Linie 171: Seitenwechsel mit direktem Anschluss

Sie ist neu, überquert als einzige KVB-Buslinie den Rhein und bietet direkte Anschlüsse des Hauptbahnhofs, des Wiener Platzes, der Köln Arcaden und später des Opernhauses: Die Bus-Linie 171, die am 16. Dezember 2019 ihre Jungfernfahrt erlebte. Über die Severinsbrücke verbindet sie beide Seiten Kölns. Inzwischen steigen, insbesondere zwischen Kalk und Mülheim, zahlreiche Fahrgäste ein. Diese Linie verbindet im wahrsten Sinne des Wortes Köln und lohnt kennengelernt zu werden.

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Direkt am Hauptbahnhof starten die Busse der Linie 171.


Ich mache mich am Breslauer Platz, der linksrheinischen Endhaltestelle, auf den Weg. Etwas pflegebedürftig sieht der Busbahnhof dort ja aus. Aber es fand sich Platz für die Busse, die neben einer Regionalbuslinie halten. Noch ist es hier recht leer, denn die Ziele entlang der wenigen linksrheinischen Haltestellen werden auch durch andere Linien im Umfeld erschlossen. Aber wer am Hauptbahnhof in Köln ankommt oder von hier in die Ferne starten möchte, kann mit den Bussen auf der Linie 171 fast an dessen Türen umsteigen.
 
Was bedeutet es, direkte Verbindungen zu bekommen? Sollte das Netz des Bus- und Schienenverkehrs nicht immer aus Linien gebildet werden, die nah an die Ziele der Fahrgäste heranführen? Im Prinzip ja, aber …
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In einem großen Bogen, mit nur fünf Haltestellen, gelangen die Busse auf die Severinsbrücke. Der Walter-Pauli-Ring ist dann schon “drüben“.

Aber das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in einer Millionenstadt ist der Schienenverkehr und der benötigt Platz für seine Trassen. Das ermöglicht in einer “engen Stadt“, wie Köln mit seiner historischer Verkehrsnetzprägung eine ist, nicht immer direkte Wege. Umsteige- verbindungen sind da Realität. Das ist auch zwischen Kalk und dem Hauptbahnhof der Fall. Und die Stadt entwickelt sich beständig weiter. So hat etwa das rechtsrheinische Köln in den vergangenen zwanzig Jahren eine deutliche Aufwertung erfahren. In alten Industriearealen entstand Aufbruch mit jungen, dynamischen Branchen. Wohnstandorte verändern sich. Öffentliche Einrichtungen wie die der Hochschul- und Kulturlandschaft nehmen neue Standorte an. So verändern sich die Ziel-Quell-Muster des Verkehrs schneller, als dies die Verkehrsinfrastruktur nachvollziehen kann. Die Achsenstruktur des rechtsrheinischen Schienennetzes bleibt bestehen, es fehlen Ringverbindungen. Zudem müssen die Schienenwege nicht immer die Hauptverbindungen bilden, denen dann der Busverkehr nach Erschließung der Veedel Fahrgäste zuführt. Der Bus ist flexibel und mit ihm können Verkehrsbedürfnisse relativ einfach erfüllt werden.
 

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Der Kölner Hauptbahnhof wird nun auch von Kalk direkt erreicht. Bisher mussten Fahrgäste mit den Stadtbahn-Linien 1 oder 9 bis zum Heumarkt oder Neumarkt und dort dann in die Linien 132/133 oder 16/18 umsteigen – mit Koffern nicht gerade komfortabel.

Ich setze meine Fahrt fort. In Kalk steigen einige Fahrgäste zu. Schnell sind die Köln Arcaden erreicht, in denen sich einige Geschäfte befinden. Sie bilden ein wesentliches Element des Subzentrums Kalk. An den Haltestellen “Kalk Post“ und “Kalk Kapelle“ ist die Linie 171 mit den Stadtbahn-Linien 1 und 9 sowie mit diversen weiteren Bus-Linien der KVB verknüpft. Auf Höhe der Kapelle Kalk verlässt der Bus die Kalker Hauptstraße und ändert seine Fahrtrichtung in Richtung Norden. Sein Linienweg führt entlang dichter Wohnbebauung, an den Haltestellen findet reger Fahrgastwechsel statt. Schnell wird einer Mutter mit ihrem Kinderwagen geholfen und weiter geht es durch Kalk und Buchforst. In Buchforst besteht Anschluss an die Stadtbahn-Linie 3 sowie an verschiedene S-Bahnen der Deutschen Bahn.
 
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Die Köln Arcaden und weitere Geschäfte auf der Kalker Hauptstraße werden mit der Linie 171 erreicht.


Schon sind wir auf der Frankfurter Straße in Mülheim, der nächsten Einkaufsmeile, und reihen uns in den dichten Verkehr ein. Hier am Wiener Platz endet die Fahrt, die den Fahrgästen komfortables Vorankommen (noch) mit Sitzplatzgarantie ermöglichte. Die Haltestelle “Mülheim Wiener Platz“ ist ein wichtiger Knotenpunkt im KVB-Netz. Die Stadtbahn-Linien 4, 13 und 18 halten hier, genauso wie die Bus-Linien 104, 150, 151, 152, 153, 155, 156, 159. Die neue Linie 171 wurde somit gut in das Gesamtnetz der KVB integriert worden.

Linie 171: Ein neuer Pfad im traditionellen Liniennetz. Grafik: KVB.

 
Gewinn in Geschwindigkeit und Komfort

Schnell, sicher und komfortabel – die Grundpfeiler des ÖPNV-Betriebs. Gehen wir einmal davon aus, dass alle Verkehre der KVB so sicher wie möglich stattfinden. Dann bleiben noch die beiden Kriterien Geschwindigkeit und Komfort. Vom Breslauer Platz (Hauptbahnhof) bis zum Wiener Platz benötigen die Busse auf der Linie 171 nach Fahrplan 35 Minuten. Wer nicht auf dem gesamten Linienweg unterwegs ist, braucht entsprechend weniger. Schafft man das mit Umsteigen, also inklusive Fußwegen und Wartezeiten, im bisherigen Liniennetz?
Nach Fahrplan werden zum Beispiel für den Weg von der Haltestelle “Kalk Post“ bis zur Haltestelle “Breslauer Platz/Hauptbahnhof“ klassischer Weise 14 Minuten reine Fahrzeit benötigt. Der Fahrgast beginnt seine Fahrt mit der Stadtbahn-Linie 1 und steigt am Heumarkt in die Bus-Linie 132 oder 133 um. Mit der Linie 171 benötigt er 15 Minuten reine Fahrzeit, muss dabei nicht umsteigen. Die Linie 171 kann im Kriterium Geschwindigkeit punkten, auch wenn sie keine Expressbedienung verspricht.

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Bereits wenige Wochen nach Start der neuen Linie haben zahlreiche Fahrgäste deren Vorteile erkannt.


Umsteigefrei fahren zu können, insbesondere dann, wenn Gepäck für die Reise oder vom Einkauf auf der Hohe Straße, Schildergasse und Ehrenstraße mitgeführt wird, ist ein wesentlicher Komfortgesichtspunkt. Während die Fahrzeiten im genannten Beispiel sehr nah beieinander liegen, so muss doch auf der Umsteigeverbindung mit Wartezeit und mit Wegen zwischen den Linien gerechnet werden. Und auch die Alternative zur überfüllten Stadtbahn-Linie 1 auf der Ost-West-Achse oder zum überfüllten Bus auf der Linie 159 bringt Komfortgewinne – denken wir einmal an all diejenigen, die mit Kinderwagen bzw. Buggy unterwegs sind oder gar einen Rollator oder Rollstuhl benötigen. Auch mit der Stadtbahn-Linie 18 gelangt man zum Hauptbahnhof und in die Kölner City. Deren Bahnen halten auch am Wiener Platz in Mülheim (nicht jedoch in Kalk), so wie die Busse der Linie 171. Aber ein “Vergnügen“ ist das in der Verkehrsspitze nicht, wie diese Fahrgäste mit mitgeführten Gefährten berichten können.
 

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Die Anzahl von Abfahrten ist ein Komfortaspekt. Ab Breslauer Platz starten die Busse im 10-Minuten-Takt in Richtung “Mülheim Wiener Platz“.

Also doch Express?

Viel wird von Express-Linien geredet, wenn Beispiele für einen wesentlich attraktiveren ÖPNV gesucht werden. Bus und Bahn sollen für klassische Autofahrer eine wirkliche Alternative zum Pkw werden. Doch ist das Auto in der Millionenstadt selbst Express-verdächtig? Sicherlich nicht. Der Bus kann es in der inneren Innenstadt auch nicht sein. Auch auf der neuen Linie 171 müssen die Busse im Verkehr “mitschwimmen“. Gerade im Berufsverkehr, insbesondere im Winter, wird es da eng und dann sind auch die Möglichkeiten des Busverkehrs begrenzt. Aber die Geschwindigkeit fokussiert sich ja nicht nur auf schnelle Busbewegungen. Vielmehr ist der Zeitaufwand des Fahrgastes von Haustür zu Haustür, also vom Ausgangspunkt bis zum Ziel seines Weges entscheidend. Und da punkten umsteigefreie Verbindungen, insbesondere wenn für das Auto kaum ein kostenfreier Parkplatz gefunden wird. Zudem wird der Komfort durch häufige Abfahrten mitbestimmt. Im Zehn-Minuten-Takt, der auf der Linie 171 angeboten wird, muss niemand lange auf den nächsten Bus warten.

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Ohne Stau, wie hier im Bild, kommen auch die Busse gut durch. Doch in der Verkehrsspitze oder bei Stau durch Unfälle etc. müssen Busfahrer und Fahrgäste genauso wie Autofahrer geduldig sein.


Der Fahrplan und Linienweg der Linie 171 ist überschaubar. Es sind fünf Haltestellen im linksrheinischen Köln und zwölf Haltestellen im rechtsrheinischen Stadtgebiet. Der durchschnittlich Abstand zwischen den Haltestellen auf dem 20,6 Kilometer langen Linienweg beträgt 1,3 Kilometer. Aber das täuscht, denn die Abstände weisen eine große Spannbreite auf. Zwischen Blaubach und Walter-Pauli-Ring zum Beispiel fahren die Busse mehrere Kilometer ohne Halt. Es soll schon Rufe aus Deutz gegeben haben: „Warum hält die 171 nicht bei uns?“ In Kalk, Buchforst und Mülheim sind die Abstände zwischen den Haltestellen recht kurz, so dass die dortige Bevölkerung nah an der Wohnung oder dem Arbeitsplatz einen Anschluss hat.
Begrenzt sind die Bedienzeiten. Morgens zwischen 6.30 Uhr und kurz vor 10 Uhr, nachmittags von etwa 15 Uhr bis kurz nach 19 Uhr. Aber dann immer im Zehn-Minuten-Takt. Gefahren wird montags bis freitags, nicht aber samstags, sonntags und feiertags. Die Linie 171 soll auch bestehende Linien wie die Stadtbahn-Linie 1 und die Bus-Linie 159 entlasten – und die sind werktags in den Verkehrsspitzen voll.
 
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Ein einfacher, überschaubarer Fahrplan kennzeichnet die Linie 171.

Rheinquerung nun auch wieder mit dem Bus

Der Rhein gehört zu Köln wie der Dom und der 1. FC. Seine trennende Wirkung haben die Kölner durch sieben Brücken aufgehoben. Doch derzeit führt mit der neuen Linie 171 nur eine Bus-Linie über den Strom. Die Linie nutzt die Severinsbrücke. Im Gegensatz hierzu verbinden sieben der zwölf Stadtbahn-Linien beide Rheinseiten miteinander.
Für die Fahrgäste – Einheimische gleichermaßen wie Touristen – stellt die Überquerung häufig ein besonderes Erlebnis dar: Freier Blick auf den Dom oder die Kranhäuser, Korso der Binnenschifffahrt und erhabene Brücken.

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Freier Blick auf den Rhein und Dom ist nun auch wieder aus dem Bus möglich.


Doch führt nicht erstmalig eine Bus-Linie über den Rhein. Axel Reuther, Fachjournalist des öffentlichen Verkehrs, hat in den Archiven recherchiert. „Schon ab 1945 bis 2013 hat es über die dem Autoverkehr zur Verfügung stehenden Kölner Rheinbrücken Buslinien gegeben“, notiert er. „Den Anfang machte bereits im Juli 1945 eine Verbindung über die von den Amerikanern errichtete Behelfsbrücke, welche bis zur Wiedereröffnung der Deutzer Brücke im Oktober 1948 bestand.“ Über die Deutzer Brücke sind dann ab Dezember 1951 Busse verschiedener Linien gefahren. Bis Oktober 1970 wurde die Brücke im Stadtverkehr genutzt. Bis Juni 2004 befuhren die Busse des Flughafenzubringers diese Brücke. Bis Oktober 2013 konnten die Besucher großer Messeveranstaltungen noch auf einer Sonderlinie vom bzw. zum Hauptbahnhof den Ausblick auf den Rhein genießen, bestand eine bei großen Messen verkehrende Sonderlinie ab Hauptbahnhof. Diese Sonderlinie hat damals bereits die Liniennummer 171 getragen. Auch über die Mülheimer Brücke fuhren bereits von November 1952 bis August 1974 Busse der KVB im Linienverkehr. Eine Buslinie führte von Juni 1967 bis August 1974 über die Zoobrücke. „Einzig die Severinsbrücke ist seit ihrer Inbetriebnahme im November 1959 bis zur Einführung der neuen Linie 171, und damit 60 Jahre lang, nicht von Linienbussen der KVB befahren worden“, so Reuther.
 

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Am Wiener Platz in Mülheim hat die Linie 171 ihre rechtsrheinische Endhaltestelle. Somit hat das Zentrum des im starken Wandel befindlichen Stadtbezirkes Mülheim eine weitere direkte Anbindung an die Kölner City.

Was bringt die Zukunft?

Nun hat die Linie 171 ihre ersten Betriebswochen hinter sich. Erfahrungsgemäß dauert es einige Zeit, bis sich neue Angebote etabliert haben. Die Macht der Gewohnheit führt dazu, dass viele Fahrgäste zunächst auf alten Pfaden bleiben. Aber der Anfang macht Hoffnung, dass nach dem ersten Fahrplanjahr eine sehr ordentliche Nutzung erfasst werden kann. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Linie eine weitere Entwicklung erleben wird. Vielleicht werden die Busse einmal über den Wiener Platz weiterfahren, den Clevischen Ring nutzen und dann in Leverkusen enden? Derzeit ist das aber reine Spekulation!

Alle Bilder wurden von Stephan Anemüller fotografiert.

 
 
 

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15 Kommentare

  • Klaus-Wilhelm Kratz

    Hier in Köln-Weiden sehe ich aber nur leere Busse fahren! Und auf dem Bild hier sind aus dem Bus kommend, nur 4 Fahrgäste zu sehen. Allgemeines zum Busanschluß: Sonntags ist das wilder Westen pur. Die Linie 143 Richtung Köln-Ehrenfeld fährt morgens statt um 8:24Uhr erheblich früher ab. Notgedrungen mußten wir zurück und mit unserem Auto fahren. Wen sahen wir in Ehrenfeld/Gürtel/Venloerstr Pause machen? Unser zu früh abgefahrener Busfahrer! So gewinnt die KVB keine Kunden. Dazu kommt, daß die Mehrfahrkarten keinen Preisnachlaß mehr haben und ich gezwungen bin, Einzellfahrscheine zu lösen. Denn zu verschenken habe ich nichts!

  • Hans Kaspar

    am Wiener Platz hält die Linie 4 nicht die Linie 3

  • Andy

    Sehr interessanter Artikel, aber weshalb sagt der Artikel dass Busse über den Rhein eine Neuerung sind? Es fahren doch schon ewig die Linien 250 und 260 über die Deutzer Brücke. Dies sind zwar keine KVB-Linien, aber darauf sollte es ja nicht ankommen…

  • Bastian Lehmann

    Hallo liebe KVB,

    bitte prüfen Sie doch einmal, ob sich nicht ein Halt der neuen Buslinie 171 an der Kreuzung mit der Linie 7 (Severinsbrücke) einrichten lässt. Alternativ (endlich) die Buslinie zwischen rechts- und linksrheinischer Seite im Kölner Süden über die Rodenkirchener Brücke realisieren.

    Aktuell muss man bis zum HBF, um vom Kölner Süden rechtsrheinisch in den Kölner Süden linksrheinisch zu kommen, da überhaupt keine Verbindungen (weder Straßenbahn noch Bus) bestehen! Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß, insbesondere wenn man Verkehr vom Auto in Richtung ÖPNV verlagern möchte!

    Viele Grüße

  • Gerry

    Der Busbahnhof am Breslauer Platz sieht „etwas schmuddelig“ aus? Es ist ein total veraltenes 60 od. 70 Jahre Dreckloch, und das im Herzen von dieser Stadt. Warum hingt diese ja nun wirklich nicht sehr schöne Stadt anderen Metropolen, ja nicht nur Metropolen in Deutschland, 20 Jahre mit der Modernität und Technik hinterher? Es ist reines Kopfschütteln.

  • Heike Voigt

    Zitat:
    „Schnell, sicher und komfortabel – die Grundpfeiler des ÖPNV-Betriebs.“

    Ihr habt mir den Tag gerettet. Dankeschön. 🙂

  • Thomas Hellwig

    Schön geschrieben, allerdings erklärt der Fehlerteufel, daß in Buchforst nur die S-Bahn hält und keine Regionalbahnen.
    Mit freundlichen Grüßen

    • Milko Mikosch

      Oben im Text steht: „In Buchforst besteht Anschluss an die Stadtbahn-Linie 3 sowie an verschiedene S-Bahn-, Regionalbahn- und RegionalExpress-Linien der Deutschen Bahn.“

      Aber richtig ist, dass es in Buchforst nur einen S-Bahnhof gibt. Die RB- und RE-Linien halten nämlich nebenan in Köln-Mülheim bzw. Köln-Messe/Deutz.

  • Rüdiger Krause

    Es ist schön, dass die KVB endlich zugibt, dass die Linie 159 in der Hauptverkehrszeit völlig überlastet ist. Schon seit Jahren wäre dort ein 5-Minutentakt notwendig gewesen. Jedoch sah man in Braunsfeld nie eine Notwendigkeit dafür. Eine neue Linie 171 hätte es also nicht wirklich dafür gebraucht. Diese ist ja auch nur aus der Not geboren, da die Linien 1 und 9 ebenfalls seit Jahren schon aus allen Nähten platzen.

    Gleichwohl hoffe ich, dass die neuen 170er Linien wirklich nur eine Übergangslösung bleiben und wir alsbald eine Entscheidung zur Ost-West-Achse in Köln fällen.

    Interessant ist auch, dass die Linien 171, 172 und 173 zum Breslauer Platz durchgebunden werden und die 179 schon in Deutz endet. Als wollten alle Fahrgäste aus Neubrück und Höhenberg nur nach Deutz und nicht ins linksrheinische.

    • Heike Voigt

      @Rüdiger Krause:
      Ich habe den Verdacht, dass über die Ost-West-Achse noch jahrelang diskutiert wird, bevor überhaupt ein Spatenstich getan wird, geschweige denn, dass wir es noch erleben, dass das Chaos, was auf der Strecke herrscht, behoben wird.

      • Rüdiger Krause

        Sehr geehrte Frau Voigt,

        die Politik hat die letzten 10, 15 Jahre im Bereich ÖPNV leider mehr oder weniger verschlafen. Seit dem Beschluss im Jahre 1992, die Nord-Süd-Stadtbahn zu bauen, gab es keine nennenswerten Erweiterungen mehr im Stadtgebiet Köln. Dies ist nun fast 30 Jahre her und rächt sich heute.
        Die Schuld hierfür ist aber nicht nur bei der Politik zu suchen. Auch der Vorstand der KVB hat meines Erachtens zu wenig getan, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. Trotz einer ständig steigenden Bevölkerungszahl ging man davon aus, dass Köln in Zukunft schrumpfen würde und daher ein Ausbau nicht notwendig sei. Ein fataler Irrtum, wie sich inzwischen herausgestellt hat.
        Nun stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Die Nord-Süd-Stadtbahn geht erst in vier bis fünf Jahren in Betrieb und damit mehr als 30 Jahre nach dem Baubeschluss. Für die Ost-West-Achse finden sich keine Mehrheiten für eine Variante.
        Während für die CDU nur ein Tunnel in Frage kommt, der die Kapazitäten kaum erhöht, wollen Bündnis 90/Die Grünen die Strecke oberirdisch belassen. Die FDP will sowieso jede Bahn im Untergrund versenken, damit sie dem Auto nicht in die Quere kommt. Die Linke ist gegen einen Tunnel, da er „Zweckentfremdung von ÖPNV-Mitteln“ sei. Auch die Ratsgruppe GUT möchte ausschließlich eine oberirdische Führung der Bahnen. Was die AfD will entzieht sich meiner Kenntnis. Einzig die SPD kam im Frühjahr 2018 mit einem äußerst sinnvollen Vorschlag um die Ecke: Einen Tunnel vom Bahnhof Deutz bis nach Melaten zu bauen und die Linie 7 weiterhin oberirdisch fahren zu lassen. Neu war der Vorschlag allerdings nicht, wie man unter https://blog.kvb-koeln.de/rush-hour-in-der-innenstadt-mehr-bahnen-sind-aktuell-nicht-drin#comment-1158 nachlesen kann.
        Die KVB hofft dagegen darauf, dass seitens der Technischen Aufsichtsbehörde in der Bezirksregierung Düsseldorf 90 m lange Züge auf der Ost-West-Achse genehmigt werden und erklärt diese Genehmigung nur als Formsache. Fragt man einmal nach etwas schriftlichen in Braunsfeld nach, gibt es keine Auskünfte. Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz Nordrhein-Westfalen werden nicht beantwortet (inzwischen wurde bereits in einem anderen Fall Klage vor dem Verwaltungsgericht Köln gegen die Nichtbeantwortung einer Anfrage eingereicht). Aber zum Glück gibt es ja noch die Bezirksregierung Düsseldorf, die Anfragen auch beantwortet: https://fragdenstaat.de/anfrage/stadtbahn-koln/.
        Demnach ist keinesfalls sicher, dass es eine Ausnahmegenehmigung für die KVB geben wird. Im schlimmsten Fall passiert also folgendes: Es wird für über eine Milliarde Euro ein Tunnel in der Innenstadt gebaut, der nur über zwei Gleise verfügt. Dafür sollen 90 m lange Züge in diesem verkehren. Im Jahr 2040 ist der Tunnel fertig, aber die Technische Aufsichtsbehörde erteilt keine Ausnahmegenehmigung für den Betrieb von 90 m langen Zügen auf der Aachener und Zülpicher Straße. Dann hat man viel Geld versenkt, um die überlastete Bestandsstrecke unter die Erde zu legen, aber kein bisschen Mehrkapazität.
        Baut man stattdessen den Tunnel zusätztlich zu den oberirdischen Gleisen, verdoppelt sich die Kapazität der Ost-West-Achse. Eine Ausnahmegenehmigung bräuchte man dafür nicht einmal. Es müsste auch kein einziger Bahnsteig außerhalb des Tunnels verlängert werden. Alleine dafür wurden ja schon 250 Millionen Euro veranschlagt.
        Wir müssen also wohl erst einmal die Kommunalwahl im Herbst abwarten und schauen, wie dann die Mehrheiten in Köln aussehen. Aber ich fürchte, dass es auch danach nicht den großen Wurf geben wird.
        Seit dem Beschluss, eine Bürgerbeteiligung durchzuführen, sind inzwischen über zwei Jahre ins Land gegangen. Bis heute gibt es jedoch noch immer keine Entscheidung.

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