Die Smart City KVB wächst

Die Smart City KVB wächst

Wenn Oberbürgermeisterin Henriette Reker aufgebrochenen Asphalt als „Sinnbild der Verkehrswende“ versteht und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst die KVB als „mutig vorangehenden Vorreiter“ bezeichnet, dann entsteht wirklich Neues. In Riehl, auf dem Betriebshof Nord der KVB, wurde vor wenigen Tagen mit dem Aufbau der Ladeinfrastruktur für 53 weitere E-Busse begonnen. Ab 2021 werden hier die 50 E-Busse aufgeladen, die die Dieselbusse auf den nächsten sechs Linien „auf’s Altenteil schicken“ und den Betrieb übernehmen. Drei weitere E-Busse fahren dann auf der Linie 126, an deren Endhaltestellen die KVB zusammen mit der RheinEnergie und Ford innovative multimodale Ladetechnik erproben.
Zum Beginn des Projektes besuchte Verkehrsminister Wüst zusammen mit Oberbürgermeisterin Reker die Baustelle in Niehl und informierte sich über das Vorhaben. Der Minister hatte zudem ein schönes Geschenk dabei. Zusammen mit Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR), überreichte er einen Zuwendungsbescheid über 10,9 Millionen Euro. Die Mittel des Landes stehen nach § 13 ÖPNV-Gesetzes NRW zur Verfügung und dienen einer Investitionsmaßnahme im besonderen Landesinteresse. Insgesamt wird die Baumaßnahme mit rund 15 Millionen Euro kalkuliert.Das jetzige Bauprojekt ist ein Teil des Gesamtvorhabens “Smart City KVB“, in dem alle E-Bus-Projekte der KVB zusammengefasst sind.

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Großflächig aufgebrochener Asphalt symbolisiert die umfassende Veränderung des Busbetriebs. – Foto: Christoph Seelbach / KVB

Bereits im Dezember 2016 wurde mit der Linie 133 die erste Bus-Linie der KVB vom Diesel auf E-Mobilität umgestellt. Diese Linie wird mit inzwischen neun Batterie-Gelenkbussen betrieben. Es folgen bis 2021 die nächsten sechs Bus-Linien – die Linien 141, 145 und 149 linksrheinisch sowie die Linien 150, 153 und 159 rechtsrheinisch. Hierfür läuft derzeit die Beschaffung von 50 weiteren E-Bussen. Zusammen mit diesen werden drei E-Busse bestellt, die für die Linie 126 gedacht sind, an deren Endhaltestellen in Köln-Chorweiler und Köln-Bocklemünd die KVB zusammen mit den Projektpartnern RheinEnergie und Ford die Innovation multimodaler Ladeinfrastruktur testen.

An den Endhaltestellen dieser insgesamt sieben Linien wird Ladeinfrastruktur aufgebaut, denn die KVB verfolgt das Konzept der Übernachtladung auf dem Betriebshof und der Nachladung im Schnellladeverfahren während des Betriebs an den Endhaltestellen. Hierdurch ist die volle Versorgung über Batterien möglich, auf einen zusätzlichen Diesel-Generator zur Versorgung der Nebenverbraucher kann die KVB verzichten. Zum Einsatz kommt stets Strom aus regenerativen Energiequellen. Diese Linienwegs-Ladeinfrastruktur wird in einem weiteren Projekt unter dem Dach der Smart City KVB behandelt. Bis 2030 werden alle Bus-Linien der KVB auf E-Mobilität umgestellt. Das bedeutet, dass nach dem jetzigen Bauprojekt noch weitere Ausbaustufen der Ladeinfrastruktur auf dem Betriebshof Nord der KVB folgen. Insgesamt wird sich hiermit das Gesicht des traditionellen Busstützpunktes der KVB verändern. Doch E-Busse benötigen auf Betriebshöfen mehr Platz, weil sie durch die Ladeinfrastruktur nicht so eng “gepackt“ werden können. Zudem werden die Angebote der KVB im Stadtgebiet ausgeweitet, was zu einer Vergrößerung der Busflotte führt. Folglich wird die KVB im Südosten des Stadtgebietes, in Köln-Porz, einen weiteren Busbetriebshof aufbauen. Und auch die Flotte der Subunternehmer, die Liniendienste im Netz der KVB erbringen, wird bis 2030 auf E-Mobilität umgestellt. Alle diese Projekte finden Platz im “Haus“ der Smart City KVB und zeigen in der Gesamtschau, wie umfangreich der Technologiewandel ist.

Technologiewandel bedeutet gemeinsame Kraftanstrengung

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Die dichte Abstellung von Bussen ist durch die zusätzliche Ladeinfrastruktur nicht mehr möglich. – Foto: Stephan Anemüller / KVB

Stefanie Haaks, Vorstandsvorsitzende der KVB, hob im Rahmen des Ministerbesuchs die Bedeutung der Landesförderung hervor: „Mit der Unterstützung des Landes ist es uns möglich, sehr schnell den Technologiewandel im Busbetrieb fortzusetzen. Schon bald werden die Fahrgäste auf sechs weiteren Bus-Linien in der Lage sein, einen noch größeren Beitrag zum Klima- und Umweltschutz ohne Kohlendioxid- und Stickoxid-Emissionen zu leisten.“
NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst setzt dabei auf den Unternehmergeist in Verkehrsunternehmen: „Wir brauchen Vorreiter wie die KVB, die mutig vorangehen und als Vorbild für andere dienen. Damit der Mobilitätssektor seinen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele leisten kann, müssen wir den Anteil des ÖPNV erhöhen und die Mobilitätsangebote sauberer machen. Darum fördert das Land 90 Prozent der förderfähigen Kosten in die Elektro-Ladeinfrastruktur und auch die Anschaffung von Elektro- und gasbetriebenen Bussen sowie die Nachrüstung von Dieselbussen.“

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Bereits in vergangenen Jahren wurden neue Technologien erprobt und in den Betrieb eingefügt – im Bild die Reste einer Gastankstelle auf dem KVB-Betriebshof. – Foto: Stephan Anemüller / KVB

Die neuen E-Busse werden zukünftig unter insgesamt drei Carports abgestellt. Dort werden ihre Batterien über parallele Ladepunkte zeitgleich über Nacht geladen. Der Strom wird über drei Ladestationen bereitgestellt und kommt aus einem benachbarten Umspannwerk der RheinEnergie. Zum Projekt gehört auch die Errichtung einer Übergabestation zwischen der Infrastruktur von RheinEnergie und KVB.
Die luftigen Carports haben eine Länge von bis zu 135 Metern bzw. 34 Metern. Ihre Höhe beträgt ca. 6,80 Meter. Die Betongebäude der Ladestationen haben eine Höhe von ca. 13 Metern. Zusammen verändern sie das Bild des Betriebshofes. Im September 2020 wird ein Großteil des Projektes abgeschlossen sein, im März 2021 der dann noch verbliebene kleinere Abschnitt.

Bereits in der Planung des aktuellen Bauprojektes auf dem Betriebshof Nord hat die KVB in die Zukunft geblickt. Dem jetzigen Aufbau der Carports mit Ladeinfrastruktur soll ein zweiter Bauabschnitt für weitere E-Busse folgen. Aber auch für besondere Situationen ist vorgesorgt. Selbst wenn ein theoretisch nur alle 200 Jahre eintretendes Hochwasser den Betriebshof überschwemmt, werden die E-Busse schnell wieder einsatzfähig sein.
Jörn Schwarze, Vorstand Technik der KVB: „In der Risikobetrachtung sind wir sehr weit gegangen. Falls – im sehr unwahrscheinlichen Fall – ein kräftiges Hochwasser den Betriebshof erreicht, können wir nach kurzer Zeit bereits wieder ausrücken. Die empfindliche Ladetechnik befindet sich in den oberen Stockwerken der Gebäude und wird durch Wasser nicht erreicht. Damit können wir den Betrieb auf dem Betriebshof wieder aufnehmen, sobald das Hochwasser zurückgegangen ist.“ Während die Carports empfindliche Techniken auf den Dächern der E-Busse schützen, lassen sich auch die Oberseiten der Carportdächer selbst nutzen. Die KVB hat diese an die RheinEnergie verpachtet. Das Schwesterunternehmen wird dort Fotovoltaik-Anlagen errichten und den aus Sonnenkraft gewonnenen Ökostrom in ihr Netz einspeisen. Für Dr. Andreas Cerbe, Vorstand Netz der RheinEnergie, ist das ein Beispiel des Wandels in der Energiewirtschaft: „Gemeinsam mit den Kölner Verkehrs-Betrieben haben wir bereits in 2016 eine Buslinie mit acht Elektrobussen in Betrieb genommen. Dabei ist die Rollenverteilung klar: Die KVB kümmert sich mit den E-Bussen um die sichere und zuverlässige Personenbeförderung, wir, die RheinEnergie, stellen die Energieinfrastruktur und den Strom dafür mit allerhöchster Zuverlässigkeit bereit – das ist unser Kerngeschäft.“

 

Die Carports schützen die Technik der E-Busse, die sich zum Teil auf deren Dächern befindet. Die Ladehauben für die parallele Ladung befinden sich an den Unterseiten der Carport-Dächer. Auf den Dachoberflächen wird die RheinEnergie Photovoltaik-Anlagen integrieren. – Grafik: Schüßler-Plan

Der Technologiewandel zur E-Mobilität ist eine der großen Herausforderungen im Verkehrssektor. Er ist nur möglich, wenn alle benötigten Partner eng und pragmatisch zusammenarbeiten. Dabei kommt auch öffentlichen Organisationen wie dem Nahverkehr Rheinland eine große Bedeutung zu. Fördergeber wie der NVR stellen das Bindeglied zwischen der Landesebene und der kommunalen Ebene dar. Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer des NVR: „Die hier investierten 10,9 Millionen Euro des Landes Nordrhein-Westfalen sind gut angelegtes Geld für unsere Fahrgäste. Dies ist der nächste große Schritt, mit dem Land und NVR das E-Bus-Projekt der KVB unterstützen. Es wird die Zukunft Kölns und Nordrhein-Westfalens smarter machen.“

E-Mobilität ist nur eines von zahlreichen aktuellen Prozessfeldern des ÖPNV

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Der Technologiewandel zur E-Mobilität mit Strom aus regenerativen Energiequellen dient unter anderem dem Klimaschutz. Die Herausforderung auf der lokalen und regionalen Ebene kann nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung gemeistert werden. – Foto: Stephan Anemüller / KVB

Die Verkehrsunternehmen, Aufgabenträger und das Land Nordrhein-Westfalen stehen vor großen Herausforderungen. Neben dem Technologiewandel zur E-Mobilität müssen unter anderem der Ausbau und die Erneuerung der Infrastruktur für einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr geleistet werden. Hierfür hat die KVB u. a. Zuwendungen von 16,8 Millionen Euro für elektronische Stellwerke in Deutz, Kalk und Heimersdorf, von 15,8 Millionen Euro für den Bau der neuen Abstellanlage für Stadtbahnen in Weidenpesch und von 12,7 Millionen Euro zur Erneuerung von Rolltreppen im KVB-Netz erhalten.

 
 
 
 
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