Zum Fußball mit der KVB

Veraendertes Stadionkonzept 2019

Der 1. FC Köln ist erstklassig. Seine Fans sind es auch. Bis zu 50.000 von ihnen strömen zu den Heimspielen im RheinEnergieStadion. Da muss auch die Leistung der KVB stimmen, damit alle pünktlich zum Anpfiff da sind und nach dem Ende des Spiels schnell wieder zurückkommen. Die KVB hat deshalb zum Beginn dieser Saison ihr Betriebskonzept weiterentwickelt. Damit wird der Stadionverkehr noch reibungsloser funktionieren.

Mit 32 Stadtbahnen verstärkt die KVB zu den Bundesliga- und Pokal-Spielen ihren Betrieb, um die Fans bis zum Stadion zu bringen und dort wieder abzuholen. Spielt der 1. FC Köln an einem Freitag, ist dies eine der größten betrieblichen Herausforderungen. Auf der Strecke der Linie 1 fahren die “normalen“ Bahnen nach Fahrplan im dichten Takt. Hinzu kommen die Sonderbahnen des Stadionverkehrs. Aber auch an Samstagen kommen sich die Sonderbahnen mit dem normalen Verkehr schnell in die Quere. Es gilt, den Ablauf stets genau zu beobachten, um Unmut bei Fans und bei den weiteren Fahrgästen zu vermeiden.

RheinEnergieStadion-01

Das RheinEnergieStadion – ein Zielpunkt, zu dem bis zu 50.000 Fans pünktlich hinkommen wollen.

Der Stadionverkehr wurde in diesem Blog bereits 2017 von Autor Matthias Pesch beschrieben (Zum Blogbeitrag). Einer detaillierten Darstellung des Gesamten bedarf es somit nicht. Hier sollen nun Veränderungen beschrieben werden, an die sich die Fans noch gewöhnen müssen.
Übrigens: Der erste Blog-Beitrag entstand während eines Spiels des 1. FC Köln gegen die Rivalen der Borussia Mönchengladbach. Nun kommt die Mannschaft vom Niederrhein nach einjähriger Pause wieder – und schon veröffentlicht die KVB einen weiteren Blog-Beitrag zum Stadionverkehr. Ein Schelm, der … 😉

Aber die Weiterentwicklung des Betriebskonzeptes ist eine gute Gelegenheit, das gesamte Thema noch einmal hervorzuheben. Was hat sich also getan?

Zeit für alle sparen

Koordinierung

Die Betriebssteuerung der KVB beobachtet das Geschehen genau und führt den Einsatz an Heimspieltagen sehr feingliedrig durch.

Das große Problem ist, dass sich auf der Aachener Straße zu Heimspielen die Stadtbahnen stauen. Dicht gedrängt stehen die Fans in ihren Bahnen des Sonderverkehrs. In den Bahnen nach normalem Fahrplan harren die Fahrgäste der Linie 1 aus. Mit jeder Ampel und jedem einzelnen Stopp an einer Haltestelle kommt der gesamte Korso zum Stehen. Das geht den einen und den anderen manchmal auf die Nerven, lässt sich aber grundsätzlich nicht ändern.

Doch in der Beobachtung der KVB hat sich herausgestellt, dass Zeitverluste vermieden werden können. Dabei sind es vor allem zwei Dinge, die nun geändert wurden:

Möglichst keine Hochflurbahnen mehr

Die KVB verzichtet nun, soweit dies möglich ist, auf den Einsatz von Hochflurbahnen im Stadionverkehr. Die Strecke der Linie 1, die hierbei befahren wird, ist eine Niederflur-Strecke und beim Fahrgastwechsel werden somit bei Hochflurbahnen die Trittstufen benötigt.

Das Ein- und Ausfahren der Trittstufen an Niederflur-Haltestellen frisst Zeit.

Das hatte bisher den Nachteil, dass an den Niederflur-Haltestellen durch das Ausfahren der Trittstufen jeweils ein paar Sekunden vergingen, während alle weiteren Bahnen hinter der jeweiligen Stadtbahn aufgehalten wurden. Nach dem Fahrgastwechsel folgte dann das Einfahren der Trittstufen – erneut ein paar Sekunden Stillstand.

Was bedeuten schon ein paar Sekunden hier und ein paar Sekunden da? In der Summe baut sich eine spürbare Verspätung auf, bedenkt man die Anzahl der Haltestellen vom Stadion bis zum Neumarkt und bis nach Deutz. Wer dann in einer der hinteren Bahnen fuhr, brauchte da viel Geduld.

Abbieger-Aachener-Stern

Insbesondere an der Kreuzung Aachener Straße/Gürtel kommt es zu Zeitverlusten, wenn abbiegende Bahnen lange warten müssen.

Keine Rückfahrten über den Gürtel mehr

Ein zweiter “Zeitfresser“ befindet sich an der Kreuzung Aachener Straße/Gürtel. Hier herrscht dichter Verkehr in verschiedenen Richtungen. Für die Stadtbahnen gibt es eine Vorrangschaltung an den Ampeln. Die ist aber am normalen Linienverkehr ausgerichtet: Die Linie 1 verläuft entlang der Aachener Straße über die Kreuzung, die Linie 13 entlang des Gürtels. Die Bahnen der Linie 7 biegen ab. Aber von Westen über die Aachener Straße kommend (also vom Stadion) in Richtung Ehrenfeld auf den Gürtel biegen normaler Weise keine Bahnen ab.

Beim Stadionverkehr war das bisher anders. Nach Ende der Fußballspiele wurden bis zu sechs Stadtbahnen über Ehrenfeld zum Hauptbahnhof und teilweise darüber hinaus geführt. Die Fahrer dieser Bahnen mussten also an der Kreuzung lange warten, bis sie auf den Gürtel einbiegen konnten. Sekunden wurden hier zu Minuten – und das auch für die dahinter fahrenden Bahnen.

Nun verzichtet die KVB auf diese Fahrtrichtung und führt auch diese Bahnen weiter entlang der Aachener Straße bis zum Neumarkt und später auch bis zum Bahnhof Deutz. Damit wird für alle ein bisschen Zeit gewonnen.

Am Neumarkt, am Bahnhof Deutz und an anderen Knotenpunkten besteht die Möglichkeit umzusteigen. Hierüber sind auch der Hauptbahnhof und die Stadtteile Ehrenfeld etc. zu erreichen. Vielleicht ist das ein kleiner Nachteil für Fußballfans, die bisher eine direktere Verbindung nutzen konnten. Doch für das Gesamtgefüge wirkt es sich positiv aus.

Übrigens: Diese Fahrten über den Gürtel hat es bisher auch nur für Rückfahrten gegeben. Bei den Hinfahrten waren der Neumarkt und Bahnhof Deutz immer schon die Umsteigepunkte für alle.

Fanruecklauf

Nach den Spielen muss die KVB noch schneller als vor dem Anpfiff viele Fans bewegen. Nun wird dies noch besser funktionieren.

Was gilt es zu beachten?

Die Weiterentwicklung des Betriebsablaufes wird sich für die meisten Fans nicht nachteilig bemerkbar machen. Doch diejenigen, die bisher über Ehrenfeld und den Hauptbahnhof zurückfuhren, müssen nun am Neumarkt oder Bahnhof Deutz umsteigen. Alle Fans können von einem zügigeren Stadtbahn-Verkehr profitieren.

Dabei gilt es – nach wie vor – Geduld zu haben. Denn: Auch die KVB kann nur ihr Bestes geben und hat nicht Einfluss auf alle Bedingungen des Verkehrs.

Und es empfiehlt sich immer wieder zu überlegen, ob auch eine Verbindung über Weiden West in Frage kommt. Vor allem Fans, die mit der S-Bahn weiter in Köln und in der Region unterwegs sind, können hier sehr gut umsteigen. Die KVB fährt im Stadionverkehr auch mit Sonderbahnen zwischen Weiden West und RheinEnergieStadion.

Kritische Fangruppen der Gästemannschaften werden weiterhin, so wie im Blog-Beitrag von Matthias Pesch beschrieben, von der Polizei begleitet. Hier ändert sich nichts.

Sie möchten noch weitere Artikel lesen?

Das Hightech‐Herz der KVB
Von Ost nach West, von West nach Ost! Die Linie 1
Wie kommt der Strom in die Bahn?
„Da beschwere ich mich mal bei der KVB!“ – Ein Tag im Verbesserungsmanagement
Verkehrsmeister ohne sie läuft bei der KVB nichts.

Sie möchten regelmäßig per E-Mail über neue Blogbeiträge benachrichtigt werden?
Dann klicken Sie hier!

19 Kommentare

  • Günter Rath

    Die Bahnen Richtung Weiden West werden gar nicht berücksichtigt! Ständig rappelt voll da hier zu wenig Bahnen eingesetzt werden.

    • Hallo Günter, dass die Bahnen voll sind, lässt sich bei so einem Ereignis nicht vermeiden. In beide Richtungen. Jeder möchte nach dem Spiel direkt die erste Bahn bekommen und nicht auf die dahinter stehenden warten. Dennoch werden die Fahrzeuge in beide Richtungen den Fahrgastströmen angepasst. VG Pia

  • Schimmi

    Ja, in Richtung Weiden West sind die Verbindungen ein Witz. Viel zu wenig Bahnen. Da geht manch einer lieber oder zwangsweise zu Fuß. Denn Wartezeiten von 10 – 20 Minuten in Richtung Weiden West sind zu lange und die Bahnen dann viel zu voll.

  • Paul

    Warum halten die Bahnen denn an jeder Provinzhaltestelle?
    Wäre es nicht wesentlich produktiver und zeitsparender, die Bahnen komplett durchfahren zu lassen und ggf. nur an den Knotenpunkten halten zu lassen, also Aachener Straße Gürtel, Neumarkt, Deutz (evtl. noch Rudolfplatz)?
    Die Hochflurwagen könnte man so auch ohne anzuhalten direkt zum Dom/Hbf bzw Breslauer Platz/Hbf. durchschicken. Warum macht man das so kompliziert?
    Es wäre auf jeden Fall besser eine eigene Liniennummer einzuführen für Stadionsonderzüge, die könnte man dann auch offiziell ausweisen, wie damals die Linie 14 („nur zum Messeverkehr“) – so könnte man sagen „nur bei Stadionveranstaltungen“ – bzw. man könnte noch einen Schritt weiter gehen und auch schreiben „nur bei Stadionveranstaltungen und als Verstärker/Entlastung der Linie 1“
    Das ist allgemein sehr irreführend, wenn manches mit „E“ umherfährt. Ich drifte zwar vom Thema ab aber die Linie 18, die immer nur nach Klettenberg fährt, könnte man auch als 19 betiteln, so weiß man, dass an in Klettenberg rausgeschmissen wird und die 18 immer über Klettenberg hinaus fährt.

    Ich würde mich freuen, wenn es ein Statement von euch (KVB) geben würde.

    • Hallo Paul, für die Fahrgäste, die in der Nähe dieser „Provinzhaltestellen“ wohnen, wäre das dann aber ein erheblicher Nachteil. Vorallem entstehen die Kapazitätsengpässe häufig in der Innenstadt, wo sich viele Linien die Trasse teilen. Die Trasse wäre auch bei einer reinen Durchfahrt für andere Fahrzeuge belegt. VG Pia

      • Herbert Körner

        Hallo Pia, das ist ein sehr guter Vorschlag von Paul. Die paar Fahrgäste die in der Nähe der „Provinzhaltestellen“ wohnen, können ja die regulären Bahnen der Linie 1 nehmen. Die Massen von Stadtion wollen zu 99 % zum Bahnhof und nicht an jeder Haltestelle halten.
        Es wird immer wieder über Verlängerung der Fahrzeuge der Linie 1 gesprochen. Die Stadt bzw, könnte jetzt schon anfangen die Bahnsteige zur verlängern, damit bei solchen Massentransporten wie von Fußballspielen Fahrzeuge in Dreifachtraktionen eingesetzt werden können. In Düsseldorf ist dies schon lang Gang und Gäbe.

        • Heike Voigt

          Ich hatte die Idee einer sogenannten „Express“-Linie, die nur an den Hauptknotenpunkten hält, bereits vor Jahren vorgeschlagen. Die damalige Antwort der KVB war, dass das die vorhandenen Gleise nicht hergeben, man könne nicht überholen, sondern es würden sich die Bahnen stauen und damit wäre keinem geholfen.
          Eine Hochbahn wäre 1. zu teuer und 2. wurde ich auf die Anwohner verwiesen, die das dann sehr stören würde.
          Geht zwar in Wuppertal, Hamburg oder anderswo auch, aber wir sind hier in Köln.

          • Rüdiger Krause

            Hallo Frau Voigt,

            eine Hochbahn ist wirklich nicht durchsetzbar und auch nicht mehr zeitgemäß. Es gibt etliche Bürger, die die Hochbahn der Linie 13 lieber heute als morgen abreißen.

            In Hamburg würde man heute keine Hochbahn mehr bauen. Da bin ich mir sicher. Und auch die Schwebebahn bekäme heute keine Chance mehr.

            Die Idee der Expresslinie klingt erst einmal interessant. Aber spätestens am Rudolfplatz ist Schluss mit schnell. Die Bahnen stauen sich vor dem Neumarkt zurück. Dem normalen Fahrgast ist so kaum geholfen.

            Was helfen könnte, wäre allerdings ein drittes Gleis an der Haltestelle Aachener Straße/Gürtel sowie eine absolute Vorrangschaltung auf der gesamten Strecke. Beides ist aber politisch nicht gewollt, weil dies den Autoverkehr einschränken würde. Ich sehe die FDP schon den Teufel an die Wand malen und das Ende der Stadt zu prophezeien.

        • Rüdiger Krause

          Längere Bahnen sind so nicht zulässig. Die Maximallänge, die nach BOStrab zulässig ist, beläuft sich auf 75 m. Eine Dreifachtraktion hat aber eine Länge von rund 84 m.

          Die Rheinbahn hat von der Technischen Aufsichtsbehörde eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Diese gilt aber nur in der Hauptverkehrszeit auf einer Linie. Die Züge müssen zudem im Tunnel zusammengekuppelt werden und dürfen nicht in Dreifachtraktion vom Betriebshof in Lierenfeld zum Linienweg fahren.

          Allerdings bin ich ganz auf Ihrer Seite, wenn es darum geht, die Bahnsteige zu verlängern. Es ist unglaublich, dass man in Köln seit Jahren schon 50 m kurze Bahnsteige für 58 m lange Züge baut. Teilweise wurden Bahnsteige auch ohne Not gekürzt, wie z. B. an der Haltestelle Zoo/Flora. Die Linie 3 hat am Görlinger-Zentrum ebenfalls einen kurzen Bahnsteig spendiert bekommen, obwohl man mehr Fahrgäste auf die Schiene bringen will und der Bedarf an längeren Zügen in Zukunft steigt. Angeblich alles nur, weil längere Bahnsteige nicht förderfähig seien. Seltsamerweise baut man in Bonn, also gleich nebenan, längere Bahnsteige.

          In Köln verbaut man sich Stück für Stück die Möglichkeit einer Dreifachtraktion. So werden aus den 2100 mit zwei Kupplungen neue Fahrzeuge der Serie 2400 mit nur noch einer Kupplung und einem Führerstand. Eine Dreifachtraktion ist hier also in den nächsten 30 Jahren nicht möglich. Die 2200 haben auch nur eine Kupplung und die neuen HF6, die in zwei bis drei Jahren kommen, werden wohl auch nur eine Kupplung haben. Man zementiert also den Zustand, den man heute hat.

          @KVB: Mein Kommentar von vorgestern erscheint hier nicht. Warum?

          • Sorry, wir haben vergessen den Kommentar freizuschalten. Entschuldgiung. Er ist jetzt sichtbar.

          • Philip

            Abgesehen davon, dass ich die kurzen Bahnsteige auch eher ungünstig finde: Wenn man später doch Hochflur-Dreifachzüge haben möchte, muss man sowieso neue Bahnen anschaffen – schließlich hat man sonst weniger Züge. Dann kann man doch neue Wagen mit zwei Kupplungen in die Mitte der beiden Wagen eines Doppelzuges hängen. Das ist vielleicht für die alten Bahnen schwierig, aber bei den neuen sollte es ja möglich sein, HF6-Modelle nachzubestellen, oder nicht?

          • Rüdiger Krause

            Möglich ist vieles. Alles eine Frage der Kosten. Wenn man einen Zug dazwischen kuppeln möchte, bräuchte dieser nicht einmal einen Führerstand. Er könnte einfach als motorisierter Beiwagen mitfahren. Dies alles löst aber nicht die Probleme mit der Länge der Züge. Mehr als 75 m ist zurzeit in Köln nicht drin.

            Der HF6 wird in homöopathischen Stückzahlen geliefert. Hier sollte man sich keinen großen Kopf drum machen, ob etwas kompatibel dazu ist oder nicht.

    • Rüdiger Krause

      In Bezug auf die Linie 18 (betrifft aber auch die 1, 7, 9, 12, 16) war die Idee eine Strecke eine Linie. Ist grundsätzlich auch nicht schlecht und auch teilweise in anderen Städten ähnlich.

  • Heiko Schomberg

    Naja, wenn die glorreiche Borussia aus Mönchengladbach in Mündersdorf zu Gast ist, kann man die Performanz des Verkehrskonzeptes direkt unter härtesten Bedingungen testen! 😉

    • Paul

      Dann ist es plötzlich möglich, die Züge auch durchfahren zu lassen, was sonst ja nicht möglich ist… 🙂
      Zwar in Begleitung der Sheriffs aber nun gut…

  • Heike Voigt

    @Rüdiger Krause:
    zu Ihrer Antwort auf meinen Beitrag vom 13.09.19: Nicht mehr zeitgemäß ist der Verkehr in Köln. Eine Lösung, mit der alle zufrieden sind, sehe ich allerdings nicht. Man kann die Straßen nicht verbreitern, da rechts und linkt größtenteils Häuser stehen, eine Spur für sog. Expressbusse freihalten, bringt noch mehr Stau, da die Zahl der Pkws ständig steigt, Tunnel wäre zu teuer, Hochbahn nicht erwünscht etc. Was bleibt da noch?

    • Rüdiger Krause

      Sehr geehrte Frau Voigt,

      was Köln bräuchte, wäre Mut zu einer Verkehrswende. Diesen Mut sehe ich aber leider derzeit nicht. Während die CDU und FDP ihren ideologischen Tunnel verwirklichen möchten, damit der Autoverkehr nicht durch die Stadtbahnen gestört wird, wollen die Grünen die oberirdische Ost-West-Stadtbahn, die sie als alternativlos ansehen. Währenddessen fordert die SPD als einzige Partei die meines Erachtens einzig sinnvolle Lösung: Mehr Schienen auf der Ost-West-Achse. Sie wird aber von der Mehrheit im Rat und der Stadtverwaltung gebremst.

      Dabei ist Fakt: Wenn wir die Verkehrswende wirklich wollen, um auch Kohlendioxid einzusparen, müssen wir den Schienenverkehr schnell und massiv ausbauen. Dazu gehört neben einer viergleisigen Ost-West-Verbindung (meinetwegen zwei Gleise oben, zwei unten oder auch vier oben, dann aber ohne höhengleiche Kreuzungen) auch endlich der Anschluss von Neubrück und Widdersdorf an die Stadtbahn. Zudem muss der Bau der Nord-Süd-Stadtbahn schnellstmöglich fertiggestellt werden und die Linie 13 auf einen 5-Minutentakt verdichtet werden. Dies wäre sogar ohne Ausbau der Infrastruktur möglich. Einzig die Fahrzeuge müssen schnellstmöglich beschafft werden. Zudem muss die Linie 13 an beiden Endpunkten so schnell wie möglich verlängert werden. Linksrheinisch bis zum Rhein, rechtsrheinisch mindestens bis zum Airport Businesspark oder noch besser bis Porz.

      Der Innenstadttunnel (Poststraße – Dom/Hauptbahnhof) muss ausgebaut werden. Er ist derzeit völlig überlastet und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 bis 50 Kilometern in der Stunde nicht auf dem Stand der Technik. Höhengleiche Kreuzungen wie am Appellhofplatz und an der Poststraße müssen so weit wie möglich umgebaut werden.

      Auch der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) muss dringend ausgebaut werden. Wir brauchen bei der S-Bahn Köln endlich Langzüge mit 210 m wie beispielsweise in Frankfurt am Main oder auch München. Dazu müssen viele S-Bahnhaltepunkte endlich verlängert werden. Weiterhin muss endlich der S-Bahn-Westring gebaut werden, damit die Universität Köln einen eigenen S-Bahnhaltepunkt bekommt, um die Stadtbahnlinie 9 zu entlasten. Gleichzeitig muss die Stammstrecke (Deutz – Hansaring) viergleisig ausgebaut werden, um in der Hauptverkehrszeit die jetzt überlasteten S-Bahn-Linien auf einen 10-Minutentakt zu verdichten.

      Dazu gehört aber auch die Einführung einer Citymaut. Gleichzeitig müssen die vorhanden autobahnähnlichen Straßen zurückgebaut werden. Es ist ein Wahnsinn, dass der Neumarkt von einer sechsspurigen Straße (drei Spuren auf der Südseite, drei auf der Nordseite) umfahren wird und am Ebertplatz eine insgesamt achtspurige Nord-Süd-Fahrt liegt. Das ist mehr aus auf dem Kölner Autobahnring und dies mitten in der Stadt!

      Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich aber nicht, dass ein Rückbau der Straßen zu mehr Staus führt – vorausgesetzt man baut parallel den ÖPNV aus. Mehr Straßen bedeuten mehr Verkehr. Dementsprechend bedeuten weniger Straße auch weniger Verkehr. Die Autofahrer werden ihr Verhalten nur ändern, wenn man sie dazu zwingt. Dabei könnten auch mehr Verwarngelder für Falschparker helfen – und das auch in den Außenbezirken.

      Leider ist die Politik noch dagegen, weil man fürchtet, nicht wiedergewählt zu werden. Ich habe aber die Hoffnung, dass die Parteien, die diese Entwicklung jetzt noch blockieren, in der Zukunft keine Rolle mehr spielen werden oder Ihre Meinung ändern.

      Für den Ausbau des ÖPNV und SPNV benötigt man Geld. Eine Menge Geld. Dieses Geld wäre auch bald verfügbar, wenn man sich am letzten Freitag auf ein sinnvolles Klimapaket hätte einigen können. Leider ist dies nicht geschehen.

Schreibe einen Kommentar

Mit der Freigabe Ihres Kommentares von Seiten der KVB wird der von Ihnen angegebene Name/das Pseudonym zusammen mit dem Kommentar veröffentlicht. Alle Informationen zu den geltenden Datenschutzbedingungen finden Sie hier: www.kvb.koeln/datenschutz (Stichwort: KVB-Blog: Kommentieren eines Blog-Beitrags)*