es praktisch, dass die Linie 18 an so vielen zentralen Knotenpunkten hält und diese miteinander verbindet.

    Mir sind zwei Kleinigkeiten im Text aufgefallen: Zum einen ist es richtig, dass am Reichenspergerplatz im dortigen Justizgebäude einige Abteilungen des Amtsgerichts untergebracht sind; der größte Teil des Gebäudes wird jedoch vom Oberlandesgericht beansprucht. Zum anderen ist die angesprochene Attraktion im Phantasialand technisch gesehen kein Freifallturm, sondern eine Vertikalfahrt, da die Fahrgastträger immer über Kabel mit dem Antriebssystem verbunden bleiben.

    Ansonsten ist der Artikel sehr gut recherchiert und ich denke, dass ich auch bald einmal wieder der Kölner Flora einen Besuch abstatten werde – von der Arbeit aus brauche ich mit der Linie 18 ja keine 10 Minuten…

    • Hallo Herr Fischer, es freut mich, dass Ihnen der Artikel gefallen hat und Sie gerne mit der Linie 18 unterwegs sind. Vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Den Hinweis zum Gericht habe ich aufgenommen und geändert. Das mit dem Freefall-Tower lasse ich aber zwecks Lesbarkeit mal so stehen. 🙂 Weiterhin gute Fahrt mit „unserer“ 18. Gruß, Regina Weiß

  • Rüdiger Krause

    „Der dichte Takt endet hier, auch wenn der Bedarf zeitweise über die Stadtgrenze hinaus besteht. Grund dafür ist der Bahnübergang am Militärring. Dieser erlaubt derzeit keinen höheren Takt. Würden die Bahnen die Kreuzung noch öfter passieren, kämen LKW und PKW hier gar nicht mehr vom Fleck.“

    Daran erkannt man, dass der Rat der Stadt Köln über die Taktung der Linien entscheidet. Es handelt sich um eine Eisenbahnstrecke in dem Bereich. Die KVB müsste also keine Rücksicht auf den Autoverkehr nehmen, genauso wenig, wie es die Deutsche Bahn auf ihren Strecken tut.

    Aber da im Rat der Stadt Köln noch immer viele alte Männer sitzen, die sich nicht vorstellen können, dass der ÖPNV das Auto verdrängt, müssen die Fahrgäste sich dicht drängen, während es sich der MIV-Teilnehmer auf 8 Quadratmeter gemütlich macht. So geht Verkehrswende in Köln.

    • Hallo Herr Krause, ja, das stimmt. Wieviel Raum Busse und Bahnen, der MIV oder Radfahrer und Fußgänger in unserer Stadt einnehmen wird in der Politik entschieden. Die KVB ist und bleibt ein Dienstleister, der zwar gerne Anstöße gibt, aber eben keine Entscheidungen in der Hinsicht treffen kann. Viele Grüße, Regina Weiß

  • Dieter Becker

    Hallo,

    mittlerweile bin ich nun fast 73 Jahre „jung“, aber ich bin früher sehr gerne mit meiner Mutter auf der Vorgebirgsbahn zu meiner Tante Traudchen nach Efferen gefahren. Das war noch eine richtige Eisenbahn. Mit Druckluftbremse, Durchgang zum nächsten Wagen und durch die Luftfederung schaukelten die Wagen immer etwas. Ich freute mich jedesmal wenn wir am Barbarossaplatz eingestiegen sind und war etwas traurig wenn wir erst ab Gürtel mit der „richtigen Eisenbahn“ nach Efferen gefahren sind. Damals gab es auch noch bis zur Militärringstraße Güterverkehr.

    Übrigens meine ich das am Barbarossaplatz früher sogar 5 Gleise waren. Oder täusche ich mich?

    Schönen Gruß von

    Dieter aus Dünnwald

  • LPK

    Hallo, KVB

    Ein schöner Beitrag über die Geschichte der 18!

    Ich habe nur zwei Fragen:
    1.: Ich bin mir sehr sicher das in den Aushangplänen der Linie 18 ein Fehler ist: Zuerst habe ich mich gewundert, dass zwei Züge von Buchheim Herler Str. hintereinander fahren würden, der eine aber nur bis Klettenbergpark, der andere bis Bonn Hbf. eine Rückfahrt gibt es nur von der Bonn Hbf-fahrt!
    Eigentlich ist es ,glaube ich, so gemeint: Richtung Bonn Hbf gibt es ja ab Buchheim Herler Str. bis Klettenbergpark immer zwei Aushagpläne für jede Halltestelle. Natürlich fahren die Bonn Hbf-fahretn bis Klettenbergpark aber nur weiter, man müsste eigentlich diese Fahrten (die bis Bonn Hbf) aus den nach Klettenbergpark-Aushangpläne entfernen, den im Moment macht der Satz „weitere Fahrten siehe Fahrplan Linie 18 Richtung…“ keinen sinn!
    Im Minnifahrplan ist die aber nicht so. Es ist dort Richtig, glaube ich!
    Oder Irre ich mich?

    2.: Die Querbahn gibt es, wird aber kaum von der Stadtbahn benutzt. Man könnte in Longerich an der Kreuzung der 15, von der Halltestelle Heimersdorf an der Kreuzung bei der Halltestelle Longericher Str. ein Abbiegegleis zur Halltestelle Longerich Friedhof einbauen. Die Linie 15 konnte dann so verkehren: Chorweiler+ Heimersdorf+ Longerich Friedhof+ Longericher Str.+ … Ubiering. Man könnte sich die Longerich-Fahrten sparen. Man brächte vieleieicht nur noch eines/ Zwei von dieser Fahrten wegen den zwei zusätzlichen Minuten. Die restlichen Fahrten kann man für die 18 gebrauen: die Klettenbergpark-fahrten könnte man dann bis nach Wesseiling über die Querbahn verlängern. So gab es eine Schnelle Verbindung von Hürth+ Brühl nach Wesseling und umgekert!
    Ich weiß natürlich nicht was das kostet, aber für das Stadtbahnnetz finde ich die Idee seht gut.

    LG

    • Guten Morgen, ich habe deine Frage/ deinen Hinweis bzgl. der Linie 18 an die Kollegen weitergeleitet und melde mich, wenn ich mehr weiß. VG Carola

      • Anonymous

        Hallo, ich weiß ja nicht wie viel bei Ihnen los ist, aber ich hätte gerne noch eine Antwort.
        file:///C:/Users/49157/Downloads/135Meschinisch%20kirche.pdf
        Hier sind noch die Schulfarheten eingetragen.
        Gibt es eigentlich sowas wie ein Linienplaner. Ich habe nähmlich ganz viele Ideen wie z.B. die Linie 137, den Fun-Express, non Nord nach Süd!

        • Guten Morgen,
          wo drauf hättest Du denn gerne noch eine Antwort? 🤔 Und was meinst Du mit Linienplaner?
          VG Carola

          • Anonymous

            Hallo,

            na was aus meiner Idee wird?
            Und das sind für mich die Leute die z.B. die Linie 130 verändert haben.

          • Hallo, zu Deinen noch offenen Fragen:
            1) Der Aushangfahrplan wurde speziell für die Linie 18 so konzipiert, dass die Fahrgäste sich schneller orientieren können. So finden die Fahrgäste, die innerhalb von Köln unterwegs sind, das reichhaltige Fahrtangebot auf dem Plan mit der Überschrift „Klettenberg“. Für die Fahrgäste, die darüber hinaus fahren wollen, gibt es den Plan mit der Überschrift „Bonn Hbf“, auf dem nur die Fahrten stehen, die über Klettenberg hinausfahren. Durch diesen 2. Fahrplan können wir auf einen Berg von Fußnoten verzichten, der den ersten Fahrplan ansonsten völlig überfrachtet und unverständlich gemacht hätte.
            2) Durch eine Schleifenfahrt der Linie 15 über Longerich Friedhof würden die Fahrtzeit von/nach Chorweiler unnötig um einige Minuten verlängert. Zudem fahren wir mit den Verstärkern nicht zum Friedhof Longerich, weil das Ziel so wichtig ist, sondern weil wir dort die Möglichkeit haben, die Verstärker zu wenden. Auf die Verstärkerfahrten der Linie 15 in der Hauptverkehrszeit können wir aus Gründen der Nachfrage nicht verzichten. Zudem könnten die frei werdenden Züge nicht für die Querbahn zwischen Brühl und Wesseling genutzt werden, da die Linien 16 und 18, über die die Querbahn angeschlossen ist, mit Hochflurfahrzeugen bedient werden, die Linie 15 aber nur durch Niederflufahrzeuge bedient wird.

            Wegen der einzelnen Linie 15 auf der Strecke der Linien 16 und 18: Hier kann es sich um eine Betriebsfahrt gehandelt haben, die aufgrund einer Baumaßnahme dort lang geführt wurde. Regulär fahren dort keine Bahnen der Linie 15.
            LG, Regina

  • LPK

    Hallo, KVB

    Ich kann meinen Kommentar nicht mehr sehen, den ich geschrieben habe, ist er überhaupt angekommen?

    LG ( der von LPK)

  • LPK

    Hallo, KVB

    Ich habe nur noch eine Frage:
    Bei den live-Abfahrzeiten steht bei Bonn HBF das es eine Linie 15 nach Lüsdorf/ Wahn S-Bahn gibt?
    Ich kann aber nirgends Aushangpläne finden.

    LG

  • Anonymous

    Ah ok, ich habe bisher in einem Jahr nur Einen Gelenkbus gesehen auf der135

  • LPK

    Hallo nochmal, bei der Baustelle, wo die Linie 9, 12 und 15 getrend wird, ist beim Ersatzbus 115 eingetragen ( Richtung Chorweier ) das Longerich Friedhof immer angefahren wird und danach direkt Heimersdorf.
    Aber das geht doch garnicht weil die Fahren die Kabiene wechseln müssten?

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